Trip

Warum du endlich aufhören solltest, dich für deinen Cluburlaub zu schämen

05.05.2016, 11:18 · Aktualisiert: 05.05.2016, 14:53

Cluburlaub machen ist wie AfD wählen: peinlich. Beides wird gesellschaftlich geächtet, beides findet trotz aller Gegenbestrebungen genauso statt wie der Konsum von illegalen Drogen und die aktuelle Tour von Guns N' Roses.

Der Cluburlaub, er hat ein Imageproblem

Das Unverständnis gegenüber der niedersten aller Urlaubspraxen ist groß. Wie kann es sein, fragt der Student aus dem Philosophiekurs seine Sitznachbarin Sophie, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich lieber sieben Tage lang auf einer Plastikliege bräunen, statt einen individuell zusammengestellten Trip ins Mekong-Delta zu starten? Schließlich plant die Bildungselite nichts lieber als die nächste Horizonterweiterung.

Das Wichtigste dabei ist die Wahl eines Reiseziels, das noch von niemandem aus dem eigenen Freundeskreis durch Beweisfotos besudelt wurde. Sonst muss man sich noch Tipps geben lassen, für die effiziente Bekämpfung des Reisedurchfalls oder die besten Burgerläden im australischen Hinterland. Mit den anderen Touristen möchte man nichts zu tun haben, es muss sich um einen Irrtum handeln, dass sie zur selben Zeit am selben Ort sind und ihn durch ihre alleinige Anwesenheit seiner Besonderheit berauben.

Cogito ergo sum war gestern, heute reist man, um zu sein.

In den Cluburlaub, so wird fälschlicherweise angenommen, fahren nur Menschen, die zu viel rauchen und Whisky-Cola trinken; die sich Gyrosberge auf die Teller laden, selbst dann, wenn sie schon satt sind; die auch – aber nicht nur deswegen – zu dick sind, weil sie gerne zu McDonald's gehen und nie Sport machen; die nicht einmal wissen, was Stand-up-Paddeln ist und freitagsabends am liebsten Bratwurst auf dem Balkon grillen.

Sie arbeiten in Betrieben, deren Produktivität in Excel-Tabellen gemessen wird und machen Urlaub an den falschen Orten. In Antalya, Cala Millor, Djerba oder Hurghada. Hinter bewachten Mauern treffen sie Tausende Kilometer von zu Hause entfernt auf ihresgleichen, um sich eine Woche lang um freie Liegen zu streiten. Es sind Menschen in rosa Plüschhandtüchern, die montags immer Daniela Katzenberger statt Arte schauen und mit 13 unabsichtlich angefangen haben, ihre Schulbildung zu vernachlässigen.

Der weltoffene Backpacker weiß: Cluburlaub, das ist nur etwas für Versager und Familienväter, die Tobias heißen.

Richtig? Falsch. Cluburlaub, den kann man natürlich schlechtreden, genauso wie das neue Album von Rihanna.

Soweit die Klischees. In Zeiten permanenter Überforderung tut es aber mehr als gut, sein Leben für einen begrenzten Zeitraum an ein mitteleuropäisches Reiseunternehmen abzugeben. Einfach mal ja zu sagen, zu 599 Euro für zehn Tage Strand am Pool, Land egal. Hauptsache warm.

Nichtstun. Lesen. Sex. In genau dieser Reihenfolge.

Manchmal, da fragt man sich, was falsch daran sein soll, an den schönen Sandstränden und halbkreisförmig angeordneten Liegen? An Buffets, die niemals enden und sich wie von selbst wiederbefüllen; an aufwändig gefalteten Handtüchern und Rosen am Bett; an Sonnenuntergängen auf dem Balkon bei einem Glas Wein; am Faulsein, am nicht weiterdenken wollen, am Langweiligsein. Am Entspannen, am Verarbeiten, am bewussten Erholen, das nicht durch siebenstündige Bustouren durch Zentralvietnam unterbrochen wird und Hostels, in denen niemand Englisch spricht.

Endlich ist alles so, wie es sein sollte. Der Garten ist grün; das Bett ist gemacht; das Essen fertig. Wer du bist, interessiert niemanden, es gibt Wassergymnastik und außerhalb des Zimmers nur schlechten WLAN-Empfang. Endlich kann man wieder Nicolas Sparks lesen, ohne das Buchcover zu Hause zu lassen, weil man in der U-Bahn keine mitleidigen Blicke ernten möchte.

Diese Fotos kennt jeder aus dem Cluburlaub

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Der beschränkte räumliche Rahmen zwingt zur Ruhe; es gibt nichts zu sehen und wenig zu erleben; der Körper wird nicht in figurbetonte Unterwäsche gepresst, sondern darf drei Kilo Speck ansetzen. Hier darf man endlich wieder so sein, wie einer, den der Arbeits- und Heiratsmarkt nicht haben will, mit Krampfadern und Cellulite.

Hier muss man nichts wissen und einander nichts beweisen; es reicht, einmal die Woche ins Meer und vier Mal die Woche miteinander ins Bett zu steigen. Der warme Föhn des orientalischen Klimas lässt die Mundwinkel ganz automatisch nach oben wandern, die zweitklassige Jazz-Sängerin und ihre Band tun ihr Übriges.

Cluburlaub macht glücklich, Cluburlaub befreit. Cluburlaub urteilt nicht über dich, Cluburlaub liebt dich für das, was du bist: Ein zahlender Gast, der die Lust am unbeständigen City-Hopping im Eifer der beruflichen und privaten Selbstoptimierung verloren hat.


Musik

Channing Tatum: "Magic Mike" bekommt eine Live-Show

05.05.2016, 11:15

You gotta dance: Wir könnten jetzt darüber philosophieren, dass "Magic Mike" auch ein großartig inszeniertes Sozialdrama war oder dass die Fortsetzung leider im Glitter untergingen. Wir können uns aber auch einfach an die Bauchmuskeln von Channing Tatum erinnern und rufen:

Der Lap Dance geht weiter!

Allerdings nicht im Kino. Denn "Magic Mike" bekommt eine Musical-Adaption – ausgerechnet in Las Vegas. Das hat Mike-Darsteller Channing Tatum jetzt via Facebook verkündet: