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Trip

Der etwas andere Reiseführer: Smoke Weed um die Welt!

06.03.2016, 13:20 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Wo du am besten stoned wirst. Und wo nicht.

Wir haben uns in Barcelona, Buenos Aires, Tel Aviv, Moskau, Shanghai und Beirut umgehört.

Barcelona: Das neue Amsterdam im Süden?

(Bild: Getty Images / David Ramos)

"Fanta! Coca Cola!", schallt es über Barcelonas zentrale Fußgängerzone "La Rambla". Junge Männer preisen hier Getränkedosen zu überteuerten Preisen an. Nicht mal Touristen lassen sich damit anlocken. Wer trotzdem näher tritt, bekommt noch mehr zu hören: "Marijuana? Hachís?"

Kiffen ist in Spanien erlaubt, allerdings nur in der eigenen Wohnung. Legal ist auch der Anbau und Besitz von Cannabis für den Eigengebrauch. Wer aber auf der Straße mit über 30 Gramm Gras erwischt wird, muss mindestens 601 Euro zahlen. Auch der Handel mit Cannabis ist verboten.

So wirbt einer der größten Cannabis-Clubs in Barcelona auf seiner Website um neue Mitglieder.

So wirbt einer der größten Cannabis-Clubs in Barcelona auf seiner Website um neue Mitglieder. (Bild: Screenshot / Steffen Lüdke)

Wie also mit Freunden entspannt rauchen? Dafür gibt es in Spanien legale Cannabis-Clubs. Viele liegen in der Altstadt Barcelonas. Die Vereinsmitglieder bauen ihren eigenen Hanf an und rauchen zusammen mit anderen Mitgliedern. Kollektiver Eigenbedarf nennt sich das dann. Das Gramm Cannabis kostet in der Regel zwischen 6 und 12 Euro.

Mittlerweile gilt Barcelona als "Amsterdam des Südens". Schuld an dem Image ist auch die Wirtschaftskrise. Mit ihr kam die Geldnot, aus dem Freizeitvergnügen wurde ein riesiges Geschäft. Plötzlich entstanden in der Region zahlreiche Cannabis-Clubs mit insgesamt rund 165.000 Mitgliedern. Die Besitzer machten kräftig Werbung. Touristen konnten im Internet eine Sofort-Mitgliedschaft beantragen, obwohl Mitglieder laut Gesetz in Spanien wohnen müssen.

Fotostrecke: Cannabis-Clubs in Barcelona

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Im Sommer 2014 griffen die Behörden ein: Zahlreiche Cannabis-Clubs mussten schließen. Ein sonnigeres Amsterdam, das neue Paradies für Kiffer, das wollte die Regierung nicht. Trotzdem: Gekifft wird in Barcelona weiter fast überall. Am Strand, in den Gassen und auch in den Clubs.

Denn in Barcelona passen die Kiffer-Clubs sehr gut ins Stadtbild. Sie sind ein kleiner Teil des stolzen katalanischen Selbstverständnisses. Hier war man schon immer ein bisschen liberaler als in der spanischen Hauptstadt – jetzt eben auch beim Kiffen. (Steffen Lüdke)

Tel Aviv: Joints sind hier wie Bier in Deutschland

(Bild: Getty Images / Christopher Furlong)

Wer in Tel Aviv high werden möchte, muss nicht unbedingt selbst am Joint ziehen – so dick sind die Rauchwolken vor manchen Bars. Es genügt, ein paar mal tief einzuatmen. Joints in Tel Aviv ist wie Bier in Deutschland. Viele rauchen hier zum Entspannen nach der Arbeit, beim Abhängen mit Freunden oder am Wochenende beim Feiern. Kiffen ist dabei nicht mit einer bestimmten Szene verbunden.

"Berauscht sein hat eine eigene Tradition im Judentum"

Dabei ist Marihuanakonsum einzig zu medizinischen Zwecken erlaubt. Wer sich ohne ärztliches Rezept berauscht, macht sich strafbar. Auf den Besitz von bis zu 15 Gramm Marihuana oder Haschisch stehen bis zu drei Jahre Gefängnis, für größere Mengen gilt eine Maximalstrafe von 20 Jahren. So streng das Gesetz klingt, so schwach ist seine Abschreckungskraft.

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Ein Gramm Gras kostet etwa 100 Schekel (23 Euro). Haschisch ist zwar ein wenig günstiger, aber oft von schlechter Qualität.

Israelis sprechen natürlich vom "Joint", aber auch von "Zingaleh" (aus dem Jiddisch kommend, ursprünglich: "handgerollte Zigarette"). Das hebräische Wort für "high" – "mastul" – haben die Israelis wiederum von den Arabern geborgt.

Berauscht sein hat eine eigene Tradition im Judentum: Mehrere berühmte Rabbiner sollen regelmäßig und begeistert gekifft haben. Vom Rabbiner Ba’al Shem Tov, dem Gründer der chassidischen Bewegung, heißt es etwa, dass er "Kräuter“ aus einer Wasserpfeife rauchte, um „einen Aufstieg der Seele“ zu erleben. (Mareike Enghusen)

Buenos Aires: Kiffen ohne Strafe

(Bild: Getty Images / Christopher Furlon)

Um in Buenos Aires an Gras zu kommen, musste man lange Zeit nur nach oben schauen. Und “zapatillas colgando”, die “hängenden Schuhe” an Ästen und Stromleitungen suchen. Die Schuhe markierten Orte, an denen Rauschgift verkauft wurde. Heute ist diese Taktik fast nicht mehr nötig. In Buenos Aires kennt jeder jemanden, der einem ein paar Gramm verkaufen kann, um sich einen "porro" – einen Joint – zu drehen.

Kiffen ist in Buenos Aires unter jungen Leuten aller Milieus so üblich wie Rindfleisch essen. Sogar Kioske im Umkreis von Schulen verkaufen unter der Hand "un 25", die übliche Menge von 25 Gramm Gras. In Buenos Aires unterscheidet man zwischen "paraguayo", Gras aus allen möglichen Pflanzenteilen, und den reinen Blüten, "flores". Für 25 Gramm "flores" muss man bis zu 1000 Pesos hinblättern, etwa 60 Euro. Der "paraguayo" dagegen ist deutlich günstiger, 25 Gramm kann es für umgerechent 15 Euro geben.

(Bild: Getty Images / Alexander Hassenstein)

Die Argentinier sind erfinderisch im Geben von Spitznamen, auch für ihre Lieblingsdroge. Sie wird "María Juana", "faso" (Kippe), "churro", "cohete" (Rakete), "caño" (Rohr) oder "petardo" (Böller) genannt.

Der private Besitz und Konsum von Marihuana wird in Buenos Aires nicht bestraft. Er fällt unter Artikel 19 des Grundgesetzes. Demnach sind alle privaten Aktivitäten, die nicht die öffentliche Ordnung stören, von einer Verfolgung durch die Justiz befreit. Lediglich das Dealen mit Drogen steht unter Strafe. Und wenn andere durch den Konsum zu Schaden kommen. Ab welcher Menge Marihuana jemand als Dealer eingestuft wird und was der Schaden von Dritten genau bedeutet, hängt im Zweifelsfall vom Richter ab.

Die Freunde des Marihuana gehen seit Jahren für die Entkriminalisierung der Droge auf die Straße und – seit dem der Nachbarstaat Uruguay es vorgemacht hat – auch für die Legalisierung. (Carolina Torres)

Beirut: Den "Roten Libanese" lieber nicht auf der Straße probieren

(Bild: Getty Images / David McNew)

Als Faustregel für Beirut gilt: Je instabiler die politische Lage, desto mehr Haschisch ist im Umlauf. Hier ein kleiner Abriss: Der Libanon grenzt an das vom Bürgerkrieg zersetzte Syrien, hat über eine Million Flüchtlinge aufgenommen, wird gelegentlich von Autobomben erschüttert und ist zu korrupt, um den Müll des Landes zu entsorgen. Ihr habt es erkannt: Der Libanon hat gerade andere Probleme, als Cannabis-Felder in Brand und Bauern ins Gefängnis zu stecken.

Es sind also goldene Zeiten für Kiffer. Die Haschischproduktion floriert. Im Bekaa-Tal, an der syrischen Grenze, wird unter anderem die Haschischsorte "Roter Libanese" angebaut. Der amerikanische Autor Jack Kerouac hat darüber geschrieben und die Schauspielerin Romy Schneider angeblich davon probiert.

Wie ihr heute an das Zeug rankommt? Auf jeden Fall nicht auf der Straße. Denn trotz allem ist Marihuana illegal im Libanon. Wer nicht sehr gut mit dem örtlichen Polizeichef befreundet ist, sollte sich damit nicht erwischen lassen. Je nachdem, wie viel ihr dabei habt, drohen euch ein paar Monate oder ein paar Jahre Haft.

(Bild: Getty Images / Spencer Platt)

Gekifft wird zu Hause. Wenn ihr gerne etwas rauchen wollt, befolgt ihr am besten diese Schritte: Begebt euch an einem beliebigen Wochentag ins Beiruter Partyviertel Mar Mikhael und wählt eine Kneipe. Lernt am Tresen neue Leute kennen. Als Ausländer geht das sehr schnell. Lasst euch von euren neuen Freunden auf die nächste Hausparty mitschleppen, die sicherlich irgendwo in der Nähe stattfindet.

Sprecht dort die erste Person an, die einen Joint raucht. Sie wird euch liebend gern mitrauchen lassen. Und, wenn ihr ganz nett fragt, wahrscheinlich auch eine Kante abbrechen und schenken. Für den Fall, dass ihr es kaufen müsst: fünf bis zehn Dollar kostet das Gramm. (Theresa Breuer)

Moskau: Ausländische Kiffer werden ausgewiesen

(Bild: Getty Images / Marc Piscotty)

Über Moskauer Parkbänken und Balkonen schweben seltener Graswolken als, sagen wir mal, in Berlin. Beim Kiffen erwischt zu werden, kostet bis zu 5000 Rubel (rund 63 Euro) oder bis zu 15 Tage Freiheitsentzug. Austauschstudenten und Touristen, aufgepasst: Ist der Kiffer ein Ausländer, wird er zusätzlich aus Russland ausgewiesen.

Auch bei Besitz von Marihuana drohen Strafen. Hier kommt es auf die Menge an: Wer weniger als sechs Gramm Marihuana dabei hat, kauft, transportiert oder verarbeitet, muss in Russland mit Geldstrafen bis zu 4000 Rubel (rund 50 Euro) rechnen, oder 15 Tagen Freiheitsentzug.

Wer mit einer Menge zwischen sechs und 100 Gramm erwischt wird, dem kann eine dieser Strafen drohen: Eine Geldstrafe von 40.000 Rubel (rund 500 Euro) oder drei Monatseinkommen, bis zu drei Jahren Freiheitsentzug oder 480 Stunden soziale Arbeit. Ab 100 Gramm werden die Strafen härter, Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren ist möglich.

(Bild: Getty Images / Jamie Squire)

Gekifft wird natürlich trotzdem: Die liebevollen russischen Slang-Namen für Marihuana heißen übersetzt: Gräslein, Petersilie, Blödsinn. Es ist nicht so leicht, an Gräslein ranzukommen: Es passiert nicht so häufig, dass jemand im Park freundlich lächelnd fragt: "Brauchst du was?" Denn die Strafen für das Dealen sind noch strenger als für den Besitzer. (Wlada Kolosowa)

Shanghai: Lieber nicht Kiffen

(Bild: Getty Images / Sullivan)

Kiffer sollten in Shanghai vorsichtig sein. China geht anders mit Drogen um, als das deutsche Rechtssystem, der Besitz und Gebrauch wird hart bestraft. Schon auf die kleinsten Mengen stehen Freiheitsstrafen, die höher werden, je mehr Stoff man besitzt. Laut Auswärtigem Amt muss man beim Besitz von bis zu 50 Gramm Heroin oder 1 Kilo Opium mit einer Gefängnisstrafe ab sieben Jahren rechnen. Die Todesstrafe gilt ab Überschreiten dieser Grenze und ebenso beim Herstellen, Dealen und Transportieren von Drogen.

Ein berühmter Fall war die Verurteilung von Jackie Chans Sohn, Jaycee Chan, in Peking: Er wurde positiv auf Marihuana getestet, man fand in seiner Wohnung etwa 100 Gramm Gras. Dafür musste er sechs Monate ins Gefängnis. Sein Vater entschuldigte sich öffentlich für ihn.

(Bild: Getty Images / Jamie Mc Donald)

In Shanghai sollen die Regeln etwas lockerer sein, als in der Hauptstadt. Vor allem bei Ausländern soll die Polizei gerne mal Ausnahmen machen. Wer in Shanghai nicht auf seinen Rausch verzichten möchte, der kann Gras oftmals in kleinen Straßenbuden im Zentrum der Stadt finden, etwa an einem ganz normalen Nudelstand. Auch vor den Clubs wird oft gedealt oder in den Clubs selbst, etwa im Financial District Pudong, im Zentrum der Stadt, oder in French Concession, dem europäischsten Teil Shanghais. Beliebte Clubs sind: "The Mansion" oder die "Amber Lounge".

Gute Ansprechpartner sind auch die sogenannten Promoter. Man findet sie über Facebook-Gruppen wie "Shanghai Party". Sie helfen dabei, günstig in Clubs und an Drinks zu kommen. Natürlich nicht aus purer Nächstenliebe: Sie werden von den Clubs dafür bezahlt, die Leute ranzuschaffen. Promoter wissen, wo was geht.

Gras ist in Shanghai etwas teurer, als in Deutschland. Es kann schon vorkommen, dass man für einen Joint über 10 Euro zahlen muss. Der Preis, den man zahlt, wenn man erwischt wird, ist jedoch deutlich höher.

Jackie Chans Sohn Jaycee soll übrigens eine Strafminderung bekommen haben, weil er die Tat sofort gestanden habe. Und vermutlich, weil er eben Jackie Chans Sohn ist. (Carolina Torres)

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