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Trip

Reisen macht sich schlecht im Lebenslauf? Irrtum!

13.10.2015, 11:45 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:20

Die Welt erkunden oder sogar ein bisschen retten? Ohne Leerstellen im Lebenslauf? Mit diesen Tipps kommst du raus und denkst trotzdem an die Karriere.

Grundsätzlich gilt: Wenn du nur reisen willst, dann solltest du nur reisen. Auch reines Backpacking imponiert vielen Arbeitgebern, es zeigt, dass du dich nicht scheust, auf Menschen zuzugehen, dass du dich für fremde Kulturen interessierst, dass du selbstständig bist. (Nicht zu vergessen: Der Spaß! Die Partys! Die Leute!)

Ein paar Fragen helfen, das richtige Angebot zu finden: Wie lange will ich weg? Ein paar Wochen oder Monate? Und: Was will ich auf der Reise noch, lernen, arbeiten oder helfen?

Weg - aber nur kurz!

Für alle, die Erfahrungen im Ausland sammeln wollen, ohne sich gleich ein ganzes Jahr von der Heimat verabschieden zu müssen, gibt es Kurzprogramme.

Lernen 

Sprachkurse im Ausland bieten die perfekte Kombination aus Lernen und Schüleraustausch: Tagsüber zwei bis drei Wochen lang Sprachunterricht, abends mit Einheimischen üben. Die Klassiker: Englisch, Französisch und Spanisch. Wie wäre es mit Koreanisch, Arabisch oder Sanskrit? Wenn du die Sprache schon beherrschst: Hochschulen von Japan bis Peru bieten sogenannte Summer Schools an. Dabei belegst du ein paar Wochen lang Intensivkurse in verschiedenen Studienfächern, die du auch aufs Studium in Deutschland anrechnen lassen kannst. Apropos: Kosten!

Auf dem europäischen Festland kosten Summer Schools meist zwischen 200 und 1000 Euro, Unis in Städten wie Helsinki und Valencia verlangen rund 500 Euro. Der Preis hängt auch von der Dauer des Aufenthalts ab: Summer Schools in Edinburgh zum Beispiel kosten knapp 800 Euro – und zwar pro Woche. An den Top-Unis der USA können die Gebühren schnell mehrere Tausend Euro betragen: Harvard etwa verlangt für eine siebenwöchige Summerschool umgerechnet etwa 2600 Euro, dazu kommen Anmeldegebühren und Kosten für Unterkunft und Verpflegung.


Arbeiten

Den klassischen Ferienjob kannst du natürlich auch im Ausland machen: Organisationen vermitteln Working Holidays, also Kurzzeitarbeit auf Höfen oder in Hotels, als Kinderbetreuer im Sportcamp oder Kellner in Ferienregionen. Außerhalb der EU musst du darauf achten, dass du eine Arbeitserlaubnis hast. Klassische Work & Travel-Länder wie Australien haben dafür besondere "Working Holiday Visa“. So kannst du dir die Erkundungsreise ins Outback ganz legal selbst finanzieren.

Den Flug musst du selbst bezahlen, dafür übernachten Ferienjobber billig oder kostenlos bei ihren Arbeitgebern, etwa im Mitarbeitertrakt vom Hotel oder auf der Farm, auf der sie aushelfen. Zwar kannst du von deinem Gehalt leben und Reisen bezahlen, musst dafür aber unter Umständen auch richtig Steuern zahlen. So hat Australien in diesem beschlossen, dass Backpacker ab Juli 2016 nicht mehr steuerfrei mit dem Work and Travel Visum arbeiten können.


Helfen

Sansibar, Mexiko, Palästina, Island: Auch für nur zwei Wochen kannst du an sozialen Projekten arbeiten, bedrohte Haiarten in Südafrika schützen zum Beispiel oder in Fidschi Häuser bauen. Dabei kannst du in der kurzen Zeit natürlich nicht viel bewirken oder tief in die Kultur eintauchen. Organisationen nennen diese Freiwilligen-Kurztrips Short Term Volunteering - Kritiker wiederum "Voluntourism”, zusammengesetzt aus "volunteering” (Freiwilligendienst) und "tourism” (Tourismus).



Weg - und zwar ganz lang!

Du möchtest dich richtig abnabeln? Hast kein Problem damit, für mehrere Monate nicht zu Hause zu sein? Das geht!

Lernen

Deine Uni bietet Erasmusstipendien, zusätzliche Stipendien gibt’s vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Einige Unis bieten Studiengänge an, in denen du gleichzeitig einen Abschluss im Ausland machen kannst: zum Beispiel Politikwissenschaft in Münster und Lille, deutsches und spanisches Recht in Bayreuth und Sevilla oder Wirtschaftsinformatik in Wismar und Stettin. Komplett im Ausland studieren ist teuer, wenn du in die USA oder nach England willst. Aber es geht auch ohne Studiengebühren: zum Beispiel in Uruguay, Schottland (im Bachelor), Polen, Finnland, Schweden, Norwegen oder Dänemark.


Arbeiten 

Neben dem klassischen Work and Travel können gerade Studenten sich Praktika im Ausland gut finanzieren lassen: Die EU bietet Erasmus+ und Stipendien und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) finanziert Kurzpraktika auch außerhalb der EU.

Organisationen wie projects-abroad bieten Auslandspraktika für Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten an. Und mit dem Leonardo Da Vinci Programm der EU kannst du dir Praktika inklusive Sprachkurse vermitteln lassen – auch als Schüler und Azubi.


Helfen

Löwenbabys und Wasserschildkröten pflegen oder Fußball spielen mit Waisenkindern – die Organisatoren von Hilfsprojekten wissen, mit welchen Themen sie Abiturienten anlocken können. Aber nicht alle Projekte sind gleich nützlich. Bei der Suche gilt: Je mehr du selbst für die Vermittlung und den Aufenthalt bezahlen musst, desto weniger geht es der Organisation um deine Hilfe, sondern um dein Geld. Dieser ARD-Beitrag zeigt, wie viele Abiturienten enttäuscht von ihren Auslandsjahren zurückkehren, weil sie sich weder nützlich gefühlt haben noch gebraucht wurden. Entscheide dich stattdessen lieber für Stipendienprogramme wie weltwärts oder den EU-geförderten Europäischen Freiwilligendienst (EFD).


Und wie verkaufe ich das gut im Lebenslauf?

Was genau hast du von der Reise mitgenommen? Hast du eine Sprache gelernt? Den Umgang mit fremden Kulturen? Hast du Arbeitserfahrung in einer bestimmten Branche gesammelt oder gelernt, richtig viel Stress auszuhalten? Wenn du das weißt, dann kannst du dein Sabbatical auch im Lebenslauf gut präsentieren. 

Das große Tabu beim Lebenslauf-Pimpen: Lügen. Wer mit dem Rucksack drei Monate durch Irland gereist ist, darf das nicht als "Freiwilligenarbeit“ darstellen. Das gilt als Urkundenfälschung (Kündigungsgrund!) genau wie das Photoshoppen vom Abschlusszeugnis. 

Und jetzt: Loslegen!

Bei der Studienwahl vertan? So kommst du da wieder raus