Bild: BVG; Montage: bento

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Wie sinnvoll ist kostenloser Nahverkehr für alle?

14.02.2018, 17:02

Deutschlands Städte ersticken – und die Bundesregierung weiß das. Im aktuellen Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD bereits eingestanden, dass sie bisher gesetzte Klimaziele nicht erreichen werden (bento). Ein Grund: In deutschen Städten fahren zu viele schmutzige Dieselautos, ihre Abgase belasten die Luft.

Nun will die Regierung versuchen, etwas dagegen zu unternehmen. Nicht mit Fahrverboten für Dieselautos – sondern mit Angeboten, die die Menschen auf Bus und Bahn umsteigen lassen.

Die Idee: Der öffentliche Nahverkehr soll kostenlos werden.

So würden mehr Menschen aufs Auto verzichten, hofft die Politik. Der Plan soll zunächst in fünf Modellstädten getestet werden: in Bonn, Essen, Reutlingen, Mannheim und Herrenberg in Baden-Württemberg (FAZ).

Aber sind komplett kostenlose Busse und Bahnen wirklich sinnvoll?

Die wichtigsten Antworten zum Thema:

1. Was würde sich alles ändern, wenn der ÖPNV kostenlos wird?

Wir haben mit Martin Randelhoff gesprochen. Der 29-Jährige hat Verkehrswirtschaft in Dresden und Raumplanung in Dortmund studiert. Seit 2010 betreibt er das Blog Zukunft Mobilität. Er sieht sowohl Vor- als auch Nachteile.

  • Was sich verbessern würde:
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  • Was sich verschlechtern würde:
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"Viele Menschen interessiert beim ÖPNV gar nicht der Preis, sondern vielmehr die Qualität", sagt Martin. Also: Wie lange fahren die Busse nachts? Wie gut ist das Netz ausgebaut? Wie oft fährt eine Bahn?

  • Das bedeutet: Je mehr Menschen den kostenlosen Nahverkehr annehmen, desto mehr werden auch die Ansprüche steigen. Darauf müssen sich Kommunen einstellen.

2. Warum will die Politik überhaupt kostenlosen Nahverkehr?

Weil es um die Luft in den Städten schlecht bestellt ist. Die Politik will daher die Leute vom Autofahren wegbringen.

Sie steht unter dem Druck der Justiz: Kommende Woche entscheidet das Bundesverwaltungsgericht nämlich über mögliche Fahrverbote für Dieselautos in Stuttgart (Handelsblatt). Fällt die Entscheidung für das Verbot, könnte sich das auf ganz Deutschland auswirken – denn dann könnte jede Innenstadt zur No-Drive-Area für schmutzige Diesel werden.

3. Wo gibt es schon Modelle mit kostenlosem Nahverkehr?

Bislang gibt es in keiner großen deutschen Stadt einen kostenlosen ÖPNV. Es gab aber in der Vergangenheit Pilotprojekte für autofreie Tage, unter anderem in Tübingen, in Bremen und in Hamburg.

Allein die Gemeinden Templin und Lübben hatten in den Neunzigern kostenlose Modelle eingeführt – und mittlerweile wieder aufgegeben. Beide Städte haben je etwa 15.000 Einwohner. Zuerst lief der kostenlose ÖPNV gut an, dann wurden die Kosten für die Gemeinden aber zu hoch. Ohne, dass zugleich deutlich weniger Menschen mit Autos fuhren. (Zukunft Mobilität)

(Bild: dpa/AFI)

4. Warum wird der freie ÖPNV nicht längst überall eingeführt?

Genau aus den Gründen, die die Modelle in Templin und Lübben wieder zum Erliegen brachten: Die Kosten sind zu hoch, das Angebot bleibt zu unattraktiv. Gerade je größer eine Stadt ist, desto schwieriger wird es.

  • Zu den Kosten: Durch fehlende Ticketverkäufe müssen die Kommunen für Busse, Fahrer, Logistik aufkommen. Nach Angaben des VDV finanzieren sich die Verkehrsbetriebe heute mit rund zwölf Milliarden Euro etwa zur Hälfte aus dem Ticketverkauf. Das würden bald die Steuerzahler tragen, sagte eine VDV-Sprecherin am Dienstag. (FAZ)
  • Zur Attraktivität: "Die Leute kommen wegen des Angebots zum ÖPNV", sagt Verkehrsexperte Martin, "nicht wegen des Preises". Das sehe man derzeit auch in Tallinn. Die Hauptstadt von Estland hat 2013 einen kostenlosen ÖPNV eingeführt. Mit mehr als 400.000 Einwohnern ist Tallinn sehr groß, viele europäische Städte haben beobachtet, ob das Projekt gelingt. Laut einer schwedischen Studie habe es kaum mehr Fahrgäste gegeben, eben, weil das Netz nicht gut genug ausgebaut ist.

5. Wenn der kostenlose ÖPNV gar nicht so gut ist – wie geht es besser?

Deutschland ist eine Nation von Autofahrern. Sie allein mit Gratis-Angeboten zu locken, ist nicht genug, sagt Martin:

Eine Verbesserung im Verkehr gibt es nicht, ohne jemandem wehzutun.
Randelhoff
  • Was er meint: Es muss immer gleichzeitig "Pull"- und "Push-Effekte geben – also Anreize wie auch Strafen.

Neben einem besseren Liniennetz im ÖPNV oder gar kostenlosen Tickets sollte die Politik daher auch "Druck auf Autofahrer ausüben", sagt Martin. Zum Beispiel indem Parkplätze gestrichen werden oder eine Innenstadt-Maut erhoben wird. Bisher sei Deutschland mit all seinen Verkehrsmaßnahmen "zehn Jahre zu spät".

Die aktuellen Pläne der Großen Koalition hält Martin daher nur für halbherzig – nichts werde für den ÖPNV investiert, nichts werde in Bezug auf Fahrverbote riskiert.


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