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Trip

Der etwas andere Reiseführer: So flirtest du richtig

12.03.2016, 10:30 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

In unserem Reiseführer geben wir sehr lebensnahe Tipps. Diesmal: Daten in Barcelona, Buenos Aires, Tel Aviv, Moskau, Shanghai und Beirut.

Barcelona: Im Zweifel flirten

Küsse im Club. Abends wird in Barcelona heftig geflirtet.

Küsse im Club. Abends wird in Barcelona heftig geflirtet. (Bild: Getty Images / David Rios)

Barcelona fühlt sich an wie ein endloser lauer Sommerabend. Das Wetter ist gut, abends sind die meisten ein bisschen angetrunken, kaum jemand sturztrunken. Das Lebensgefühl: Im Zweifel freundlich flirten. Abseits der hektischen Hauptstraßen, in den Bars, Clubs und Cafés geht’s zur Sache. Es ist total okay, jemanden einfach so anzusprechen.

Wenn du Spanisch oder Katalanisch sprichst, laufen die Gespräche wie von selbst. Der Rest ist Schicksal. Falls nicht, kannst du den Spaniern immer noch auf Englisch erklären, dass nicht alle Deutschen ständig Sauerkraut essen und hellbraune Haare bei uns wirklich nicht als blond gelten.

Wichtiger Tipp: Singles erkennst du oft an der „putivuelta“ (in etwa: Nuttenrunde, der Ausdruck wird aber ironisch gebraucht). So nennen die Spanier die Runde, die sie mit einem Drink in der Hand drehen, um im Club nach heißen Männern oder Frauen Ausschau zu halten.

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Gescheitert ist ein Flirtversuch, wenn sich der potenzielle Partner statt mit zwei Küsschen mit „dem Koala“ verabschiedet. Das ist eigentlich eine ganz normale Umarmung, die aber in Spanien als extrem frostig gilt. Kommen zu der Umarmung zwei, drei Klopfer auf den Rücken, steht fest: hier geht gar nichts.

Tinder ist auch in Barcelona die beliebteste Dating-App. Allerdings tummeln sich dort viele Touristen, die nur für ein paar Tage in der Stadt sind – perfekt für einen One-Night-Stand.

Zu mir oder zu dir? Die Frage wird in Barcelona oft pragmatisch beantwortet. Viele Spanier wohnen auch mit Ende 20 noch bei ihren Eltern. Wer ein Bett im 12er-Zimmer des Hostels gebucht hat, könnte das spätestens jetzt bereuen. (Steffen Lüdke)

Fotostrecke: Wo man sich besonders gut daten kann

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Buenos Aires: Von der Bar ins Stundenhotel

Auf manchen öffentlichen Plätzen in Buenos Aires gibt es kostenlose Tango-Stunden.

Auf manchen öffentlichen Plätzen in Buenos Aires gibt es kostenlose Tango-Stunden. (Bild: Getty Images / Alexander Hassenstein)

Dating Apps wie Tinder sind in Buenos Aires nicht die großen Matchmaker.

Tatsächlich braucht es diese Hilfsmittel auch nicht: Die Argentinier sind sehr offenherzige und extrovertierte Menschen, man lernt sich auf Hauspartys, über Freunde oder beim Ausgehen kennen. Das Schema ähnelt sich: Man tauscht Nummern, sucht sich auf Facebook, man schreibt und trifft sich.


Dates finden für gewöhnlich in Bars statt. Beim ersten Treffen übernimmt der Mann noch die Rechnung, ab dem zweiten Date wird geteilt – erstaunlich für ein Land, in dem Machismus noch so präsent ist. Ist der Abend gut gelaufen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass man gemeinsam im Bett landet. Häufig in einem sogenannten Telo.

Argentinien gehört zu den Ländern mit den meisten Stundenhotels der Welt – den Telos. Allein in Buenos Aires gibt es knapp 200. Denn nicht selten leben junge Leute bis Ende 20 noch bei ihren Eltern. Für Zweisamkeit mietet man sich deshalb ein Zimmer – in der Regel 90 Minuten lang. Telos darf man sich nicht als schmuddelige Absteigen vorstellen, sie sind eine praktische Lösung für die gegebenen Umstände. Gemütliche Zimmer, meist sauber, mit Spiegeln an Wänden und Decke und Kondomen auf dem Nachtisch.

Bar – Telo – Bar – Telo – das kann monatelang so gehen. Denn die Argentinier legen sich nicht gerne leichtfertig fest: Der Familie wird die neue Liebe erst vorgestellt, wenn man sich ganz sicher ist. Die Dating-Phase kann sich über Monate erstrecken, ohne dass die Eltern überhaupt etwas davon wissen. Erst wenn man wirklich fest zusammen ist, kommen sie ins Spiel. Und dann wird es ernst. (Carolina Torres)

Tel Aviv: Arak oder keinen Arak ist hier die Frage

Der Stand in Tel Aviv ist optimales Flirt-Gebiet.

Der Stand in Tel Aviv ist optimales Flirt-Gebiet. (Bild: Getty Images / David Silverman)

Tel Aviv gilt als Stadt der Singles – umso intensiver wird hier gedatet.

Männer wollen überall mit Frauen flirten: ob am Strand, im Bus oder im Supermarkt. Der Vorteil des gesunden Egos der Tel Aviver Männer: Sie nehmen eine Abfuhr nicht persönlich, sondern bleiben entspannt. Israelische Frauen sind ebenfalls häufig mit einem robusten Selbstvertrauen gesegnet und ergreifen häufig die Initiative. Für beide Geschlechter gilt: Ausländer genießen einen Exoten-Bonus.

Dating-Apps, vor allem Tinder, sind in Tel Aviv sehr beliebt: Einige suchen hier den schnellen Spaß, andere, den Partner fürs Leben. Tel Aviv hat auch eine lebhafte und stolze LGBT-Szene: 2011 wurde die Stadt zur besten "Gay City" weltweit erklärt.

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Beim Date bestellt man sich häufig ein Bier. Wird dazu noch Arak getrunken, ein lokaler Anisschnaps, ist das oft ein Zeichen, dass der andere nicht nur reden will. Israelis kommen eben gern schnell zur Sache: Knutschen am ersten Abend ist nichts ungewöhnliches, auch Sex ist drin. Aber: Leute aus traditionellen oder arabischen Familien finden das schnelle Anbändeln oft suspekt bis unanständig.

Meist bezahlen Männer beim Date. Das macht sie aber längst nicht zu klassischen Gentlemen. Israelis, Männer wie Frauen, sind sehr direkt, Smalltalk und Höflichkeitsfloskeln sind nicht ihre Sache. Auf Europäer wirkt das manchmal frech. (Mareike Enghusen)

Moskau: Zusammen spazieren gehen und mehr

Date-Ideen: Spazieren gehen und sich im Park ausruhen.

Date-Ideen: Spazieren gehen und sich im Park ausruhen. (Bild: Getty Images / Alexander Aksakov)

Wer "Onlinedating" und "Russland" googelt, bekommt unzählige dubiose Plattformen als Treffer. Dort warten viele Russinnen darauf, mit wenigen Klicks und viel Geld auf der Kreditkarte erobert zu werden. Das Motto: "Sexy Russin sucht seriösen Mann".

Beliebt sind aber auch weniger dubiose Seiten wie Loveplanet.ru. Allerdings ist man auch hier nicht vor Fake-Profilen geschützt. Neu ist die Dating-App Yep!, mit der man sich mit Unbekannten in der Umgebung spontan verabreden kann – zum Essen, für Sport oder für ein Konzert. Ansonsten ist Tinder auch in Russland ein Erfolg.

Viele junge Russen lernen sich nicht übers Internet kennen, sondern über Freunde, an der Uni oder im Nachtleben.

Zum Kennenlernen trifft man sich auf einen Kaffee oder in einer Bar. Oder man geht zusammen spazieren. Das ist ein alter russischer Brauch. Auch wenn Moskau, was Geschlechterrollen angeht, fortschrittlicher ist als der Rest des Landes, sind Dates oft traditioneller als in Deutschland.

Der Mann zahlt und begleitet die Dame zur Haustür. Das man im Bett landet, ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Schon deshalb, weil die meisten jungen Leute in Moskau noch bei ihren Eltern oder im Studentenwohnheim leben. (Wlada Kolosowa)

Shanghai: Vor dem Sex liegen die Dates

Singleparties wie hier sind in Shanghai beliebt.

Singleparties wie hier sind in Shanghai beliebt. (Bild: Getty Images / China Photos)

Was Tinder für die Deutschen ist, ist WeChat für die Chinesen. Die App zeigt Menschen in der Nähe an, die Lust haben zu chatten. Foto inklusive. Man schreibt, man findet sich sympathisch, man trifft sich.

Viele junge Chinesen lernen sich aber auch ganz klassisch an der Uni oder über Freunde kennen. Ein erstes Date kann ein gemeinsames Essen sein, ein Kinobesuch oder ein Abend in einer Bar.

Auch für Hochzeitsfotos ist die Skyline von Shanghai ein beliebtes Fotomotiv.

Auch für Hochzeitsfotos ist die Skyline von Shanghai ein beliebtes Fotomotiv. (Bild: Getty Images / Feng Li)

Chinesen werden bei der Partnerwahl immer offener – besonders in Shanghai. Beziehungen zwischen Ausländern und Chinesen sind keine Seltenheit mehr.

Üblicherweise lässt man sich mit Sex und allem was dazu gehört etwas mehr Zeit als in Europa – lockere Geschichten wie One-Night-Stands oder Friends-With-Benefits kommen unter den traditionelleren Chinesen selten vor. Heute wird mit dem Sex aber auch nicht mehr gewartet, bis der Ring am Finger steckt.

Mit dem Zusammenziehen aber schon. Bis man sich offiziell ein Paar nennt, können viele Monate vergehen. Erst dann lernt man auch die potentiellen Schwiegereltern kennen. (Carolina Torres)

Erster Teil des bento-Reiseführers:

Beirut: Tür aufhalten und Dating-Apps

Männer in Beirut – zwischen Macho und Gentleman.

Männer in Beirut – zwischen Macho und Gentleman. (Bild: Getty Images / Spencer Platt)

In Beirut wird mit den gleichen Methoden wie im Rest der Welt gedatet: mit Tinder. Mit dem Unterschied: Libanesische Mädels wollen besonders umgarnt werden – und nicht den Eindruck vermitteln, leicht zu haben zu sein. Wer als Frau bei Tinder ein paarmal nach rechts wischt, hat innerhalb weniger Minuten ein Date.

"Darüber hinwegsehen, dass sie die ersten zehn Anrufe ignoriert."

Jungs suchen sich lieber einen guten Platz an der Bar, wenn sie nicht nur Arabistikstudentinnen aus Brooklyn und NGO-Praktikantinnen aus Paris über Dating-Apps treffen möchten.

Also einfach allen Mut zusammennehmen und die Auserwählte ansprechen. Dann: Nummer ergattern. Und darüber hinwegsehen, dass sie die ersten zehn Anrufe ignoriert. Beim elften Anruf nimmt sie ab und man kann sich für ein Date verabreden. Egal, ob das Date dann gut oder schlecht läuft, die Drinks zahlt auf jeden Fall der Mann.

Ob und wie schnell man im Bett landet, hängt davon ab, was die Frau möchte – und davon, ob ein geeigneter Raum gefunden wird. Die meisten Libanesen wohnen nämlich bis zur Hochzeit bei ihren Eltern. (Theresa Breuer)


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