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Sport weltweit: Wie hart schwitzt man in anderen Städten?

07.05.2016, 09:57

Wir haben in Barcelona, Buenos Aires, Tel Aviv, Moskau, Shanghai und Beirut geschaut, wie man dort am besten Sport machen kann.

Barcelona: Berglauf zur besten Aussicht

Wer über die asphaltierten Straßen der Altstadt in Barcelona joggt, hat vom Leben nicht viel verstanden. Es klingt nach einer tollen Idee, die Straßen rund um die Basilika Sagrada Família laufend zu erkunden. Ist es aber nicht – es sei denn, man steht auf Slalomlauf durch Menschenmassen. Vom Stadtzentrum bis zum Strand sind es nur wenige Minuten. An der Strandpromenade können Jogger kilometerlang laufen, entweder mit Sand unter den Füßen oder auf einem breiten Weg direkt neben dem Strand.

Oft gleicht die Promenade allerdings einem Catwalk. Dich erwarten schöne Menschen, viel Haut und knappe, farblich abgestimmte Neonoutfits. Tipp für Singles: immer locker laufen, bis jemand vorbeikommt, den man beeindrucken möchte. Dann Tempo anziehen und Brust rausstrecken. Bringt leider meistens nichts, steigert aber das Selbstwertgefühl.

Wer eher auf Höhenmeter steht, der ist am Monjuic richtig. Der Berg liegt im Süden der Stadt, hier fanden 1992 die Olympischen Spiele statt. Am Hafen vorbei geht es die steilen Straßen hoch, 137 Höhenmeter entlang der grünsten Gärten der Stadt. Barcelona ist hektisch, aber hier oben spürt man den Lärm der Stadt nicht mehr. Auf dem Gipfel warten die olympischen Stadien – und der beste Blick auf Barcelona. Wer jetzt komplett ausgepowert ist, kann zum Glück auch mit der Seilbahn zurück Richtung Stadt. (Steffen Lüdke)

Mit diesen Tipps joggst du richtig:

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Buenos Aires: Von einer Trendsportart zur nächsten

(Bild: Getty Images / Alexander Hassenstein)

Argentinier und besonders Argentinierinnen legen großen Wert auf Ästhetik. Wer ein paar Kilogramm zu viel auf den Rippen hat, wird – meistens – liebevoll als "gordo" (Dicker) bezeichnet. Bei Temperaturen von nicht selten über 40 Grad und einem Sommer, der länger als sechs Monate dauert, ist jedes Stück Stoff zu viel auf der Haut ein Problem. Entsprechend wichtig ist ein ästhetischer Körper.

Sport funktioniert in Buenos Aires nach Trends. Die Argentinier sind ein enthusiastisches Völkchen, das sich schnell begeistern lässt. Als der junge argentinische Tennisspieler Juan Martín del Potro es bis auf Platz vier der Weltrangliste schaffte, waren die Tennisplätze des Landes voll.

Danach eroberten Yoga und Pilates die Hauptstadt. Überall eröffnete die Yoga-Göttin Tamara di Tella neue Studios. Dort auch im Programm: Tangolates.

Momentan ist Crossfit die beliebteste Sportart. Hierbei sind vor allem Kraft, Ausdauer, Flexibilität und Koordination gefordert.

Weiteres Thema des bento-Reiseführers:

Neben den Modesportarten gibt es natürlich auch die Klassiker: Fitnessstudios und Laufen. Die bekanntesten Studioketten der Stadt sind "Sport Club" und "Megatlon".

Sehr beliebt sind auch Laufgruppen, die "Clubs de Corredores". Sie werden meistens von einer großen Sportmarke gesponsert. Ein Trainer mit großem Markenlogo auf der Brust hetzt die Läufer nach Feierabend durch die großen Parks der Stadt, etwa den Parque Palermo.

Und nicht zu vergessen ist natürlich die große Leidenschaft der Argentinier: Fußball. Gekickt wird eigentlich immer und überall. (Carolina Torres)

Tel Aviv: Sport am Strand

(Bild: Getty Images / Uriel Sinai)

Die meisten Tel Aviver sind beneidenswert gut in Form. Es scheint in dieser Stadt fast keine molligen Menschen zu geben. Entdeckt man doch mal welche, sind es meist britische Touristen. Dass die Menschen in Tel Aviv so figurbewusst sind, mag damit zu tun haben, dass hier fast immer Bikini- bzw. Shorts-Wetter herrscht. Der nackte Körper muss also fast jederzeit "vorzeigbar" sein.

Viele Tel Aviver gehen mehrmals die Woche ins Fitness-Studio. Sie machen Yoga, Pilates oder irgendeine asiatische Kampfsportart. Vor allem aber gehen sie joggen.

Weiteres Thema des bento-Reiseführers:

Wer sich zu einer beliebigen Tag- oder Nachtzeit an die Strandpromenade setzt, sieht dutzende Jogger. Eine optimale Laufstrecke: Die Promenade führt über mehrere Kilometer entlang der Mittelmeerküste vom Norden Tel Avivs bis zum historischen Jaffa. Am besten läuft man am frühen Abend los, dann brennt die Sonne nicht mehr und die Lichter der Moschee in Jaffa schimmern romantisch in der Ferne.

Einziger Nachteil: Die Promenade wird bis spätnachts von anderen Joggern, Touristen und jungen Pärchen bevölkert, man muss deshalb streckenweise im Slalom laufen.

Wer es ruhiger mag, weicht besser in den HaYarkon-Park im Norden der Stadt aus. Sehr zu empfehlen, außer am Wochenende, dann erobern grillende Großfamilien die grüne Oase.

Eine weitere beliebte Laufstrecke ist der Rothschild-Boulevard, allerdings aus weniger leicht verständlichen Gründen: Jogger müssen hier ständig an roten Ampeln halten und Spaziergängern und freilaufenden Hunden ausweichen. Gleichzeitig ist der Rothschild-Boulevard aber auch Tel Avivs Laufsteg – möglich, dass es manchen Sportlern auch darum geht. (Mareike Enghusen)

Moskau: Sport trotz Luftverschmutzung und Kälte

(Bild: Getty Images / Mark Kolbe)

Das Tempo des Lebens in Mokau ist so schnell, da rennt ohnehin schon jeder zu seinem Ziel. So erklären die Moskowiten, warum man nur wenige Jogger auf den Straßen der Stadt sieht. Vielleicht liegt es aber auch an den Abgasen und der Kälte. Moskau belegt Platz fünf unter den europäischen Städten mit der höchsten Luftverschmutzung. Zweistellige Minustemperaturen im Winter sind keine Seltenheit.

Wer Gleichgesinnte sucht: Moskau hat an die 20 Jogging-Clubs, die sich an verschiedenen Leistungsniveaus und Bedürfnissen orientieren. Der Club "Selfmama, run!" organisiert Babysitter für Mütter während des Trainings, "Yoga Run" integriert Yoga-Elemente in den Workout, dort joggen die Teilnehmer im Sommer barfuß.

Im Sommer werden in der Stadt viele Laufveranstaltungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen angeboten: vom Marathon bis zu einfachen Spaßläufen.

Ein besonderes Erlebnis ist der "Color Run". Wer hier mitlaufen möchte, kann sich verkleiden und darf keine Angst vor Farbe haben. Die Läufer kommen nicht nur verschwitzt, sondern auch bunt ans Ziel. Das Ganze erinnert an ein sportliches Holi-Fest. (Wlada Kolosowa)

Shanghai: So viel mehr als Tischtennis

(Bild: Getty Images / ChinaFotoPress)

Die Bewohner von Shanghai sind meistens sportlich, sie legen großen Wert auf eine schlanke Figur. Noch stärker als auf Sport konzentrieren sich viele Chinesen allerdings auf ihre Arbeit und ihr Studium, um neben den zahlreichen Konkurrenten und Konkurrentinnen nicht unterzugehen. Da bleibt oft nicht viel Zeit für Fitness. Wer es doch einrichten kann, spielt häufig Tischtennis.

Mittlerweile ist daraus ein Volkssport geworden. Die Chinesen wurden im März zum 20. Mal Weltmeister in dieser Disziplin. Der Wahn hat sogar eine neue Dimensionen angenommen: China plant in der Stadt Huainan ein 150 Meter hohes Hotel in Form eines Tischtennisschlägers.

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Neben Tischtennis sind auch Basketball, Tennis oder Schwimmen beliebt in Shanghai. Seit einigen Jahren sind auch Fitnessstudios in Mode, bei denen man sich für umgerechnet 20 bis 30 Euro im Monat anmelden kann.

Es kann allerdings schon mal vorkommen, dass niemand im Studio Englisch spricht, was für die meisten europäischen Besucher die Sache verkomplizieren kann – es sei denn, man spricht Chinesisch.

Eher selten sieht man Leute in Shanghai joggen. Kein Wunder, die Stadt ist eher bekannt für Hochhausschluchten und schlechte Luft als für grüne Parks. (Carolina Torres)

Beirut: Joggen im Smog oder blechen im Fitnessstudio

Libanesen sind schön. Das sagen viele, aber vor allem die Libanesen selbst. Und darum sind sie auch unglaublich eitel. Am Morgen sieht man oft muskulöse Männer, wie sie ohne T-Shirt an der Strandpromenade joggen.

In Beirut ist immer Stau. Die Luft ist nach sieben Uhr morgens so verpestet, dass man nach dem Joggen glaubt, man habe zwei Schachteln Zigaretten geraucht. Außerdem läuft man ständig Gefahr, überfahren zu werden. Die Gehwege sind brüchig und schmal, Joggen gleicht im Stadtzentrum einem Hürdenlauf.

Beirut ist keine Stadt für Fußgänger und noch weniger für Jogger. Wer es sich leisten kann, geht ins Fitnessstudio. Hier gibt es große Unterschiede bei den Preisen und der Qualität. Für 50 Euro im Monat muss man mit quietschenden Laufbändern, zerbrochenen Spiegeln und kaputten Geräten rechnen.

Eine andere Kategorie sind Fitnessstudios auf den Dächern von Luxushotels. Dort bekommt man frische Handtücher und Erfrischungsgetränke gereicht. Die Workout-Session kann man mit einem Cocktail am Pool beenden. Das Programm kostet jedoch 200 Dollar im Monat. (Theresa Breuer)

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