Bild: Carolin Martz

Trip

Der perfekte Roadtrip: Zwischen einsamen Stränden und lebhaften Städten in Portugal

23.08.2017, 11:28

Du wachst auf und siehst blauen Himmel, weißen Sand und das Meer. In diesem Moment spürst du: 

Du hast irgendwas verdammt richtig gemacht.

So geht es mir. Jeden Morgen wache ich mit diesem Gefühl auf, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Gemeinsam mit einem Freund bin ich an der Westküste von Portugal unterwegs und wir haben beschlossen, statt in Hotels unter freiem Himmel zu übernachten. Strand statt Bett, einfach das Auto abstellen und mit unseren Schlafsäcken, einer Flasche Rotwein und Oliven die Klippen herunter zum Strand klettern – eine Abendroutine der anderen Art. Besser als jede Matratze passt sich der feine Sand meinem Körper an und morgens weckt mich statt meines Weckers die Sonne.

In Portugal gibt es, im Gegensatz zur spanischen Küste, keine Hotelklötze und reservierte Liegen am Pool. Grund dafür ist der Nationalpark, der sich unterhalb von Lissabon bis in den südwestlichen Zipfel Portugals erstreckt und die Bebauung der Küste verhindert. Über 80 Kilometer Länge gibt es hier nur rauhe Klippen, kleine Dörfer und den Atlantik.

Weil die Entfernungen hier nicht groß sind, lohnt sich unsere Route schon ab zwei Wochen. Wir hatten drei Wochen Zeit und haben jede Minute genossen.

1. Lissabon

Carolin Martz
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Los geht es in Lissabon, der lebendigen Hauptstadt Portugals. Mit seinen rund 500.000 Einwohnern ist Lissabon zwar keine Millionenstadt, auf den Straßen ist trotzdem immer etwas los. Hier lebt man draußen. Verständlich, denn die Straßen Lissabons sind in großen Teilen gesäumt von wunderschönen alten Häusern mit den typisch gemusterten Keramik-Fassaden, kleinen Restaurants an jeder Ecke und vielen Straßenkünstlern.

Was sich hier richtig lohnt: 

  • Die Alfama ist die Altstadt von Lissabon. Dass in dieser pittoresken Kulisse tatsächlich Menschen leben, ist fast nicht vorstellbar, so winzig erscheinen die verwinkelten, steilen Gassen und kleinen Eingangstüren. Die Wäscheleinen an den Balkonen und über den Gassen sind aber deutliches Indiz. Da kann man gut einen Tag verschlendern und dem Leben der Anderen zuschauen. 
  • Mit einer Fähre (ab Cais do Sodré) kann man den Tejo, den Fluß im Süden Lissabons, überqueren. Auf der anderen Seite liegt die Stadt Almada, berühmt für ihre Christus-Statue Christo Rei. Vom Anleger zum Sockel des Monuments brauchen wir etwa 40 Minuten und genießen den atemberaubenden Ausblick über Lissabon.
  • Das Barviertel ist das Bairro Alto. Hier treffen sich Einheimische, Erasmus-Studenten und Touristen. Wir suchen uns eine der vielen kleinen Fado-Bars aus. Fado ist traditionelle portugiesische Musik, in der gern melancholisch die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten besungen wird. Wir lassen uns bezaubern und trinken den ein oder anderen Vinho Verde

2. Évora

Blick von der Cathedrale von Évora. Foto: Carolin Martz

Blick von der Cathedrale von Évora. Foto: Carolin Martz (Bild: Carolin Martz )

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Mietauto ins Landesinnere. Unser erstes Ziel ist Évora, eine historische Stadt im Alentejo. Wir sind sofort verliebt, als wir auf der Suche nach Frühstück in der kleinen Bäckerei 'Pao de Rala' (Rua de Cicioso 47 in Évora) landen. Hier essen wir die leckersten Pastéis de Nata – die berühmten portugiesischen Blätterteigtörtchen.

Das Gebäck kostet gerade mal 70 Cent, den Galão, einen portugiesischen Milchkaffee, bekommt man für einen Euro dazu. Das ist übrigens nicht ungewöhnlich: In ganz Portugal kann man deutlich günstiger essen und trinken als in Deutschland. Ein Hauptgericht gibt es im Restaurant zum Beispiel schon ab drei Euro, wenn man die touristischen Lokale meidet.

Évoras historischer Kern ist übrigens, auch dank der gut erhaltenen Ruine eines alten römischen Tempels, ein UNESCO-Weltkulturerbe.

3. Costa Vicentina – Portugals Westküste

Praia do Malhão – eine von unzähligen kleinen Buchten entlang der Westküste. Foto: Carolin Martz

Praia do Malhão – eine von unzähligen kleinen Buchten entlang der Westküste. Foto: Carolin Martz

Danach zieht es uns ans Meer. Über endlose Straßen vorbei an Oliven- und Korkbäumen erreichen wir den Anfang des Nationalparks Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina nahe der Stadt Vila Nova de Milfontes.

Ab hier führt eine Straße von Nord nach Süd durch den Nationalpark und die kleinen Abbiegungen auf der Strecke direkt ans Meer. Folgt man den Schildern mit der Aufschrift 'Praia', führen die Abzweigungen zu kleinen Buchten mit Sandstrand, die gerade abends menschenleer sind. In der Praia do Malhão sehen wir den Sonnenuntergang auf unserer Reise und fühlen uns so wohl, dass wir über Nacht einfach da bleiben.

Im Sand aufwachen, hier an der Praia de Odeceixe. Foto: Carolin Martz

Im Sand aufwachen, hier an der Praia de Odeceixe. Foto: Carolin Martz

Im Windschatten der Felswände können wir super schlafen: Die kühleren nächtlichen Temperaturen sind mit Schlafsack angenehm und die Bucht hab wir ganz für uns allein. Unter klarem Sternenhimmel inklusive der Milchstraße schlafen wir ein und morgens schwimmen wir statt zu duschen im Meer. Oberhalb der kleinen Bucht entlang führt auch die Rota Vicentina, eine bekannte Wanderroute durch den Nationalpark. Also lassen wir das Auto lassen einfach etwas länger auf den Strandparkplätzen oben auf den Klippen stehen und stapfen noch ein bisschen durch den Sand.


4. Fisch essen in Azenha do Mar

Auf die Empfehlung eines Portugiesen hin halten wir als nächstes in Azenha do Mar. Hier soll es das beste traditionelle Fischrestaurant geben. Den Namen weiß der Mann nicht, tatsächlich kann man den Laden aber nicht verfehlen: Er liegt direkt am Meer und platzt aus allen Nähten. Alle Einheimischen des Dörfchens scheinen sich hier abends zu treffen – zurecht. Wir sitzen auf Plastikstühlen, alle unterhalten sich lautstark über mehrere Tische. Die Atmosphere ist ausgelassen und wir haben wirklich selten so leckeren und frischen Fisch gegessen! 

5. Cabo de São Vicente bei Sagres

Am südlichen Zipfel der Westküste wartet danach ein weiteres Highlight: Das Cabo de São Vicente, ein Leuchtturm in der Nähe der Stadt Sagres. Von hier aus sieht man einen wunderschönen Sonnenuntergang, der die Felswände abends in rötliches Licht taucht. 

Auf ein Bier an das Südwestende von Europa am Cabo de São Vicente. Foto: Carolin Martz

Auf ein Bier an das Südwestende von Europa am Cabo de São Vicente. Foto: Carolin Martz

Ein Tipp für alle langhaarigen Traveller: Unbedingt einen Zopf oder Mütze tragen, denn es ist hier wahnsinnig windig. So könnt ihr ungestört den Ausblick und das ein oder andere Sagres genießen, das gleichnamige Bier der Region.  

Später übernachten wir wieder unter freiem Himmel: Nur ein paar Minuten mit dem Auto entfernt liegt die Praia do Beliche. Über eine Treppe gelangt ihr nach unten ans Meer in die kleine, windgeschützte Bucht. 

6. Lagos

Die Sonne genießen und ins Meer springen geht in Lagos. Foto: Carolin Martz

Die Sonne genießen und ins Meer springen geht in Lagos. Foto: Carolin Martz

Von dort geht es an die Algarve, Portugals Südküste. Obwohl das Örtchen Lagos sehr touristisch ist und gerade in der Hochsaison massenweise Urlauber über den Boulevard flanieren, hat die Stadt viel Charme. Die schmalen Gassen und wunderschönen bunten Häuser in der Altstadt haben uns sofort verzaubert.

Von der Altstadt aus läuft man in zehn Minuten zu den kleinen Buchten von Lagos. Hier kann man sonnenbaden und wenn man möchte, von den Felsen aus ins türkisblaue Wasser springen.

Übernachtet haben wir hier in einem Hostel. Achtet man bei der Buchung darauf, dass es sich nicht um ein Party-Hostel handelt, schläft man in Lagos für 15 Euro die Nacht in wirklich schönen Hostels mit hohen Standards direkt im historischen Stadtkern – in unserem Fall sogar mit Dachterrasse und Blick über Lagos.

Die portugiesischen Hostels haben einen hohen Standard – und hier auch eine Dachterrasse. Foto: Carolin Martz

Die portugiesischen Hostels haben einen hohen Standard – und hier auch eine Dachterrasse. Foto: Carolin Martz

Dagegen keine gute Idee: Mit dem Auto bis in die Altstadt fahren. Die Straßen sind hier so eng, dass jedes Abbiegen zur Herausforderung wird. Kurz vor den Stadtmauern gibt es aber große Parkplätze, auf denen man das Auto gegen ein, zwei Euro über Nacht abstellen kann.

7. Surfen oder Kitesurfen

Kiten bis zum Sonnenuntergang in einer Lagune in der Nähe von Lagos. Foto: Carolin Martz

Kiten bis zum Sonnenuntergang in einer Lagune in der Nähe von Lagos. Foto: Carolin Martz

Wellen und Wind – Portugal ist berühmt für Wassersport. Lagos ist ein guter Startpunkt, sowohl für Wellenreiter als auch für Kitesurfer.

Wir buchen drei Tage Kitesurfen in einer der vielen Schulen in Lagos. Das kostet rund 250 Euro, ist das Geld aber absolut wert – den riesigen Kite zu steuern, sich nur durch die Windkraft über das Wasser ziehen zu lassen und erst bei Sonnenuntergang aufzuhören, ist ein fantastisches Erlebnis. Ideal für Anfänger: Die Schulen üben im Stehrevier einer Lagune, in der das Wasser einem auch bei Flut nur bis zur Hüfte geht.

Wer Wellenreiten lieber mag, leiht in einem der Surfshops in Lagos ein Board und fährt zu den nahe gelegenen Surfstränden. In vierzig Autominuten erreicht man die Spots Praia do Amado, Arrifana und Carrapateira. Wer noch keine Erfahrung auf dem Board hat, kann sich einer Surf-Schule in Lagos oder direkt an den Stränden anschließen. Kostenpunkt für das Leihen: 20 Euro pro Tag, für einen Tageskurs mit Surflehrer zahlt man 50 Euro. 

Der perfekte Roadtrip Portugal – was kostet der Spaß?

Flüge: Wer jetzt bucht, fliegt im September zum Beispiel ab Hamburg für 58 Euro nach Lissabon. Ein Rückflug ab Faro gibt es für den gleichen Preis.

Mietwagen: Ein Mietwagen ab Lissabon mit Rückgabe in Faro bekommt man ab 210 Euro für zwei Wochen. Wer am Ende die knapp dreistündige Fahrt zurück nach Lissabon in Kauf nimmt, zahlt nur 150 Euro. (Dann bietet sich auch an, unseren zweiten Stopp Évora auf dem Rückweg mitzunehmen.) Achtung: Auf Portugals Autobahnen zahlt man Mautgebühren. Entlang der Küste kann man diese gut umgehen, mindestens aus Lissabon heraus kommt man aber um die Autobahn nicht herum. 

Übernachten: Günstiger als unter freiem Himmel geht nicht. Trotzdem ist Portugal im Vergleich zu Spanien preiswerter. Hostels (die in Portugal durchschnittlich einen hohen Standard haben) kosten ab 15 Euro pro Nacht. Für ein Airbnb-Zimmer zum Beispiel in Lissabon zahlt mindestens 20 Euro, eine ganze Unterkunft bekommt man ab 60 Euro die Nacht. 


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Schulz will alle Atomwaffen aus Deutschland verbannen

23.08.2017, 08:14

Bis zu 20 Atomwaffen sollen die USA in Deutschland stationiert haben. Vermutlich auf einem Bundeswehr-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will damit jetzt Schluss machen. Bei einem Wahlkampfauftritt in dem Bundesland sagte er: "Ich werde mich als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland dafür einsetzen, dass in Deutschland gelagerte Atomwaffen - und wenn sie in Rheinland-Pfalz gelagert sind, dann die in Rheinland Pfalz gelagerten Atomwaffen - abgezogen werden." (SPIEGEL ONLINE)