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Warum der Pott viel cooler ist als Berlin

23.02.2016, 19:13 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Wir verstellen uns nicht, sondern tragen, was zu uns passt. Wir zeigen, wer wir sind und nicht, wer wir gern wären.

Große Graffitis, hippe Menschen, stylische Mode, alles wohl dosiert. Charme und Stil regieren hier, im Ruhrpott. Ja, im Pott, der viel cooler ist als alle anderen Metropolen, besonders als die deutsche.

Denn was hat Berlin schon zu bieten? Alles muss hier gewollt lässig sein: Jogginghose, alte Converse-Sneaker, oversized Shirt, Bomberjacke, Beanie, Maxischal und Rucksack. Super individuell sein, immer auffallen, immer präsentieren. Ein bisschen Lässigkeit ist zu wenig, wenn, dann richtig. Also RICHTIG.

Das ist das Problem. Der Zwang, sich abzuheben, wird zum Gruppenzwang. Und plötzlich sieht doch wieder jeder gleich aus – auch in der Gastro: Da reiht sich ein vermeintlich innovatives Lokal ans nächste. Zu viel von allem, zu wenig Durchblick, zu wenig Alleinstellung.

Im Porträt: Diese Läden bereichern den Pott

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Und der Pott? Gibt es hier nicht nur Bergbau und Stahlindustrie? Oder die Reste davon. Grau, nostalgisch, immer hinterher. Große Fresse, Trinkhallen, Pommes Schranke, Biertrinker, pöbelnde Fußballfans.

Ja, das gibt es auch – wie in jeder Metropole. Nur nennen wir das nicht hässlich, niveaulos oder stillos, sondern einfach: ungekünstelt und herzlich! Denn hier, im Pott, zählen Charakter und Persönlichkeit: Wir ziehen das an, wonach uns ist, und wir essen, was uns schmeckt: Currywurst mit Blattgold is’ nicht. Dabei sagt uns unser Gefühl: Hier isset schön!

Spottlight

Mareike Fangmann, 24, und Andrea Weber, 19, sind im Pott zu Hause. Mit Leidenschaft und aus vollem Herzen heraus. Diese Liebe zum Ruhrgebiet wollen sie mit anderen teilen. In ihrem Blog Spottlight stellen sie deswegen Mode, Beauty, Kultur und Gastro aus der Region vor. Und seit Januar auch in ihrem gleichnamigen Magazin, das zwei Mal im Jahr erscheinen wird: www.spottlightmagazin.com.

(Bild: Pixabay / Horse Badorties)

Wer mit offenen Augen durch den Pott läuft, der verliert sein Herz. Hier ist Heimat! Ohne Hektik und Poser. Aber mit vielen Parks, Seen, Kultureinrichtungen und bunten Geschäften zwischen grauen Wänden. Der krasse Kontrast macht uns aus!

Oder wie Poetry Slammer Thorsten Sträter "Die Welt" sagte: "Natürlich, die meisten Bayern, die hierhin kommen, gruseln sich hart, gewöhnen sich aber dran. Diese Mischung aus: runtergerotzt, abgewrackt, kohleversifft, viele Grünflächen. Ich mag das."

Wir sind nicht nur das Eine, wir haben von allem etwas. Vor allem eine ganz große Portion Ehrlichkeit, Lässigkeit und Authentizität. Unsere Mode ist manchmal ein bisschen drüber, mal etwas "vulgär", wenn die Leggings den Po nicht kaschiert, sondern ihn präsentiert. Mal etwas tussig, wenn die Creolen so groß sind wie ein Hula Hoop. Na und? Wir verstellen uns nicht, sondern tragen, was zu uns passt. Wir zeigen, wer wir sind und nicht, wir wir gern wären.

(Bild: Pixabay / Eisenmenger)

Kulinarisch kann man im Pott auffallen, noch. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt: "Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich im Ruhrgebiet eine Restaurantkultur entwickelt. Das Angebot ist mittlerweile – zumindest in den großen Städten des Reviers – genauso breit gefächert wie in anderen Metropolregionen." Und: "Wie es sich für einen ‘melting pot’ wie das Ruhrgebiet gehört, treffen hier die verschiedensten Kulturen aufeinander. Arabische, japanische, spanische oder russische Köche verzaubern die Ruhrgebietszungen mit kulinarischen Köstlichkeiten."

Wir entwickeln uns eben mit Gelassenheit, ohne zwanghaft Vorreiter sein zu müssen – und ohne unsere Imbisswagen, Frittenschmieden und Dönerbuden zu vergessen. Vielfältig, ehrlich, grobschlächtig freundlich, bodenständig, gelassen, dreckig, grau, grün, international. Das ist der Pott! Und dafür lieben wir ihn.

Hier stellen wir vier Designer, Stores und Lokale aus dem Pott vor, die mit Innovation und ganz viel Charakter glänzen.