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Bild: Nina Hüpen-Bestendonk

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Bloggerin Smaracuja: Was ich fühle, wenn ich reise

16.01.2016, 10:09 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:25

Bloggerin Nina Hüpen-Bestendonk reist um die Welt – und zeigt uns ihre schönsten Bilder

Schon als Kleinstadtmädchen fühlte sie Fernweh. Damals, erzählt Nina Hüpen-Bestendonk, habe sie von zu Hause ausziehen wollen, um mit der Freundin die Welt zu entdecken. Heute ist sie 32 Jahre alt, lebt in Berlin, arbeitet als Grafikdesignerin – und reist beruflich. Unter dem Namen Smaracuja berichtet sie in ihrem Blog, auf Instagram, Tumblr und Facebook, was sie dabei erlebt.

Wir haben Nina gefragt, was für ein Gefühl sie mit den Ländern und Städten verbindet.

Dankbarkeit in Ägypten

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Gegen 6 Uhr morgens holt Hassan mich vom Schiff ab. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass der ehemalige Professor in Ägyptologie meine Sicht der Dinge grundlegend verändern wird.

"I want you to see Egypt with the third eye", sagt er auf dem Weg zum Tempel der Hatshepsut. Wir lesen Inschriften, er erzählt mir von Göttern, erklärt mir die Architektur, warnt mich vor Betrügern und stellt mir kleine Aufgaben.

Ich pauke mit ihm die fünf Wege ins Jenseits zu Reisen, zwischendurch fragt er mich immer wieder ab. Er lehrt mir Hintergründe zu erkennen und das heutige Ägypten zu verstehen – ja, es gar mit dem dritten Auge zu sehen. Nie zuvor habe ich auf einer Reise so viel über die Menschheit gelernt – dank Hassan.

Fernweh in Island

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Es gibt keinen Ort auf dieser Welt, der mehr Sehnsucht in mir auslöst als Island.

Nach meinem Besuch ist es so, als hätte ich nur mal probieren dürfen. Nur gucken, nicht anfassen. Mal ablecken. Einen Geschmack von Etwas bekommen, was aber doch so viele Facetten hat. Eindrücke, die das Gemüt schwanken lassen.

Man weiß überhaupt nicht, wo man zuerst hinsehen will und muss aufpassen, dass man beim nächsten Schwenk nicht platzt vor Freude oder einen die gigantische Landschaft hinter der nächsten Kurve zum Heulen bringt. Das Betrachten von Bildern bringt mich immer wieder dazu, zurück zu wollen.

Heimweh in Australien

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Es ist dieses Gefühl, dass man nicht mehr weiter, sondern einfach nur noch nach Hause will. Und das am besten gestern. Ein Gefühl, von dem ich dachte, dass ich es nicht mehr haben könnte.

Doch in Australien wird mir alles zu viel – ohne dass ich genau erklären kann, wieso. All die Eindrücke, Erlebnisse, Ängste, die Einsamkeit und die vielen Glücksmomente, die mich in den vergangenen Wochen begleitet haben, die ich noch nicht verarbeitet habe, bündeln sich in diesem Moment wie ein emotionaler Vorschlaghammer. Ich will nicht weg – und doch habe ich Heimweh.

Melancholie in Italien

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Es ist 22.30 Uhr, es ist noch immer heiß, 26 Grad. Ich sitze in Shorts auf den Marmorstufen vor der Basilica San Petronio, in einer Hand halte ich ein Glas guten italienischen Rotwein. Und während ich rüber zum Neptunbrunnen schaue, lasse ich den Tag Revue passieren.

Ich bin heute durch die Straßen von Bologna geschlendert, es gab blitzschnell schmelzendes Gelato, ich fand hinter Fenstern versteckte Kanäle und beobachtete über der Straße baumelnde Regenschirme, die tanzende, bunte Schatten auf dem Pflaster hinterließen. Da waren hutzelige Hinterhofcafés, gigantische Street Art und nicht enden wollende Säulengänge.

Es ist 22.31 Uhr, irgendwo spielt ein Piano, und ich weiß jetzt, warum Tante Ceccarelli hier Amore gemacht hat.

Glück in Schottland

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Auf der beinahe endlos langen Suche nach Cannon Beach sind wir die ganze Zeit in dem Glauben, der Strand würde sich ganz woanders verbergen – oder wir hätten ihn schon längst passiert. Mit letzter Kraft schleppen wir uns einen Hügel hinauf, und plötzlich liegt sie vor uns: eine wundervolle Bucht mit einer vorgelagerten Insel.

"Nina, guck! DELFINE!"

Wir können unser Glück kaum fassen, als wir freudig quietschend die Tümmler im türkisblauen Wasser beobachten.

Einsamkeit in Finnland

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Bei minus 26 Grad frieren einem innerhalb von drei Sekunden die Nasenhaare ein, nach weiteren 15 Sekunden spürt man seine Wangen kaum noch. Und das Telefon hat längst den Geist aufgegeben. Ich höre nach der dritten Kleidungsschicht auf zu zählen und kann mich kaum bewegen. Wenn ich meinen Kopf drehe, blicke ich nur in eine riesige Kapuze, und mit vier Paar Handschuhen ist Feinmotorik in etwa so einfach wie Raketenwissenschaft.

Doch all das ist egal – denn ich lenke einen echten Hundeschlitten und fahre dem rosafarbenen finnischen Nachmittagshimmel entgegen.

Panik in Neuseeland

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Ich weiß nicht genau, wann und warum ich Ja zum Fallschirmsprung gesagt habe, doch plötzlich hänge ich über der Kante der Öffnung in einem kleinen roten Flugzeug, 12.000 Fuß über neuseeländischem Boden, meine Zöpfe peitschen in mein Gesicht und in das meines Tandempartners.

Es ist eiskalt und wenige Sekunden später werde ich den heftigsten Angstschrei meines Lebens von mir geben, während ich der Erde endlose Sekunden entgegen rase und nicht so richtig weiß, wo oben und unten ist.

Stolz in der Türkei

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Es bedarf wohl einiger Rückschläge und dem sturen Festhalten an dem, was man macht, und wie man es macht, dem immer wieder Aufrappeln, auf die Zähne beißen und Durchhalten – um dann irgendwann auf dem Hubschrauberlandeplatz eines Wolkenkratzers zu stehen, mit Blick auf die Dächer und Minarette Istanbuls, sodass man plötzlich die Schultern straffen kann.

Und denkt: Alles richtig gemacht!

Traurigkeit in Glasgow

(Bild: Nina Hüpen-Bestendonk)

Es ist, als würde ich durch das pulsierende Herz einer wunderbaren Stadt laufen. In den Fluren begegnen mir die leuchtenden Augen der Menschen, die vor Stolz nur so über den Boden zu schweben scheinen. Ich beobachte die Studenten, wie sie oben in einem der Erkerfenster des Zeichensaals den Blick auf die Stadt zu Papier bringen. An diesem Ort macht es Klick mit mir und Glasgow.

Drei Jahre später stehe ich vor geschlossenen Türen, die Glasgow School of Arts ist kurz nach meinem letzten Besuch einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. Große Teile des Jugendstilgebäudes sind zerstört, darunter auch die wunderschöne Bibliothek. Und auch, wenn die Studenten ein neues Gebäude haben, spüre ich, dass etwas fehlt. Und eine Traurigkeit in mir hinterlässt.

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