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Trip

Airbnb will Gastgeber zu Hoteliers machen – das ist echt eine dumme Idee

15.10.2017, 09:30 · Aktualisiert: 14.10.2017, 18:10

Buche einzigartige Unterkünfte und erlebe die Stadt wie ein Einheimischer
Airbnb

Das verspricht Airbnb auf seiner Webseite. Ganz oben. Doch die Features und Maßnahmen, die Airbnb sich in letzter Zeit ausgedacht hat, legen nahe, dass das Portal aus den "einzigartigen" Wohnungen am liebsten private Minihotels machen möchte.

Beispiel: Airbnb will den Gastgebern jetzt Kredite geben, damit sie ihre Wohnungen besser ausstatten können.

Die Kredite sind Teil eines Programms, das sich "Airbnb Select" nennt. Dazu gehört auch eine Beratung zur Aufhübschung der Wohnung und Hilfe dabei, die zu vermietenden Räume für die Inseratsfotos in Szene zu setzen – oder eben finanziell durch Kredite, die mit den Einnahmen künftiger Buchungen zurückgezahlt werden sollen. (The Guardian)

Airbnb hat sich mal als Alternative zu den unpersönlichen und immer gleich aussehenden Hotelketten verstanden, wollte Touristen in Kontakt mit Einheimischen bringen und versprach so das Durchbrechen der Touristen-Blase und einen authentischeren Eindruck der Stadt. Mit seinen aktuellen Maßnahmen wie "Airbnb Select" zerstört es allerdings nun das eigene Konzept.

Wenn Airbnb den Gastgebern jetzt Interior-Tips geben möchte und deren Wohnungsumgestaltung finanziert, dann torpediert das den individuellen Charakter der Unterkünfte und ihrer Bewohner.

Doch damit nicht genug.

Airbnb kooperiert jetzt auch mit einem US-amerikanischen Immobilien-Unternehmen beim Bau von Apartments, die darauf ausgerichtet sind, über Airbnb teilweise oder komplett vermietet zu werden.

300 Apartments sollen aus der Kooperation mit der "Newgard Development Group" in Florida entstehen und unter der Marke "Niido powered by Airbnb" laufen. Die Mieter dieser Einheiten können ihre Wohnung bis zu 180 Tage im Jahr untervermieten – also fast das halbe Jahr. (Financial Times)

In den letzten Jahren hat Airbnb immer wieder mit verschiedenen Methoden versucht, seinen Gästen immer professionellere Angebote zu machen. Beispielsweise durch die "Entdeckungen"-Funktion, bei denen Gastgeber ihren Gästen Stadttouren und Tips gegen Bares anbieten.

Mehr zu der Funktion kannst du hier lesen:

Rechnet man die ganzen mehr oder minder subtilen Hinweise ein, die Airbnb den Gastgebern auf der Webseite gibt, dann fragt man sich:

Was haben die vor?

Hier sind einige Beispiele:

  • Cohost suchen:

(Bild: bento/ Screenshot)

Ging es bei Airbnb nicht ursprünglich darum, dass man Zeit für seine Gäste hat? Dass man sich mit ihnen austauscht, sich ein wenig kennenlernt, ihnen den Weg zum schönsten Flohmarkt weist? Nun soll man das outsourcen – und sich eben für die Tipps bezahlen lassen.

  • Sofortbuchungen

Airbnb empfiehlt immer die Sofortbuchung. Das heißt: Potenzielle Gäste können – wie bei einer Hotel-Plattform – die gewünschten Daten aussuchen und sofort die Buchung abschließen. Gastgeber müssen die Buchungsanfrage in diesem Fall nicht mehr bestätigen und bekommen sogar Sanktionen aufgebrummt, wenn sie eine Buchung wieder stornieren wollen.

Möchte man die Sofortbuchung ausstellen, muss man diverse Male versichern, dass das ein wohlüberlegter Schritt ist und man ganz sicher ist, dass man diesen auch gehen möchte. Damit hat man weniger Kontroller darüber, wer in der eigenen Wohnung übernachtet, der der persönliche Kontakt vor der Buchung fällt viel geringer aus und Airbnb mutet an wie ein professionelles Online-Hotelbuchungs-Portal.

  • Eigenständiger Check-In

(Bild: bento/Screenshot)


Elektroschlösser, Codeschlösser, Tresore, Pförtner... bloß kein persönliches Treffen, bitte.

Achso, doch, da steht's ja. Unter "Andere" Optionen.

(Bild: bento/Screenshot)

Airbnb hat außerdem eine Reihe von Tipps veröffentlicht, um mehr Gäste anzulocken, wie etwa diese hier:

  • "Zeige Persönlichkeit, aber keine persönlichen Gegenstände"
    (Es wird empfohlen, persönliche Bilder von den Wänden zu nehmen und stattdessen mit "lokaler Kunst" zu überzeugen.)
  • "Lerne von Hotel-Badezimmern – aber mach es noch besser"
    (Man soll alle Produkte wegräumen, außer die, die eine schöne Verpackung haben. Handtücher sollen aufgerollt in einem Korb neben der Dusche liegen.)
  • "Stell irgendwo mindestens einen verschrobenen Gegenstand hin"
    (Was wiederum dazu dienen soll, seiner Wohnung einen eigenen Charakter zu geben.)

Geht es hier überhaupt noch darum, dass Menschen ihre Türen für Gäste öffnen, um einen persönlichen Austausch, um Gastfreundschaft? Nein.

Es geht um möglichst einfache Buchungsprozesse, schnelle logistische Abwicklung und das Bereitstellen professioneller und steriler Räumlichkeiten mit einem gefakten Hipsterflair. So war das nicht abgemacht.

Airbnb verkauft sich als etwas, das es schon lange nicht mehr ist.


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