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Trip

Der perfekte Roadtrip: Durchs wilde Rumänien zu Draculas Schloss

22.10.2017, 13:27 · Aktualisiert: 22.10.2017, 16:47

Ich sitze auf dem Rücksitz und halte mich krampfhaft am Vordersitz fest. Mein Gesicht muss panisch verzerrt sein. Mit einem Abstand von gefühlt 20 Zentimetern, bei etwa Tempo 120 rasen wir hinter einem LKW her. "This is the romanian style", sagt Ana, unsere rumänische Freundin und überholt.

Wir sind zu viert: Ana, Elli, Jakob und ich. Vier Freunde auf einer Reise durch Rumänien.

An uns vorbei fliegen grüne Wiesen, auf denen Schafherden grasen. Zwischen den Ebenen liegen idyllische Dörfer mit Kirchenburgen, in denen die Dorfbewohner früher nicht nur beteten, sondern die auch als Rückzugs- und Verteidigungsort bei kriegerischen Angriffen dienten. Plötzlich biegen wir rechts ab.

Im Auto durch Rumänien.

Im Auto durch Rumänien. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

Schlaglöcher, nichts als Schlaglöcher, soweit das Auge reicht. Irgendwann sehne ich mich zurück auf die Landstraße. Nach elf Kilometern haben wir unser Ziel endlich erreicht: Viscri.

Ein kleines Dorf in Transsilvanien ohne asphaltierte Hauptstraße, dafür mit vielen blauen Häusern und noch mehr Ziegen. Hierher kommt Prinz Charles in sein Haus seit mehreren Jahren, um sich der Landwirtschaft und der Natur zu widmen. Die (ehemaligen) Bewohner, die Siebenbürger Sachsen, waren ein deutschstämmiges Volk, das sich vor einigen Jahrhunderten in der fruchtbaren Gegend in Rumänien niedergelassen hat.

On the road.

On the road. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

Transsilvanien – oder auch Siebenbürgen genannt – zieht sich vom Nordwesten Rumäniens ins Landesinnere und wird von den Bergen der Karpaten umschlossen. Der Name Transsilvanien bedeutet übrigens "jenseits der Wälder".

Rumänien ist ein Land der Gegensätze.

Auf den Straßen fahren Pferdekutschen neben SUVs, in den schneebedeckten Bergen kann man Skifahren oder am Sandstrand faulenzen, eine Limonade in den hippen Cafés der Städte trinken oder die Einfachheit des ländlichen Lebens erfahren. Überall sattes Grün und frische Luft, die schönste Natur.

Eine der beeindruckendsten Routen: Einmal quer durch Transsilvanien, von Arad über Cluj-Napoca, Brasov, Sibiu und zurück nach Arad.

Ein paar Impressionen aus Rumänien:

bento/ Andrea Rückert
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Die 1200 Kilometer kann man in einer Woche schaffen. Allerdings gibt es in Rumänien bislang noch wenige Autobahnen und man braucht für die Strecke deutlich länger als in Deutschland. Die Landstraßen sind jedoch sehr gut und führen häufig direkt durch die Dörfer und Städte.

1. Arad

Direkt an der ungarisch-rumänischen Grenze und nur 50 Minuten von Timişoara entfernt liegt Arad. Die Innenstadt zieht sich entlang eines drei Kilometer langen Prachtboulevards mit Grünanlage, von der orthodoxen Kirche bis zum Ioan-Slavici-Theater. Zwischen renovierten Prachtbauten rattern alte Straßenbahnen mit Werbung für einen deutschen Supermarkt.

So sieht es in Arad aus.

So sieht es in Arad aus. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

Eine Brücke verbindet die Innenstadt mit dem linken Maroschufer und den "Neptun Freizeitanlagen". Gerade in den heißen Sommernachmittagen (40 Grad sind keine Seltenheit) bietet das Freizeitbad Abkühlung. Abends wird in den Cafés, Restaurants und Discotheken gefeiert. Wer am Flussufer Essen gehen möchte, der kann ins Ratio Beach.

Am Ufer gibt es auch eine Menge streunender Hunde, sie halten sich aber von den Gästen fern, bleiben lieber unter sich und spielen im Wasser. Etwas kostspieliger, aber für den deutschen Geldbeutel immer noch sehr erschwinglich, ist das beste Restaurant der Stadt – das Casa Bulzan. Hier kann man in einem urigen Gewölbekeller speisen.

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Gut gestärkt lässt es sich anschließend in der Diskothek Wings gut feiern. Allerdings muss man bedenken, dass in Rumänien erst ab ein Uhr nachts die Feierfreudigen eintreffen und es so richtig losgeht.

2. Cluj-Napoca

Die zweitgrößte Stadt Rumäniens war schon immer ein wichtiges Kultur- und Bildungszentrum und blickt auf eine über 2000 Jahre alte Geschichte zurück. Gegründet wurde die Stadt Napoca von den Römern. Die zentralen Sehenswürdigkeiten – wie etwa die orthodoxe Kathedrale – sind alle fußläufig zu erreichen. Heute präsentiert sich Cluj als Studentenstadt mit hippen Cafés und Kneipen, Museen und einer schönen Altstadt. Beim Kaffeetrinken kommt man sehr schnell mit den Menschen ins Gespräch, die alle sehr offen und interessiert sind.

Essen und Trinken in Rumänien

Hier kann man den ganzen Tag nur essen. Unbedingt probieren: Suppen! Die gibt es in allen Varianten und für alle Geschmäcker. Häufig werden sie in frischem Brot serviert.

  • slănină (Speck) mit süßen Zwiebeln und Schafskäse kann man direkt vom Bauern auf einem der vielen Märkte kaufen.
  • Köstlich ist Sakuska, ein Brotaufstrich aus Paprika, Auberginen, Tomaten.
  • In Sibiu kommt man nicht an Polenta mit Krautwickeln vorbei und auch die Mici (gegrillte Hackfleischröllchen) muss man probieren.
  • Bei den heißen Temperaturen im Sommer sorgt die Limonata, traditionell mit Zitronensaft und Minze, für Erfrischung.
  • Auf eurer Reise wird euch bestimmt Tuica, ein ziemlich hochprozentiger Schnaps, angeboten. Nehmt ihn an!

3. Sibiu / Hermannstadt

Klaus Johannis, der heutige Präsident Rumäniens, war 14 Jahre lang Bürgermeister von Sibiu. Die Innenstadt lockt mit ihren schönen alten Gebäuden und auch kulturell bietet Hermannstadt, wie die 150 000 Einwohner Stadt in Deutschland oft noch bekannt ist, unendlich viel: Museen, Festivals, Konzerte und vieles mehr lassen den Aufenthalt nie langweilig werden.

Die Aussicht vom Rathausturm in Sibiu.

Die Aussicht vom Rathausturm in Sibiu. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

Auf keinen Fall verpassen sollte man die Besteigung der Rathausturms, von dem man einen der schönsten Blicke auf die Stadt hat. Was man in Sibiu besonders gut kann: Schlemmen - auf dem täglichen Markt, im ältesten Restaurant Rumäniens, in einem Wiener Kaffeehaus oder in einem der modernen Lokale.

Hygienetechnisch würde ein rumänischer Markt in Deutschland wohl eher durchfallen, die Kühltruhen brummen heftig und kühlen nicht so heftig. Davon sollte man sich aber auf keinen Fall abschrecken lassen; zu lecker schmeckt der Schafskäse in all seinen Varianten.

In den Parks sitzen ältere Herren und spielen Schach oder Backgammon – die Welt scheint an diesen Orten für einen Augenblick still zu stehen.

4. Brasov / Kronstadt

Brasovs Marktplatz.

Brasovs Marktplatz. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

Schon von weitem sieht man die Berge mit dem Schriftzug Brasov, der wie in Hollywood den Reisenden begrüßt.

Mit der Seilbahn kann man hinauffahren und wandern oder einfach nur die wahnsinnige Aussicht bewundern. Direkt am Fuße der Berge befindet sich die Altstadt. Etwa 15 Autominuten von ihr entfernt liegt Poiana Brasov, ein Skigebiet, das aber auch im Sommer für Wandern, Biken oder Klettern beliebt ist.

Der Hollywood ähnliche Schriftzug auf den Hügeln Brasovs.

Der Hollywood ähnliche Schriftzug auf den Hügeln Brasovs. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

In Rumänien gibt es die größte Braunbärenpopulation Europas. Wenn die Tiere hungrig sind, dann trauen sie sich sogar bis zum Stadtrand der großen Städte. Ein Einheimischer hat uns erzählt, dass sich zuletzt eine Touristengruppe, die abseits der gekennzeichneten Wege unterwegs war, auf die Brasov-Buchstaben flüchten musste, weil plötzlich ein Bär vor ihnen stand. Solche Vorfälle sind äußerst selten, sollte man jedoch einmal einem Bären begegnen, darf man auf keinen Fall panisch wegrennen. Das Tier wird kein Interesse zeigen und nach kurzer Zeit wieder im Wald verschwinden.

Brasovs Innenstadt ist von den Resten der alten Stadtmauer umgeben. Beim Umherstreifen lässt sich viel Kurioses entdecken. So zum Beispiel die engste Gasse Europas, mit durchschnittlich 123 Zentimeter Breite. Wir haben sie ganz zufällig entdeckt. Also Augen offen halten! Das bekannteste Bauwerk ist die schwarze Kirche, die ihren Namen von einem Brand aus dem 16. Jahrhundert hat.

5. Burgen – Bran (Dracula- Schloss)

Das Land jenseits der Wälder ist mit Mythen und Legenden umrankt. Die berühmteste davon ist wohl die von Graf Dracula, dem blutsaugenden Vampir. Und obwohl es kompletter Quatsch ist, was sich Hollywood über den Walachaienprinz Vlad III. ausgedacht hat, lohnt sich ein Besuch des Schlosses Bran allemal. Zudem es sich nur rund 30 Kilometer von Brasov entfernt befindet.

So friedlich sieht es bei Graf Dracula aus.

So friedlich sieht es bei Graf Dracula aus. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

Vlad ist zwar nie hier gewesen, aber das imposante Gebäude mit seinen verwinkelten Räumen und der Fachwerk-Bauweise ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Allerdings sollte man diesen zur Mittagszeit meiden, da man hier von Touristen überrannt wird. Dies war aber auch der einzige Ort in Rumänien, an dem wir uns wie Touristen vorkamen. Der Rest ist zum Glück (noch) angenehm ruhig.

Prinz Charles war es übrigens, der sich dafür eingesetzt hat, dass in Bran kein Dracula-Vergnügungspark entsteht.

So sieht es dort von innen aus. Und mit Filter.

So sieht es dort von innen aus. Und mit Filter. (Bild: bento/ Andrea Rückert)

Der perfekte Roadtrip Rumänien: Was kostet der Spaß?

Ein paar Zahlen zu Rumänien – die Preise können immer ein bisschen variieren.

Anreise: Hin-und Rückflug nach Timisoara, beispielsweise von München aus, kriegt man für etwa 153 Euro.

Mietwagen: Bekommt man ab etwa 80 Euro pro Tag.

Unterkünfte: Pro Person findet man etwas ab 20 Euro pro Nacht (Airbnb, B&B oder Hotels)


Future

Wie es sich anfühlt, mit Anfang 20 Start-up-Millionär zu sein

22.10.2017, 11:14 · Aktualisiert: 22.10.2017, 11:19

Maxim und Raphael Nitsche haben gerade ihre App verkauft und sind jetzt reich.

Alle paar Minuten klingeln die Handys von Maxim und Raphael Nitsche. Verwandte und Freunde rufen an, um ihnen zu gratulieren. Unzählige Interviewanfragen müssen die beiden Brüder beantworten. Denn die beiden Mathe-Nerds, 22 und 21 Jahre alt, sind jetzt Multimillionäre: Sie haben ihre Mathe-Lernapp "Math42" und das dahinterstehende Unternehmen Cogeon für 20 Millionen Euro an den US-Bildungskonzern Chegg verkauft.

Die beiden jungen Männer tragen schicke Hemden und knalleng sitzende Levis-Jeans, dazu frisch polierte Lederschuhe. Man könnte die beiden auch für BWL- oder Jurastudenten halten.

Die App "Math42", die die Berliner erfunden und programmiert haben, erklärt Schülern Schritt für Schritt, wie sich etwa Gleichungen auflösen lassen und wie Kurvendiskussionen funktionieren. In Sekunden bekommen Schüler auf ihrem Smartphone Aufgaben vorgerechnet. Die App wurde zu einem riesigen Erfolg: Mittlerweile haben weltweit mehr als drei Millionen Menschen die App heruntergeladen.