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31.07.2018, 12:07 · Aktualisiert: 31.07.2018, 12:59

"Das Wohl der Tiere steht an zweiter Stelle."

Tiere sind beliebte Urlaubsattraktionen. Der Backpacker-Trip durch Asien ist für viele erst komplett, wenn sie auf einem Elefanten geritten sind und ein Selfie mit einem Tiger auf Instagram geteilt haben. Pauschaltouristen in Ägypten und Tunesien schwimmen mit Delfinen oder lassen sich von dressierten Walen nassspritzen. Und für ein bisschen Kleingeld darf man in jeder zweiten Fußgängerzone der Welt mal einen Affen, Kakadu oder eine Schlange auf die Schulter nehmen.

Doch was für Touristen Spaß, Exotik und Abenteuer verspricht, bedeutet für viele Tiere ein Leben in Angst und Qualen. Die Tiere werden mit Gewalt zu Kunststücken gezwungen, unter Drogen gesetzt, ihre Zähne und Klauen herausgerissen um Touristen nicht beim Foto zu gefährden.

Selbst Tagesausflüge zu wilden Tieren sind für Mensch und Tier gefährlich. Gerade erst wurde bei einer Eisbärensafari ein Deutscher Mitarbeiter eines Kreuzfahrtschiffs angegriffen, der Eisbär wurde erschossen. (bento)

Wir haben einen Experten gefragt, wie man gute und schlechte Angebote unterscheiden und als Tourist Einfluss auf das Leben der Tiere haben kann.

Wer spricht denn da?

James Brueckner, 40, leitet beim Deutschen Tierschutzbund die Abteilung Artenschutz. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Themen wie Jagd, Zirkus, Wilderei oder Touristen-Attraktionen. 

Worauf sollte man bei Touristenangeboten mit Tieren achten?

Wenn es direkten Kontakt zwischen Mensch und Tier gibt, ist das kein gutes Signal. Die Tiere stehen unter Stress, es können beidseitig Krankheiten übertragen werden. Viele sind verhaltensgestört, ihre Lebenserwartung sinkt dramatisch in Gefangenschaft. Egal, ob nun im Delfinarium, Tigertempel, beim Affenstreicheln oder beim Elefantenreiten im Dschungel.

Es geht um die Belustigung der Touristen. Das Wohl der Tiere steht an zweiter Stelle.

Gibt es positive Beispiele?

Gute Einrichtungen halten deutlichen Abstand, betreiben Aufklärung über die Lebensräume der Tiere und im Fall von Auffangstationen versuchen sie sogar, die Tiere wieder auszuwildern. Da wir selbst nicht weltweit aktiv sind und auch nicht alle möglichen Einrichtungen selbst besuchen können, können wir nur beispielhaft auf Einrichtungen verweisen, die von seriösen Tierschutzorganisationen unterstützt werden, darunter:

Woher stammen die Tiere für Attraktionen wie Elefantenreiten oder Tigersteicheln eigentlich?

Affen und andere Wildtiere werden oft als Jungtiere gefangen, ihre Mütter getötet. Viele Elefanten oder Delfine stammen ebenfalls aus der freien Wildbahn, weil sie sich in Gefangenschaft nicht oder nur schwer fortpflanzen. Tiger haben quasi 'das Problem', dass sie sich auch in Gefangenschaft sehr gut fortpflanzen, daher gibt es in China mehr Tiger in Zuchtfarmen als weltweit in freier Wildbahn.

Wie läuft denn so eine Entführung der Jungtiere aus der freien Wildbahn ab? Zum Beispiel bei Delfinen?

Die 'Drive-hunts" im japanischen Taiji sind sicher das eindringlichste Beispiel. Die Thematik wurde ja auch im Dokumentarfilm "The Cove" aus dem Jahr 2009 gezeigt. Dabei werden Delfingruppen von mehreren Fischerbooten mittels Lärm in eine Bucht getrieben, diese dann mit Netzen verschlossen und die Tiere dann entweder grausam getötet oder eben einzelne Delfine mit Netzen gefangen und aus dem Wasser gezogen.

All diese Praktiken sind gravierend tierschutzwidrig und mit entsprechenden Aufnahmen belegt und bekannt.

Woher weiß ich, ob ein Tierpark oder eine Tour artgerecht sind? Gibt es ein Siegel oder ähnliches?

Nicht direkt. Aber eine kurze Internetrecherche gibt da schnell Auskunft. Man kann einfach den Namen des Parks oder des Touren-Anbieters plus 'Tierschutz' oder auf Englisch 'Animal Welfare' in die Suchmaschine eingeben. Vor Ort gibt es meist auch Tierschutzgruppen, die sich engagieren und Auskunft geben können.

Portale wie TripAdvisor sind da aber keine Hilfe – die zeigen ja meist nur, wie gut es den Menschen gefallen hat. Und so ist zum Beispiel der Loro Parque auf Teneriffa dort sehr gut bewertet, aus Tierschutzsicht schätzen wir das aber anders ein. Einige „Attraktionen“ hat TripAdvisor nach massivem öffentlichen Druck immerhin gestrichen. Wenn man sich unsicher ist, sollte man im Zweifel lieber auf einen Besuch verzichten.

So werden Tieren als Urlaubsattraktionen missbraucht:

Chaz Mcgregor
Devaiah Mallangada Kalaiah
EPA/RUNGROJ YONGRIT
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Welche Standards sind das denn, die Sie sich für die Tiere in einem Wasserpark wünschen?

Eine auch nur annähernd artgerechte Unterbringung dieser Tiere kann nach unserer Meinung nicht gewährleistet werden, wegen der Habitatgröße, der Bewegungsmöglichkeiten und Umweltbedingungen wie der Wasserqualität.

Beim Schwimmen mit Delfinen kommen vielen sofort positive Assoziationen, das wird ja sogar als Therapie angeboten. Ist das besser zu bewerten als touristische Angebote?

Zum Teil bestehen Unterschiede, zum Teil aber auch nicht. Während manche Einrichtungen rein den touristischen Aspekt des Delfin-Schwimmens nutzen und solches anbieten, gibt es bei anderen auch die Möglichkeit, eine sogenannte "Delfin-Therapie" beziehungsweise "dolphin-assisted therapy" zu buchen. Beim Schwimmen mit Delfinen in Delfinarien dürfen Touristen zu den Tieren ins Becken, können sie anfassen, sich teilweise durch das Wasser ziehen lassen, Küsschen geben und Fotos machen.

Eine ganze Reihe von Vorbehalten bestehen dabei aus Tierschutzsicht bei sämtlichen direkten Interaktionen mit Delfinen, etwa das Gefährdungsrisiko für Mensch und Tier, mögliche Krankheitsübertragung, Stresspotenzial für die Tiere und artenschutzrechtliche Bedenken, wenn Einrichtungen zum Beispiel wildgefangene Delfine im Bestand haben.

Warum können solche Trips und Shows von Deutschland aus überhaupt gebucht werden?

In Deutschland gibt es bisher keine verbindlichen Vorgaben. Eine gute Nachricht gibt es: Immer mehr Reiseveranstalter distanzieren sich trotzdem von quälerischen Tiershows und bieten keine Ausflüge mehr dorthin an. Ganz aktuell hat etwa der Reiseanbieter Thomas Cook deswegen auch den Loro Parque und Sea World aus seinem Angebot gestrichen. (Auch Tui und DER Touristik verzichten weitestgehend auf Tiershows. Sie orientieren sich dabei an den Richtlinien des britischen Tourismusverbandes ABTA, Anm. d. Red.)

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es könnte strenger geregelt sein. Denn immer noch gibt es zu viele Touristenattraktionen im Angebot, die unsere geforderten Standards nicht einhalten. Und selbst dann: Kein Becken oder Käfig der Welt kann jemals den natürlichen Lebensraum ersetzen.

Wenn man unsicher ist, sollte man im Zweifel lieber auf einen Besuch verzichten.

Wenn es nun mein allergrößter Traum im Leben ist, Delfine oder Tiger zu sehen, was kann ich dann tun?

Ein gemeinsames Schwimmen mit frei lebenden Delfinen ist für die Tiere mit viel Stress verbunden. Vor allem, wenn viele Boote voller Menschen gleichzeitig kommen. Dabei kann es zum Beispiel passieren, dass Jungtiere verloren gehen. Auch Attacken gegen Menschen sind nich ungewöhnlich.

Es gibt auch Angebote, die das Wohl der Tiere im Blick haben. Wichtig ist, dass sie Abstand von den wilden Tieren halten, damit diese nicht in Panik geraten. Hier macht es Sinn, sich bei entsprechenden Organisationen zu informieren, zum Beispiel Whale & Dolphin Conservation WDC, die dann auch vor Ort mit Anbietern von Wal- und Delfinbeobachtungstouren zusammenarbeiten.

Die WDC hat das Programm "Dolphin SMART" ins Leben gerufen, welches gewisse Standards wie Mindestabstand und Verweildauer vorgibt. Dazu wurde auch ein entsprechendes Anbieterverzeichnis erstellt.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: Diese respektvollen Touren sind sind viel schöner, weil man die Tiere in ihrem eigenen Lebensraum beobachten kann – und nicht in irgendeinem traurigen Becken.


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Frankreich verbietet Handys an Schulen – wie sieht's in Deutschland aus?

31.07.2018, 11:30 · Aktualisiert: 31.07.2018, 11:43

Die beiden Länder im Vergleich

Ein Leben ohne Handy? Für viele kaum vorstellbar. Wir recherchieren über unser Handy, verabreden uns, checken Nachrichten, schauen Videos und manchmal telefonieren wir auch. Wir wachen damit auf und schlafen damit ein. Kurzum: Das Handy begleitet unseren Alltag. 

Emmanuel Macron will das jetzt zumindest für eine gewisse Zeit des Tages unterbinden und verbietet in Frankreich Handys an Schulen.