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Trip

So verreist du, ohne dich zu bewegen

25.03.2016, 09:53 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Lies dich einmal um den Globus.

Wenn die Freunde unaufhörlich Bilder von Städtetrips posten und man selbst zu Hause festhängt – mangels Geld, mangels Zeit oder mangels beidem – macht sich schnell Fernweh breit.

Dabei muss man gar nicht weit reisen, um das Fernweh zu lindern. Wir geben Tipps für literarische Ausflüchte aus dem Alltag.

1. Paris

– Ernest Hemingway, "A Moveable Feast"

Das Buch

Die erst nach dem Tode Hemingways veröffentlichten Erinnerungen an das Leben in Paris in den frühen Zwanzigerjahren sind nicht nur Pflichtlektüre für Literatur-Geeks und Fans der "Lost Generation" um Hemingway selbst, F. Scott Fitzgerald, Gertrude Stein und Ezra Pound.

So wunderschön sieht es aus, wenn Bloggerin Smaracuja auf Reisen geht – die Fotostrecke:

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Vor allem geht es um Menschen, die irgendwie überrascht zu sein scheinen, überhaupt am Leben zu sein, sich fragen, was sie jetzt machen sollen und in Ermangelung einer endgültigen Antwort trinken und schreiben und sich nicht zu sehr um den nächsten Tag kümmern, aller Geldsorgen und gebrochenen Herzen zum Trotz.

Das Buch und die Stadt

Die Cafés und Bars, die Parks und Straßen von Paris sind – neben den bekannten Literaten Hauptfiguren der Erzählungen – detailreich und voll Zuneigung beschrieben.

Es ist kein Wunder, dass das Buch nach den Terroranschlägen vom vergangenen November in Frankreich zum Bestseller wurde: Hemingway schreibt über ein Paris, das herrlich frei und unbedarft ist – und unverwundet.

Texthappen

If you are lucky enough to have lived in Paris as a young man, then wherever you go for the rest of your life, it stays with you, for Paris is a moveable feast. Paris was always worth it and you received return for whatever you brought to it. But this is how Paris was in the early days when we were very poor and very happy.

2. Berlin

– Paul Beatty, "Slumberland" –

Das Buch

Kurz vor dem Mauerfall zieht DJ Darky aus Los Angeles nach Berlin, um in der Bar "Slumberland" als Sommelier zu arbeiten.


Seine Mission im Roman: Einen geheimnisvollen Typen, der sich "The Schwa" nennt, zu finden und den perfekten Beat zu schaffen. In der Stadt trifft er Menschen, die auf unterschiedliche Arten nach Freiheit und Liebe hungern – zumindest in dieser Hinsicht scheint Beattys Berlin 1989 dem heutigen nicht allzu fern.

Das Buch und die Stadt

"Slumberland" passt zu Berlin: Das Buch ist ein bisschen hip, ein bisschen unkonventionell und ein bisschen komisch – und man wird das Gefühl nicht los, dass es trotz seiner leichten Verschrobenheit versucht, zu gefallen. Die Bar gibt’s übrigens wirklich.

Texthappen

I took out my minirecorder and taped the sounds of freedom. Car horns blared. A woman slammed a pickax into the Wall, grew tired, and then began to spit at the bricks. Chanting. Clapping. Peoople said, „Wunderbar!“ whenever a reporter shoved a microphone in their faces. Cameras clicked. Singing. Flashbulbs popped.

A beer-hammered young man, too inebriated to lift his head, vomited his first Big Mac onto his first pair of Air Jordans. His boys teased him about wasting a month's pay on sneakers that didn't even last him a day. All in all, freedom sounded a lot like a Kiss concert.

3. New York

– Garth Risk Hallberg, "City on Fire"

Das Buch

"New York 1977 – Be There When It Explodes", mehr steht nicht auf dem Buchrücken. Und man kann "City on Fire" auch nur entweder mit sehr wenigen oder mit sehr vielen Worten beschreiben.

Millionenschwere Erben, verzweifelte Teenager, der ambitionierte Autor eines noch nicht geschriebenen großen Romans, ein Polizist mit dem Wunsch, einen letzten großen Fall aufzuklären: Sie alle sind in New York, als im Juli 1977 durch einen massiven Stromausfall plötzlich das Licht ausgeht und das Leben noch mehr aus den Fugen gerät, als es das eh schon ist.

Davor und danach sind die Figuren auch meist in New York, und Hallberg entfaltet ihre Leben auf über 900 ambitionierten (wenn auch nicht perfekten) Seiten.

Das Buch und die Stadt

"City on Fire" deckt New York nicht nur geographisch fast komplett ab, sondern auch seiner Bewohner aller Altersgruppen, Einkommensklassen, Geschlechter, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung. Hallbergs New York ist rauschend und schmutzig, Heimat und Fremde, beengend und grenzenlos.

Texthappen

Meantime, down below, the kempt façade of the world he'd left behind was crumbling. Streamers of pot rode the lunchtime air; swirls of graffiti had bloomed on the postboxes and on the cornices of municipal buildings; […] two white kids, a boy and a girl, sat on a flattened box on the sidewalk asking strockbrokers for change. […]

And it seemed to William to betoken not decline but progress – […] New York now belonged to the future. And it was going to protect him this time, he was sure of it. Never again would they let each other down.

Noch mehr Bücher: In diesen Klassikern geht es um die tollsten Orte der Welt – die Fotostrecke:

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4. Austin, Texas

– Billy Lee Brammer, "The Gay Place" –

Das Buch

"The Gay Place" zeigt die aufsteigende intellektuelle und politische Elite im Austin der späten Fünfzigerjahre voller Witz und lakonischen Zynismus.

Es wird viel getrunken, viel gefeiert, viel gevögelt, und schon kurz nach dem Krieg ist Austin viel weniger konservativ, als man das von Texas erwarten würde. Ganz nebenbei gilt "The Gay Place" als bestes fiktionales Portrait des amerikanischen Präsidenten Lyndon B. Johnson, im Buch Gouverneur Arthur Fenstermaker.

Das Buch und die Stadt

"The Gay Place" taugt als moderner Gründungsmythos der texanischen Hauptstadt, die dank Uni, Start-Up-Szene und SXSW eines der hipsten und am schnellsten wachsenden urbanen Zentren der USA ist.

Wer einmal nach Austin kommt, sollte sich "Scholz Beergarden", als "The Dealy Beloved" einer der Hauptspielorte des Romans, nicht entgehen lassen – im Buch wie in der Realität ein ikonischer Treffpunkt für Studenten und Profs, buntes Volk und Menschen auf der Durchreise.

Texthappen

The city lies against and below two short spiny ribs of hill. […] It is a pleasant city, clean and quiet […]. On brilliant mornings the whire sandstone of the tower and the Capitol's granite dome are joined for an instant, all pink and cream, catching the first light.

5. London

– John Lancaster, "Capital" –

Das Buch

"Capital" zeigt das Leben in London in all seinen Facetten: Hier der Investmentbanker und seine Frau, bei denen man sich nicht entscheiden kann, wer einem nun größenwahnsinniger vorkommt; dort die alte Frau, die als letzte Erinnerung an eine andere Zeit in einer nahezu komplett gentrifizierten Straße wohnt; hier die pakistanische Familie mit dem obligatorischen Corner Shop, dort ein mysteriöser Künstler; hier illegale Immigranten, polnische Handwerker und ungarische Kindermädchen, dort ein senegalesisches Fußballtalent, die sich der Stadt alle auf unterschiedliche Art nähern.

Kurz gefragt: Wie wichtig sind dir Reisen?

Das Buch und die Stadt

London ist der wahre Protagonist in diesem Buch. Die Stadt an sich hält die vielen Erzählstränge zusammen und lässt eintauchen in eine Metropole im 21. Jahrhundert, die immer in Bewegung ist, in der man schnell aufsteigen und ebenso schnell fallen kann.

Texthappen

The City of London is one of the few places in which this tyranny of the mediocre, the mean, the average, the banal, the ordinary, the complacent, is challenged. The City is one of the few places in which you are allowed to be extraordinary.
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