1. Startseite
  2. Trip
  3. Tansania und Sambia: Wie reise ich mit Bus und Bahn durch Afrika?

Bild: Thomas Beutler

Trip

So sieht Tansania abseits von Touristenpfaden aus

29.02.2016, 18:28 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Eine Reise von der Ostküste Tansanias durch Sambia bis zu den Victoriafällen.

Ich hörte zum ersten Mal von einer Freundin vom Mondregenbogen: Kurz nach der Regenzeit, bei Vollmond, könne es bei den Victoriafällen einen Regenbogen geben, nachts. Viel Gischt und ein Himmel ohne Wolken vorausgesetzt. Sie möchte ihn auch sehen, ob wir gemeinsam dorthin wollen, fragte sie.

Ich studierte damals in Morogoro, Tansania. Das Einzige, wovor ich dort wirklich Angst hatte, war der Verkehr. Die Straßen sind teilweise in schlechtem Zustand, unter Fahrern gilt: der Größere gewinnt. Die Busse sind oft in miserablem Zustand und total überladen, Anschnallgurte sind selten.

Deshalb wollten wir die 2500 Kilometer mit der Bahn zurücklegen – von Dar es Salaam, der größten Stadt Tansanias, bis nach Kapiri Mposhi in Zentralsambia. Danach mit dem Bus weiter nach Lusaka und dann in den Süden nach Livingstone zu den Victoriafällen. Zum Mondregenbogen.

Unvorhersehbare Verspätungen unterschiedlichster Dauer sollten eingeplant werden.

Unvorhersehbare Verspätungen unterschiedlichster Dauer sollten eingeplant werden. (Bild: Thomas Beutler)

Mittags geht es los. Wir haben Glück: nur eine Stunde zu spät. Veronica – die Schaffnerin – erzählt, dass die Bahn in der Regel mindestens acht Stunden Verspätung hat. Oder auch mal zwei Tage. Zeit wird hier eben anders wahrgenommen.

Der Zug ist seit 30 Jahren im Einsatz. Der Betrieb wird mit Mühe und Fantasie am Laufen gehalten. Die meisten Fenster haben keine Scheiben mehr, die Moskitogitter werden nur noch von Stöcken gehalten, in der Bordküche wird über offenem Feuer gekocht. Gebremst wird immer mit der Notbremse.

Wir reisen erste Klasse – in einer Vierer-Kabine. Da wir als Paar zählen, darf niemand sonst mit rein. Die Kosten der unbelegten Betten gehen unfreiwillig auf unsere Rechnung.

1/5

Die ersten Stunden der Fahrt sitzen wir am Fenster und lassen die Landschaft langsam vorbeiziehen. Vororte, Dörfer, Savanne und überall winkende Kinder. Viel mehr Afrika-Klischee geht kaum. Das erste Mal in meinem Leben vergesse ich wirklich die Zeit. Das hat was.

Beim Sonnenuntergang durchqueren wir den Mikumi-Nationalpark. Während wir ein Bier trinken, fahren wir an Antilopen und Elefanten vorbei.

Schon bald müssen wir das Moskitogitter herunterlassen, ein engmaschiges Metallgeflecht. Es wird sofort stickig. Der Kabinenventilator funktioniert nicht. Wenigstens sind wir nur zu zweit in der Kabine.

Die Kabinen der 1. Klasse sind mit jeweils vier Betten ausgestattet, getrennt nach Geschlecht.

Die Kabinen der 1. Klasse sind mit jeweils vier Betten ausgestattet, getrennt nach Geschlecht. (Bild: Thomas Beutler)

Am nächsten Morgen weckt uns Veronica. Es gibt Chai. Geschlafen haben wir besser als erwartet. Im Bahnhof von Wangingombe kommen Frauen mit Schüsseln und Körben an den Zug. Sie verkaufen uns Waren durchs Fenster, wir müssen uns noch nicht mal von unseren Plätzen bewegen. Wir entscheiden uns für Suppe aus der Plastiktüte. Dazu Chapati. Vorräte sind auf dieser Reise kaum nötig. Sobald der Zug hält, kommen Menschen aus allen Richtungen und verkaufen wahrlich alles an die Passagiere – vom Teppich bis zu Cola. Ein Bahnhof oder eine Siedlung muss dafür nicht zu erkennen sein.

Langsam gelangen wir in den Südwesten Tansanias. Nur mit Mühe schafft es der Zug die Hügel hinauf. Wir können in weite, grüne Täler gucken. Immer wieder kreuzen wir kleine Dörfer. Die Menschen hier leben von der Landwirtschaft und der Bahnlinie. Der Zug durchquert Regionen abseits der Touristenpfade. Im Schnitt fahren wir vielleicht 50 km/h. Viel Zeit zum Beobachten.

1/6

Bei einem Spaziergang durch den Zug lädt mich eine ältere Dame in der 2. Klasse zum Bao spielen ein. Ein ostafrikanisches Brettspiel. Ihr Englisch ist nicht sehr gut. Mein Swahili noch schlechter. Das ist wohl der Grund, warum sie die ganze Zeit lacht. Sie versucht mir die einfachste Variante des Spiels zu erklären. Natürlich verliere ich.

Nachts werden wir von der Grenzpolizei geweckt. Eine freundliche Beamtin verkauft uns ein Visum. Als ich sie darauf hinweise, dass wir nicht "dutch" sondern "deutsch" sind, zuckt sie nur mit den Schultern und fragt grinsend wo der Unterschied liegt. Wir sind in Sambia.

Die Ansprüche an die Sanitäranlagen sollten nicht zu hoch sein.

Die Ansprüche an die Sanitäranlagen sollten nicht zu hoch sein. (Bild: Thomas Beutler)

Am Nachmittag steigen in Serenje ein Dutzend Soldaten ein. Mit einem Offizier rauche ich eine Zigarette und er zeigt mir die Hügel am Horizont. Die Demokratische Republik Kongo ist eine Weile in Sichtweite. Wegen der Grenznähe seien die Soldaten an Bord, sagt er. Es gebe bewaffnete Banden, die Ärger machen könnten. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Spät abends erreichen wir mit acht Stunden Verspätung Kapiri Mposhi, die Endstation: Tor zu den Bergbauregion im Norden Sambias, deshalb gibt es hier kaum Unterkünfte, sondern fast nur Supermärkte und Tankstellen.

Mit einem Minibus geht es also weiter nach Lusaka. Da wir nachts ankommen haben wir keine andere Wahl; wir sind fast 20 Personen in einem Bus für zehn. Der Fahrer wirkt high und fährt schnell.

In Livingsstone geht uns das Geld aus. Deshalb machen wir einen Bogen um die Hotels der Stadt und kommen beim Roten Kreuz unter. Das hat hier eine Art Jugendherberge, mit billigen Betten – die Einnahmen werden gespendet. Eine gute Alternative.

Am nächsten Morgen trampen wir zu den Victoriafällen. John nimmt uns in seinem verrosteten Truck mit. Er ist auf dem Weg nach Simbabwe und transportiert Holz aus dem Kongo. Das Führerhaus ist vollgestopft mit Benzinkanistern. Trotzdem bittet er mich um eine Zigarette.

Die Victoriafälle am besten kurz nach der Regenzeit bei hohem Wasserstand besuchen.

Die Victoriafälle am besten kurz nach der Regenzeit bei hohem Wasserstand besuchen. (Bild: Thomas Beutler)

Das Tor zu den Fällen ist streng bewacht. Neben Touristen und Händlern wimmelt es von Affen. Der Eintritt ist teuer: 20 US-Dollar. Wir schlucken – und zahlen trotzdem. Für den Mondregenbogen werden wir später nochmal 25 Dollar zahlen müssen.

Am Abend lernen wir Louis kennen. Er bietet an, uns am nächsten Abend – durch den Hintereingang – den Nachtregenbogen zu zeigen. Er verlangt nur zehn US-Dollar. Wir sind unsicher, aber schlagen ein.

Er erwartet uns im Dunkeln kurz vor dem Gate, wir sollen noch warten, sagt er. Nach einer halben Stunde kommt ein Soldat und fordert uns auf ihm zu folgen. Wir klettern über einen hohen Zaun und durch das Unterholz. Wenige Minuten später stehen wir bei den anderen Touristen auf der Aussichtsplattform und sind überwältigt.

Es gibt ihn wirklich. Den Mondregenbogen.

(Bild: Thomas Beutler)

Tazara

Die Tickets für die Tazara (Tanzania-Zambia-Railway) können an den Bahnhöfen gekauft oder per E-Mail/Telefon vorbestellt werden. Das geht zwischen 07:30 und 17:00 Uhr (Central Africa Time) bei Peter Sichinga, Leiter des Kundenservices der Tazara: psichinga2014@hotmail.com oder +255 753 783 444. Swahili-Kenntnisse sind von Vorteil – anrufen ist sicherer, weil die Internetverbindungen sehr schwankend sein können. Mehr Infos zu Tickets, Strecke und Service gibt es hier auf der Seite der Tazara.

Mehr zu Trip: