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Neues Gesetz: Wie Berliner im Sommer ihre Wohnungen bei Airbnb vermieten

25.07.2016, 09:58 · Aktualisiert: 25.07.2016, 16:20

Endlich Ferien, endlich die Wohnung vermieten – oder nicht?

Endlich ist der Sommer da, sogar das Wetter macht mit. Viele fahren jetzt in den Urlaub und vermieten ihre Wohnung, um ein bisschen Geld reinzuholen. Aber: Darf ich noch bei Airbnb inserieren?

Diese Frage stellen sich zurzeit viele Berliner. Denn seit dem 1. Mai 2016 gilt: Wer weiterhin komplette Ferienwohnungen anbietet, muss mit Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro rechnen – schon allein für ein Inserat.

Grund ist ein Gesetz mit dem bürokratischen Namen "Zweckentfremdungs-Verbot". Das besagt: Wohnungen dürfen nicht mehr leer stehen, abgerissen oder in Büro- oder Gewerberäume umgewandelt werden. Außerdem – und das ist der umstrittenste Punkt – dürfen komplette Appartements nicht mehr als Ferienwohnung genutzt werden. In der Hauptstadt gilt das Verbot eigentlich schon seit 2014, wegen einer zweijährigen Übergangsfrist greift es aber erst jetzt.

Die Stadt setzt auf Nachbarn, um illegale Ferienwohnungen zu finden. Mit einem einfachen Formular kann jeder eine verdächtige Wohnung melden – vollkommen anonym. Auch Organisationen wie der Berliner Mieterverein unterstützen den Aufruf auf ihrer Seite: "Ohne die Mithilfe der Bewohner wird die Verfolgung der Zweckentfremdung ein stumpfes Schwert bleiben".

Innerhalb von nur fünf Wochen meldeten sich bereits 3.000 Leute bei den Behörden, über das Onlineformular der zuständigen Abteilung Stadtentwicklung gingen zusätzlich 1.871 Hinweise ein.


In Berlin werden weiterhin ganze Ferienwohnungen angeboten.

In Berlin werden weiterhin ganze Ferienwohnungen angeboten. (Bild: Screenshot)

Aber keinen Grund zur Panik, das bleibt weiterhin erlaubt:

  • Wohnungstausch ohne Geld
  • Das Untervermieten einzelner Zimmer in der eigenen Wohnung, solange die vermietete Fläche weniger als 50 Prozent der Gesamtfläche ausmacht
  • Längere Untervermietung mit ortsüblicher Miete

In allen anderen Fällen sei das Bezirksamt dafür zuständig, zu prüfen, "wann die Wohnnutzung aufhört und die Zweckentfremdung anfängt".

Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Das zeigt die lange und komplizierte Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auf eine einfache Frage, die viele Airbnb-Anbieter jetzt haben: Was ist, wenn ich auf Reisen bin – darf ich dann weiterhin meine Wohnung untervermieten?

Bei diesen Sachen wird die Senatsverwaltung hellhörig:

  • Wenn man zur Miete noch Geld für Bettwäsche, Internet und Möbel fordert.
  • Wenn die Wohnung für kurze Zeit vermietet wird. Erlaubt ist das nur einmal – und zwar nicht einmal pro Jahr, sondern einmal überhaupt.
  • Wenn die Miete sehr viel teurer ist als der normale Mietzins.

Treffen diese Punkte zu, wird es als Ferienwohnung gesehen, die genehmigt werden müsste.

Mehr Berlin in der bento-Kolumne:

1/7

Wir haben uns bei Berliner Airbnb-Vermietern und Nachbarn umgehört: Was verändert das Verbot? Wer hört auf, seine Wohnung zu vermieten? Wer profitiert? Und wer würde seinen Nachbarn melden?

Juri, 25, Student:

(Bild: Privat)

"Wir wohnen zu dritt in einer WG in Berlin-Mitte und bieten ein Zimmer, das vorher eine große Abstellkammer war, fast das ganze Jahr auf Airbnb an. Das ist zu einem schönen Teil unseres Lebens geworden: Wir hatten in zwei Jahren rund 250 Gäste. Außerdem zahlen wir mit dem Airbnb-Verdienst unsere gesamte Miete.


Da wir selbst in der Wohnung leben und das Zimmer kleiner als 50 Prozent unserer eigenen Mietfläche ist, betrifft uns das neue Gesetz nicht. Für uns fällt dadurch sogar viel Konkurrenz weg.

Für Freunde habe ich hin und wieder die gesamte Wohnung vermietet. Ob wir das weiter machen, weiß ich noch nicht."

Alexander, 29, Energiemanager:

(Bild: Privat)

"In letzter Zeit fühle ich mich, als wäre ich ein Drogenhändler. Dabei liegt das Appartement, das wir vermieten, auf einer Gewerbefläche, die gar nicht als normale Wohnung genutzt werden darf. Aber das Wort 'Ferienwohnung' wird von den Behörden so sehr gehasst – ich glaube nicht, dass wir eine Chance haben. Das ist eine große psychische Belastung.

Trotzdem machen wir weiter. Die Einkünfte aus der Wohnung sind wie ein zweites Gehalt für uns – das wir dringend brauchen. Meine Frau und ich haben zwei sehr kleine Kinder, ich bin gerade erst in meinen Beruf eingestiegen. Von 1500 Euro monatlich können wir nicht leben. Wir wollen nicht den Staat um Hilfe bitten, wir wollen selbst etwas machen. Diese Möglichkeit sollte uns nicht genommen werden."

Marta, 24, Büroangestellte:

(Bild: Privat)

"Ich wohne direkt neben Nachbarn, die in einem Zimmer ihrer Wohnung das ganze Jahr über Gäste unterbringen. Es ist oft laut im Haus und viele Touristen klingeln bei uns, weil sie nicht wissen, welche Tür die richtige ist. Das ist kein großes Problem, kann aber nerven.

Das Verbot und die Möglichkeit für Nachbarn, Ferienwohnungen anonym zu melden, sehe ich von zwei Seiten. Ich finde, Menschen sollten mit ihrer Wohnung tun dürfen, was sie möchten.

Aber es gibt Nachbarn, die immer wieder Ärger mit den wechselnden Gästen haben. Ich finde es gut, dass sie jetzt etwas dagegen tun können. Ich würde zuerst mit den Vermietern selbst und dann mit dem Hausbesitzer reden. Aber in Extremfällen ist es nicht schlecht, dass man dem Amt Bescheid geben kann – und die Nachbarn gezwungen werden, mit Airbnb aufzuhören."

Melissa, 21, Studentin:

(Bild: Annika Leister)

"Wohnungen fehlen in Berlin schon länger, Studenten haben da oft Probleme. Aber das Ferienwohnungs-Verbot betrifft auch Privatleute, die ihre Wohnung während des Urlaubs vermieten oder Studenten, die ein Semester im Ausland verbringen. Das finde ich nicht fair.

Auch dass Nachbarn petzen sollen, finde ich nicht okay. Dadurch wird das Nachbarschaftsverhältnis gestört. Und das ist eh oft kompliziert genug."

Moritz, 25, Student:

(Bild: Annika Leister)

"Ferienwohnungen sind doch praktisch. Ich freue mich auch, wenn ich in Urlaub fahre und eine gute finde. Sie komplett zu verbieten, finde ich nicht nötig. Klar, die Wohnungssuche in Berlin ist mühselig. Aber wenn man sich richtig reinhängt, kann man auch hier in zwei Wochen etwas finden.

Dass Nachbarn Verstöße melden sollen, finde ich grenzwertig. Das erinnert schon stark an Stasi und Spitzeln. Das würde ich selbst auf keinen Fall machen."

Florian, 39, Zirkusartist:

(Bild: Privat)

"Ich bin Artist im Zirkus und bis zu sechs Monate pro Jahr unterwegs. Mal für drei Tage, drei Wochen oder drei Monate. Deswegen könnte ich meine Wohnung gar nicht dem regulären Wohnungsmarkt zur Verfügung stellen, ich lebe ja das halbe Jahr dort. Airbnb war die perfekte Möglichkeit, mein Gehalt aufzubessern. Und jetzt darf ich das nicht mehr!

Ich finde das Verbot populistisch und unsozial. Alle Ferienwohnungs-Betreiber werden über einen Kamm geschert – nur um Druck von den Politikern zu nehmen. Dabei gibt es so große Unterschiede. Und die Nachbarn dürfen einen auf öffentlichen Plattformen anschwärzen, ohne diese Unterschiede auch nur ansatzweise zu kennen; ohne zu wissen, was dahinter steckt."

Mehr zu Airbnb:

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Die sechs wichtigsten News der San Diego Comic Con

25.07.2016, 08:27 · Aktualisiert: 04.12.2016, 11:49

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