Bild: Instagram/Talabe Today

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Wenn Imame Hipster spielen

08.02.2016, 16:19 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Ein Instagram-Account zeigt Ajatollahs im Alltag

Bärtige Männer beim Basketball, bärtige Männer in der U-Bahn. Was aus Hipster-Perspektive nur noch wenig aufregend klingt, wird plötzlich spannend, wenn diese Bärtigen Ajatollahs aus dem Iran sind. Ein Instagram-Account stellt die persischen Gelehrten in ungewohnten Bildern vor – und erlaubt so seltene Einblicke in den sich langsam öffnenden Iran.

"Talabe Today" wurde vor einem Jahr gegründet. Heute zählt es 15.000 Follower. Hinter dem Account steckt Masoud Zareian, ein iranischer Student, der laut BBC das Image seines Landes verbessern will. Das persische "talab" im Account-Namen stammt vom arabischen "talib", der Student – bei dem Account geht es also nicht um die Taliban-Krieger, sondern schlicht um religiöse Studenten. Auf Instagram zeigt Zareian daher vornehmlich Fotos von Religionsschülern, aber auch von ausgebildeten Rechtsgelehrten, die Ajatollahs.

Der Alltag im Iran ist bunter als unser Bild vom Land

Der Iran ist ein selbst ernannter Gottesstaat. Eine Reihe von Klerikern, angeführt von Großajatollah Ali Khamenei, regiert das Land und definiert die rigiden Regeln für das Zusammenleben. Der Alltag sieht allerdings oft entspannter aus: Die Pflicht, ein Kopftuch zu tragen, bedeutet für viele Frauen nicht viel mehr als ein lose um den Hals geworfener Designerschal. Junge Iraner treffen sich auf Partys und selbst die Imame bieten in dunklen Gassen den selbstgebrannten Alkohol an. Dass sich der Iran nun nach langem Embargo dem Westen öffnet, kann da nur helfen.

Allzu unkritisch sollte man "Talabe Today" trotzdem nicht sehen

Der schiitische Iran befindet sich in einem offenen Konflikt mit dem sunnitischen Saudi-Arabien um die Deutungshoheit im Islam. Die Bilder werben daher auch für die iranische Lesart des Korans und zeigen nicht nur bloße Unbeschwertheit. Längst bespielen viele Ajatollahs soziale Netzwerke wie Twitter und Instagram – selbst wenn diese offiziell verboten sind. Auch Großajatollah Khamenei ist mit einem eigenen Instagram-Account vertreten (und postete dort schon Gebete, die deutlich länger sind als die von Instagram erlaubten 15 Sekunden). Hinter den vermeintlich unbeschwerten Bildern religiösen Alltags steckt daher auch immer das Abbild eines rigiden Gottesstaates mit all seinen Beschränkungen persönlicher Freiheiten.

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