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Trip

Eskalieren weltweit: Wo du am besten feierst

19.03.2016, 10:11 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Wir haben uns in Barcelona, Buenos Aires, Tel Aviv, Moskau, Shanghai und Beirut unter die Partypeople gemischt.

Barcelona: Clubs und Straßenfeste

In Spanien hört man nach zwei, drei Gläsern Wein zurzeit öfter mal diesen Satz: "Ohne die Krise würden alle in Spanien leben wollen." Das ist vielleicht etwas optimistisch, hat aber einen wahren Kern. Ein Grund dafür: spanische Fiestas. Und die berühmteste und berüchtigtste Partystadt Spaniens ist Barcelona. In kleineren Städten gibt es fast nur Reggaeton zu hören, das ist in Barcelona zum Glück anders.

Klar, Barcelona hat legendäre Clubs, in denen man sich gnadenlos wegschießen kann. Dabei gilt: So gut es geht vom Hafen fernhalten. Dort liegen Clubs wie "Opium", das sind Touristenfallen. Besser feiert man in den Bars und Clubs im Zentrum. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, feiert im "Razzmatazz" – ein riesiger Club mit vielen verschiedenen Floors. Hierhin kommen bekannte DJs aus der ganzen Welt. Weniger Mainstream ist das "Apolo".

Das Vortrinken geht in Spanien erst spät los. Gegen 22 Uhr trifft man sich entweder bei Freunden in einer Wohnung oder direkt in einer Bar. Eine günstige aber leider mittlerweile illegale Alternative ist das "botellón". So wird das gemeinsame Besäufnis im Park genannt. Erst im Januar ist so ein Treffen eskaliert. Eine Horde Jugendlicher zog nach dem "botellón" vandalierend durch die Metro-Stationen bis die Polizei einschritt.

Wer die katalanische Feierkultur kennenlernen möchte, besucht eines der Straßenfeste, die in vielen Stadtteilen an unterschiedlichen Tagen gefeiert werden – oft dauern sie eine ganze Woche. Das beste Nachbarschaftsfest ist das im Stadtteil Gracia.

Immer vom 15. bis zum 21. August verwandeln die Anwohner das Viertel in eine faszinierende Mischung aus Kunstausstellung und wilder Party mit Livemusik. In den Nächten des Festes ist wirklich alles möglich.

Und günstig ist die Party auch. Man kann sich einfach ein kaltes Bier nach dem anderen aus den Supermärkten holen und von der Stimmung anstecken lassen. Vortrinken, tanzen, After-Hour – alles verschwimmt zu einer einzigen fantastischen Straßenparty. (Steffen Lüdke)

Buenos Aires: Spät und gut

(Bild: Marcus Andersson / cc by-sa)

Der beste Freund des feiernden Argentiniers ist ein Verdauungslikör namens Fernet. Das bitter schmeckende Getränk wird mit Cola gemischt, auf Eis gelegt und macht so den Auftakt bei jeder "previa", dem Vorglühen. Gemeinsam mit Bier, Rotwein und Wodkamischungen ist er die Basis für eine lange Nacht.

Gefeiert wird in Buenos Aires ähnlich wie in Deutschland: Vorglühen bei jemandem zu Hause, zweite Station ist der Club. Unterschiedlich sind nur die Uhrzeiten: Die "Porteños" – die Menschen aus Buenos Aires, treffen sich gegen 23 Uhr oder Mitternacht zum Vorglühen, gegen 3 Uhr morgens geht’s los in den Club.

Die Technowelle, die Europa erfasst hat, ist vor Argentinien verebbt. Es gibt nur wenige Clubs, in denen elektronische Musik läuft. Die Porteños tanzen am liebsten auf Cumbia und Raeggeton – lateinamerikanische und sehr rhythmische Beats, die zum Hüftenschwingen einladen.

(Bild: YoTuT / cc by-sa)

Wer vor dem Club gemütlich etwas trinken gehen will, der geht in das Stadtviertel Palermo, in die Bars Soria oder Festival. Wer feiern gehen will, der ist im Viertel Recoleta richtig. Dort liegt auch das "Shampoo", einer der angesagtesten Clubs der Stadt. Eine weitere Adresse ist die "Bar Tequila". Der Abend endet gegen 6 oder 7 Uhr morgens bei McDonalds oder in einem der 24-Stunden-Parrillas, das sind Restaurants, wo rund um die Uhr Gegrilltes serviert wird. Genau das richtige nach einer durchzechten Nacht. (Carolina Torres)

Die Fotostrecke zeigt, wie man in Shanghai das Laternenfest feiert:

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Tel Aviv: Feiern, als gäbe es kein Morgen

(Bild: Getty Images / Joe Raedle)

Der Lonely Planet kürte Tel Aviv zu einer der besten zehn Partystädte weltweit. Wer einmal nachts über den Dizengoff-Boulevard mit seinen vielen vollen Bars geschlendert ist, der weiß: zu Recht.

Egal ob am Wochenende oder unter der Woche, Tel Aviver gehen aus, oft bis in die frühen Morgenstunden. Wer günstig vorglühen will, tut das allerdings besser zu Hause oder am Strand. Denn ein 0,3-Bier kostet in Bars rund 25 Schekel (5,80 Euro).

Der wichtigste Partytag ist Donnerstag, denn Israelis haben Freitags und Samstags frei. Aber auch unter der Woche haben viele Clubs geöffnet. Der Eintritt ist oft kostenlos, je nach Länge der Schlange oder Laune des Türstehers kann es dauern, bis man reinkommt. Fest steht nur: Frauengruppen sind im Vorteil.

Klassische Großraum-Discos konzentrieren sich am alten Hafen in Nord-Tel Aviv. Interessanter sind die etlichen kleinen Clubs und Bars, verstreut auf dem Rothschild-Boulevard und seinen Seitenstraßen.

(Bild: Fraintesa.it / cc by-sa)

Die Disco "Kuli Alma" ist beliebt bei Hipstern und Expats. Oben liegt die Open-Air-Bar, ein Stockwerk drunter eine Mischung aus mediterranem Innenhof, Club und Galerie.

Robuster geht es eine Ecke weiter im Radio EPGB zu, einer schummrigen Underground-Bar. Hier wird viel getrunken, geraucht und getanzt, derzeit oft zu Electro, wie in den meisten Bars im hippen Süden Tel Avivs. Am Wochenende reicht die Schlange oft bis zur Straße.

Wenn unter den tausenden Locations Tel Avivs eine das Prädikat "einzigartig" verdient, dann die Anna Loulou-Bar

Wer dafür keine Nerven hat, sollte in der "Evita-Bar" in der Parallelstraße vorbeischauen. Mit ihren muskulösen, shirtfreien Barkeepern ist sie eine Hochburg der LGBT-Szene.

Wenn unter den Tausenden Locations Tel Avivs eine das Prädikat "einzigartig" verdient, dann die "Anna Loulou-Bar" im Jaffa-Viertel. Sie ist eine kleine, verrauchte Höhle, in der Freitagabends Araber und Juden, Gays und Heteros, Touristen und Einheimische zu arabischer Popmusik tanzen, als gäbe es kein Morgen. (Mareike Enghusen)

Moskau: Mit Macht und Geld feiert es sich einfacher

(Bild: Getty Images / Pascal Le Segretain)

Die Nächte in Moskau sind lang, feucht und fröhlich. Getrübt werden sie nur vom "Fejzkontol" – ein Begriff, den die Russen aus den Englischen Worten "Face" und "Control" zusammengewürfelt haben. Das "Face" ist dabei der Grad des Wohlstandes, der Macht und Attraktivität, der beeinflusst ob die Security beiseite treten.

Viele Bars und Clubs sind nicht gerade enthusiastisch, unter 21-Jährige reinzulassen. Das hat nichts mit gesetzlichen Bestimmungen zu tun – mit 18 ist man in Russland volljährig. Vielmehr hoffen die Betreiber auf diese Weise eine zahlungskräftigere Klientel anzulocken als Schüler und junge Studenten.

Es gibt allerdings einige Orte, die gnädig zum jüngerem Publikum sind. Die "Rolling Stone Bar", die "Jagger Bar", und "Cub Icon" haben meist eine recht lockere Tür, sind allerdings eher Mainstream-Einrichtungen mit entsprechender Musik. "Club Duma" ist etwas hipper und wortwörtlich underground – in einem runden Keller, der ausgestattet ist wie eine sowjetische Wohnung, gibt es Funkabende und Lesungen.

Zu den spannenderen Adressen der Stadt gehört auch "Powerhouse" – das ist gleichzeitig ein Musiklabel, ein Restaurant und eine Bar, mit kleinem, aber sehr feinem Dancefloor. Und natürlich darf man auch nicht Propaganda vergessen: Einen der ältesten Clubs der Stadt, der in den 18 Jahren seiner Existenz einige Finanzkrisen überlebt hat. Technoliebhaber könnten an "Krysha Mira" Gefallen finden – dort spielen DJs wie Tiefschwarz oder Gui Boratto. Der "Feizkontrol" ist dort allerdings ziemlich gnadenlos. (Wlada Kolosowa)

Shanghai: Es geht auch günstig

(Bild: Getty Images / Feng Li)

Das Bild des Karaoke singenden Chinesen ist ein Klischee. Doch wie in so viele Klischees steckt auch in diesem ein Fünkchen Wahrheit. Ausufernder Alkoholkonsum, Tanzen und Clubben steht bei traditionelleren Chinesen selten auf dem Wochenend-Programm. Viele bleiben zu Hause, kochen gemeinsam, gehen ins Kino oder eben in eine Karaoke-Bar. Karaoke in Shanghai ist oft anders als in Deutschland: Man bucht einen privaten Raum, mit eigener Bühne, großem Bildschirm und bei Bedarf einer Pole Dance Stange. Die Musik sucht man selbst aus.

Wer richtig feiern gehen will, der ist im Financial District richtig. In den Hochhäusern und Hotels gibt es viele High-Class Bars. Beliebt zum Ausgehen ist auch das Zentrum, etwa die Promenadenstraße Bund, auf der es viele Clubs und Bars gibt. Von den Terrassen aus kann man den Blick über die Skyline des Financial Districts schweifen lassen. Wer es etwas europäischer mag, der wird sich in dem Stadtteil French Concession wohl fühlen. Europäisch sind dort leider auch die Preise.

Seine Bar oder seinen Club mit internationaler Kundschaft zu füllen, ist in Shanghai sehr angesagt. Darum locken viele Etablissements mit kostenlosem Eintritt und Freigetränken für Westler, manchmal auch nur für Frauen. Organisiert wird das Geschäft über Facebook. Über Gruppen wie "PARTY ALL NIGHT (in Shanghai)" oder "Shanghai Party" kommt man in Kontakt mit den sogenannten Promotern. Die werden von den Clubs dafür bezahlt, westliche Kunden zu finden. Man spricht mit ihnen ab, wie groß die Gruppe ist, in welchen Club man will und er arrangiert einen Tisch mit Freigetränken. Mit etwas Geschick ist Feiern in Shanghai so sehr günstig. (Carolina Torres)

Beirut: Tanzen bis zum Tagesanbruch

(Bild: Getty Images / Spencer Platt)

Beirut ist die Partyhauptstadt der arabischen Welt – und stolz darauf. Daran änderte auch der 15-jährige Bürgerkrieg nichts, der in dem Land von 1975 bis 1990 wütete. Wenn libanesische Großeltern von den Kriegszeiten sprechen, dann erzählen sie nicht selten davon, wie sie sich abends in Kneipen einsperren haben lassen und bis zum Tagesanbruch gefeiert haben.

Wenn es heute am Wochenende dunkel wird, lassen junge Männer auf den Straßen die Motoren ihrer Sportwagen aufheulen. Sie lechzen nach der Aufmerksamkeit der Mädels, die in High Heels die Bürgersteige entlang stolzieren.

Wer tanzen will, geht ins Viertel Mar Mikhael. Hier beginnen die Nächte spät und enden noch später. Vor 22 Uhr abends sind die Kneipen leer, ab 22 dröhnt Popmusik aus allen Bars, die sich hier aneinander reihen. Libanesen haben nicht den eklektischsten Musikgeschmack – auf die neueste Platte eines Berliner Underground-Labels hofft man hier vergeblich. Du grölst gerne zu Justin Bieber? Dann: Welcome!

Was ihr auf jeden Fall probieren solltet, sind die "Dudu-Shots". Sie stehen auf keiner Karte, aber jeder Barkeeper kennt sie. Der libanesische Szene-Drink besteht aus Wodka, einer Olive, frischgepresstem Zitronensaft und einem Schuss Tabasco. Zwei Drittel der Menschen lieben ihn, ein Drittel würgt. (Theresa Breuer)

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