Trip

Der Typ in der Mitte hat sich durch Europa getindert

09.02.2018, 17:19 · Aktualisiert: 10.02.2018, 10:06

Aber nur für einen Schlafplatz!

Tinder ist die App, mit der sich Menschen finden lassen, die eine Nacht (oder ein ganzes Leben) ein Bett teilen wollen. Couchsurfing ist die App, mit sich Menschen finden lassen, die andere eine Nacht auf ihrem Sofa schlafen lassen.

Anthony Botta hat diese beiden Prinzipien nun vereint: Er reist als erster "Tindersurfer" durch die Welt. Er sucht Gastgeberinnen – immer mit der Möglichkeit, dass daraus ein bisschen mehr wird. Über seine Abenteuer berichtet er auf YouTube.

Anthony kommt aus Brüssel, ist 26 und hat einen festen Job im Marketing. Im vergangenen Sommer war er fertig mit dem Studium und hatte seit langer Zeit mal wieder eine Lebensphase vor sich, in der er keine Klausuren schreiben musste.

Wie viele stellte er sich die Frage: Was mache ich mit diesem ersten und vielleicht letzten freien Sommer? Und wie viele dachte er zuerst irgendeinen Trip nach Ibiza.

Im Gespräch mit seinen Kumpels kam ihm dann aber die entscheidende Idee: "Was, wenn ich eine Rundreise mache – aber nur bei Frauen übernachte, die ich auf Tinder getroffen habe? So wie Couchsurfing, aber eben mit Tinder?" Die Geburtsstunde des Tindersurfing.

(Bild: Privat)

Dann dachte er sich eine Route aus, die er in zwei Monaten bereisen wollte. Sie führte durch acht europäische Länder: Belgien, Holland, Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Tschechien und Polen.

Anschließend besorgte er sich Tinder Plus. "Die am besten investierten 20 Euro meines Lebens", so Anthony. Die Premium-Version fügt der Dating-App weitere Funktionen hinzu – sie ermöglicht es zum Beispiel, Swipes rückgängig zu machen.

Für Anthony aber am Wichtigsten: Man kann in einer Stadt anfangen zu tindern, bevor man dort ist. So konnte er schon im Voraus Kontakt zu Leuten aufnehmen – und musste nicht erst am Busbahnhof damit anfangen.

Und was hat er den Frauen dann so geschrieben?

Anfangs unterhielt er sich mit jedem Match, führte erst Smalltalk, erklärte dann von seinen Plänen und der Reise. "Aber schon nach drei Tagen habe ich gemerkt, dass ich das nicht durchhalte. Von da an war es nur noch Copy und Paste."

Seine neue, um einiges effektivere Strategie sah so aus:

  • Wischen, wischen, wischen. Immer nach rechts – aussortieren konnte er später noch.
  • Jeder Frau, die ihm auch ein Swipe nach rechts, also ein "Ja" gab, bekam folgende Nachricht: "Du bist mein erstes Match in dieser Stadt", gefolgt von drei Herzaugen-Emojis.
  • Sobald die Frau reagierte, bekam sie einen YouTube-Link – zu dem einminütigen Trailer, den er zu seinem Projekt gedreht hatte.
  • Dann fragte er: "Möchtest du meine Gastgeberin sein?" Und hoffte, ohne viele Umschweife einen Schlafplatz zu bekommen.

Das ist der Trailer:

Und darauf sind viele Frauen eingegangen?

Immerhin genug, um zwei Monate durchzukommen. Insgesamt erklärten sich 21 verschiedene Frauen bereit, Anthony aufzunehmen – "junge Frauen, ältere Frauen, Studentinnen oder auch Mütter mit Kindern."

Tinder ist nach eigenen Angaben "die weltweit beliebteste App, um neue Leute kennenzulernen". Tatsächlich aber hat die App den Ruf, eine Anlaufstelle für unverbindliche Techtelmechtel und Nacktfoto-Jäger zu sein.

Anthony reagiert gereizt, wenn man ihn darauf anspricht oder fragt, ob er mit allen Frauen geflirtet oder gar geschlafen hat. "Das nervt", sagt er.

"Couchsurfing ist doch eigentlich auch nichts anderes: Man übernachtet bei fremden Menschen, oft auch vom anderen Geschlecht. Ich habe bloß eine andere App genutzt." Ja, schon – aber eben eine Dating–App. Die den Angeschriebenen zumindest zu Beginn suggeriert, dass jemand ein mehr als freundschaftliches Interesse hat.

Diesen Einwand lässt er zwar gelten, allerdings: "Es ist nicht so, dass nach jedem Tinder-Date was läuft. Genau so war es beim Tindersurfen auch."

Also???

Ja, auf seiner Reise sei schon hin und wieder was gelaufen, sagt Anthony. Aber nicht mal mit der Hälfte der Frauen, beteuert er. Mit den restlichen Frauen habe er auch einfach Zeit verbracht – und andere Dinge unternommen, war feiern, essen, hat sich die Stadt zeigen lassen.

(Bild: Privat)

In nur zwei Fällen seien Gastgeberinnen kurzfristig abgesprungen und er konnte keine Alternative finden. Das erste Mal in Wien – von dort fuhr er einfach weiter, ins 70 Kilometer entfernte Bratislava. Das zweite Mal, in Polen, hatte er diese Option nicht – und musste sich eine Nacht im Hostel leisten.

Wie viele Frauen er jeweils anschreiben musste, bis er einen Schlafplatz gefunden hatte, kann Anthony nicht sagen. Manchmal ging es schnell, manchmal musste er ewig wischen. Insgesamt hatte er auf seiner Reise aber fast 3000 Matches – daraus wurden 21 Gastgeberinnen.

Doch die Tinderei brachte auch Probleme mit sich: "Ich bin ein sozialer Mensch. Aber nach einer Weile ist es dann schon anstrengend geworden, dass ich ständig mit jemandem reden, ständig dieselbe Geschichte erzählen musste. Das hatte ich vorher unterschätzt."

bento gibt es auch als App
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Trotzdem würde er das Tindersurfen jedem anderen empfehlen. "Außer, wenn ich eine Frau wäre, wäre ich eher vorsichtig. Es gibt unheimliche Typen, die nach ein paar Minuten ein Foto von ihrem Penis schicken."

Anthony steht trotzdem hinter seiner Idee. "Als Nächstes würde ich gern nach Kalifornien oder nach Neuseeland."

Nur eines könnte ihn stoppen: die Liebe. "Wenn ich eine feste Freundin hätte, würde ich wohl nicht mehr tindersurfen." Aber warum denn nicht, wenn es dabei doch gar nicht so sehr um Sex geht? Naja, meint Anthony. "Ich glaube irgendwie trotzdem, dass sie damit nicht einverstanden wäre."

Okay, alles klar. Für den Pärchenurlaub gibt es dann ja zum Glück herkömmliche Hotels.


Sport

Winterspiele in Südkorea: Der Eingeölte aus Tonga ist zurück

09.02.2018, 15:36 · Aktualisiert: 09.02.2018, 15:49

Wenn du extra eine Wintersportart lernst, nur um nackt rumzulaufen.

Es glänzt und funkelt wieder bei den Olympischen Spielen. Nein, nicht die Medaillen. Die werden erst noch vergeben. Es handelt sich um den Oberkörper von Pita Taufatofua. Der Sportler aus Tonga war schon bei den Olympischen Sommerspielen 2016 dabei (bento). 

Damals lief er bei der Eröffnungsfeier oben ohne ein. Erinnert ihr euch noch? 

So sah das aus: