Trip

Warum es überwältigend ist, als Frau alleine zu reisen

04.09.2016, 14:21 · Aktualisiert: 04.09.2016, 23:16

Drei Geschichten aus Australien, Südafrika und Spanien

Mit dem Rucksack in den ersten Flieger und auf der anderen Erdhalbkugel aufwachen. Einfach mal raus und das Leben erleben. Viele junge Menschen erfüllen sich diesen Traum, nach dem Abi, nach dem Studium oder einfach, wenn das Fernweh zu groß wird. Doch davor stellt sich immer die Frage: Mach ich mich alleine auf den Weg oder hab ich meine Freunde im Gepäck? Ist so eine Reise alleine nicht viel zu gefährlich, zu langweilig oder zu einsam?

Wir haben drei Frauen gefragt, warum sie sich alleine aufgemacht haben – und was sie dabei gelernt haben.

Finja, 20, hat in Katalonien über die Unabhängigkeitsbewegung recherchiert

"Vor zwei Jahren war ich für fünf Wochen alleine in Spanien unterwegs. Ich habe die Reise mit der ZIS Stiftung finanziert, ein Programm, das Forschungsreisen junger Leute finanziell unterstützt. Mein Projekt ging über die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, deshalb bin ich dort mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen.

Auf einer Reise alleine verlässt man die gewohnte Umgebung und lernt sich selbst in einem anderen Kontext kennen. Meine Freunde kennen mich teilweise schon seit meiner Kindheit. Ich fand es spannend, wie mich fremde Menschen, die ich in Spanien getroffen habe, wahrgenommen haben. Viele haben mir gesagt, wie optimistisch und offen ich rüberkomme. Darüber hatte ich mir davor gar keine Gedanken gemacht.

Alleine Reisen klingt einsamer, als es ist. Wenn ich mich allein gefühlt habe, habe ich eigentlich immer andere Reisende gefunden. Aber was ich sehr geschätzt habe an der Zeit, war eben die Möglichkeit zu entscheiden, ob ich Gesellschaft haben will oder nicht. Und ich habe auch gelernt, besondere Momente für mich selbst zu genießen. Ich habe eine Woche in einem kleinen Dorf bei den Pyrenäen verbracht, 400 Einwohner, das war schon sehr ruhig für mich als Stadtkind. An einem Vormittag bin ich wandern gegangen und hatte eine wunderschöne Aussicht. Dieses Gefühl, alleine über die Welt zu schauen, war unvergesslich.

Mit großem Rucksack und Ukulele nach Spanien

Mit großem Rucksack und Ukulele nach Spanien

Eigentlich gab es nur eine Situation, in der ich mich unwohl gefühlt habe. Ich hatte ein paar Typen auf einem Jahrmarkt kennengelernt, die sich als merkwürdige Gestalten herausstellten. Es ist nichts passiert, aber mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass ich lieber gehen sollte. Bin ich dann auch.

​Jetzt, zwei Jahre später, merke ich, dass die Zeit in Spanien mich selbstbewusster gemacht hat.
Finja

Jetzt, zwei Jahre später, merke ich, dass die Zeit in Spanien mich selbstbewusster gemacht hat. Ich habe kein Problem damit, Leute anzusprechen, entweder es klappt und man versteht sich gut, oder eben nicht.

Und noch etwas habe ich mitgenommen: mein Skizzenbuch. Wenn ich alleine war und einen Moment festhalten wollte, habe ich mir eine Erinnerung gemalt. So kann ich die Erlebnisse teilen, auch wenn niemand anderes dabei war."

flickr / Keith Parker
pixabay.com / ThePixelman
Sascha Quade/Alexander Georgi
giphy
Robert Kugler
Joshua Earle
©Janne Mankinen/500px
Instagram/megthelegend
1/12

Marie, 24, war nach ihrem Studium für drei Monate alleine in Australien

(Bild: Privat)

"Gegen Ende meines Studiums fühlte ich mich in den alltäglichen Strukturen ziemlich festgefahren. Deshalb beschloss ich, eine Auszeit zu nehmen und für drei Monate "Work and Travel" nach Australien zu reisen. Mit meiner Reise wollte ich Ängste überwinden und aus meiner Komfortzone ausbrechen.

Ich hatte Angst vor dem Alleinsein. Ich hatte mir eine Liste im Kopf erstellt mit Dingen, die ich tun könnte, falls ich einmal unterwegs einsam oder in irgendeiner Weise feststecken sollte.

Tatsächlich gab es keine Situation auf meiner Reise, in der ich mir wirklich gewünscht habe, nicht allein zu sein. Nach einer längeren menschen- und partyintensiven Zeit in Sydney war ich sogar froh, als ich alleine weiter gezogen bin. Ich bin von Sydney nach Brisbane geflogen und habe in Rainbow Beach alleine einen Strandspaziergang gemacht, obwohl ich Spaziergänge normalerweise ziemlich öde und ziellos finde.

In der Slideshow: Maries Reise auf Instagram

1/12

Das einzige Mal, dass ich mich einsam gefühlt habe, war in Perth, als ich mit den Leuten im Hostel nicht wirklich in Kontakt gekommen bin. Da habe ich eine Anfrage in eine der zahlreichen Facebook-Backpacker Gruppen geschrieben, ob sich jemand zum Sightseeing treffen will, und wenige Minuten später hatte ich ein paar tolle neue Bekanntschaften. Ansonsten habe ich mich immer überraschen lassen, wer so im Hostel war und mit wem man beim Abendessen ins Gespräch kam.

Ich habe tatsächlich gelernt, mich nicht von Leuten abhängig zu machen.
Marie

Ein zweiter Grund für mein Alleinereisen war auch, endgültig zu beweisen, dass ich selbstständig bin. Als jüngstes von drei Geschwistern bin ich gerade in der Situation, mich von einer überbesorgten Mutter abkoppeln zu müssen. Ich musste also weit weg von zu Hause, wollte mein eigenes Ding, meine eigenen Erfahrungen – ob gut oder schlecht – machen. Und ich habe tatsächlich gelernt, mich nicht von Leuten abhängig zu machen und aktiv zu handeln, wenn ich etwas Bestimmtes möchte. Ich habe es sehr genossen, meine Reisepläne individuell zu gestalten.

Ich glaube nicht, dass ich mich in den drei Monaten großartig verändert habe, aber ich möchte mir auch künftig meine Abenteuerlust beibehalten. Und wenn ich im Alltag mal wieder einer unbequemen Situation aus dem Weg gehen will, dann werde ich mich an meine furchtlose Zeit in Australien zurückerinnern."

Theresa, 22, war alleine in Südafrika unterwegs

"Für mich bedeutet alleine Reisen Freiheit. Man ist auf sich alleine gestellt, kann seine eigene Route einschlagen, begegnet gleichzeitig sehr intensiv sich selbst und anderen Menschen. Alleine Reisen stärkt. Eine intensive Zeit, in der sich viel bewegt, was durch inspirierende Personen und Situationen angeregt wird.

Nachdem ich neun Monate in Uganda bei einem Freiwilligenprojekt gearbeitet habe, bin ich für einen Monat alleine durch Südafrika gereist. Zwei Wochen wollte ich entlang der Garden Route tingeln. In Kapstadt angekommen, bin ich mit meinem großen Rucksack auf dem Rücken durch die Stadt geschlendert auf der Suche nach einem Hostel. Letztendlich bin ich nicht wie geplant nur ein, zwei Nächte, sondern eine Woche dort geblieben.

Einmal war ich auf einer sechsstündigen Busfahrt entlang der Garden Route als einzige Weiße im Bus. Ich musste eingenickt sein, denn als ich aufwachte, hörte ich auf einmal alle um mich herum singen und beten. Warum? Mein Sitznachbar bemerkte meine Verwirrung und klärte mich auf: Eine Frau im Bus befürchtete einen Unfall und hatte die Mitmenschen im Bus gebeten, mit ihr zu beten. Der klapprige Bus fuhr durch die Nacht mit den andächtig singenden Mitfahrern. Was für eine skurrile, schöne Situation.

Auf Reisen ist mir oft das Gute der Menschen begegnet.
Theresa

Dann kamen wir mit viel Verspätung mitten in der Nacht an und ich hatte den Anschlussbus verpasst. Wo konnte ich nun schlafen? Als der Busfahrer fragte, wo er mich rauslassen soll, erklärte ich die Situation. Sofort bot mir eine Frau ein Bett bei ihr an. Ohne mich zu kennen, lud sie mich ein!

Auf Reisen ist mir oft das Gute der Menschen begegnet, fernab von allen Alltagssituationen. Klar gab es Momente, in denen ich mich alleine fühlte, aber die positiven Erfahrungen überwiegen für mich bei weitem."

Und selbst so? Mach den Test, wie urlaubsreif du bist!

Noch mehr Reise-Berichte auf bento:


Fühlen

Dmitrij bloggt darüber, wie es ist, bald zu sterben. Ein Besuch.

04.09.2016, 12:42 · Aktualisiert: 04.09.2016, 12:48

Dmitrij Panov weiß, dass er bald sterben wird. Also zockt der 25-Jährige, so viel er kann, schaut so viele Filme, wie er schafft, und bloggt darüber, wie es ist, bald tot zu sein.