Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

06.04.2018, 16:36

Hersteller von Softdrinks mit besonders viel Zucker müssen in Großbritannien ab sofort eine Abgabe an den Staat zahlen – bis zu 28 Cent pro verkauften Liter. Die Einnahmen sollen im ersten Jahr rund 300 Millionen Euro betragen und in den Schulsport und gesundes Frühstück in der Schule gehen. (ZDF heute)

Warum wurde die Abgabe eingeführt?

In Großbritannien ist mehr als die Hälfte aller Erwachsenen übergewichtig. Bei den Kindern zwischen zwei und 15 ist es fast ein Drittel, Tendenz steigend. Der Zuckerkonsum ist über alle alle Altersgruppen hinweg über der empfohlenen Menge, bei Teenagern ist er besonders hoch – dreimal mehr als empfohlen. Rund ein Viertel davon kommt allein durch Softdrinks.

Den Nationalen Gesundheitsdienst NHS kostet die Fettleibigkeit und die damit verbundene Diabetes vom Typ 2 nach Angaben des Gesundheitsministeriums jedes Jahr etwa 6,9 Milliarden Euro.

Welche Getränke sind betroffen?

Bei Getränken mit mehr als fünf Gramm zugesetztem Zucker pro 100 Milliliter fällt eine Abgabe von 21 Cent pro Liter an. Bei besonders süßen Getränken mit mehr als acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter sind es 28 Cent pro Liter. Fruchtsäfte mit ihrem natürlichem Fruchtzucker sind ausgenommen, auch Joghurt- und Milchdrinks werden nicht extra besteuert. (ZDF heute)

Wie haben die Hersteller reagiert?

Tatsächlich scheint die Abgabe bereits Wirkung gezeigt zu haben: Rund die Hälfte der Hersteller haben den Zuckergehalt ihrer Getränke schon reduziert, um der Steuer zu entgehen. So enthält beispielsweise Sprite in Großbritannien jetzt die Hälfte weniger Zucker, bei Fanta ist es rund ein Drittel weniger. Wer auf die klassische Coca-Cola steht, muss dafür jetzt jedoch deutlich mehr bezahlen: Statt 1,75 Liter erhält man jetzt nur noch 1,5 Liter – und das bei einem um 23 Cent gestiegenen Preis. (BBC)

Bringt die Abgabe wirklich etwas?

In einigen Ländern wie Mexiko oder Ungarn gibt es bereits eine Steuer auf Süßgetränke, doch welche Effekte die Abgabe auf den Konsum hatte, ist noch nicht abschließend geklärt. Fest steht jedoch, dass die Absatzzahlen der besteuerten Getränke seitdem gesunken ist. Ob sich die Menschen dort seit Einführung der Steuer auch grundsätzlich gesünder ernähren, ist allerdings noch nicht erwiesen. (tagesschau.de)

Wohl auch wegen der bereits erfolgten Reduzierung des Zuckergehalts vonseiten der Hersteller wurden die erwarteten Einnahmen aus der Zuckersteuer bereits deutlich zurückgeschraubt: Ursprünglich ging die britsche Regierung von rund 600 Millionen Euro aus, nach neuen Berechnungen sind es jetzt nur noch 300 Millionen.

Kommt die Zuckersteuer jetzt auch nach Deutschland?

Erst am Mittwoch hat die Verbraucherorganisation Foodwatch in Berlin den "Coca-Cola-Report" vorgestellt. Darin beschreibt Foodwatch, wie der Getränkehersteller gezielt sein Marketing auf Kinder und Jugendliche ausrichtet, indem er dafür YouTube- und Instagram-Stars verpflichtet. Auch die Mitverantwortung an Fettleibigkeit und Diabetes wirft die Organisation Coca-Cola vor. Foodwatch fordert eine Sonderabgabe auf Zucker, ebenso die Weltgesundheitsorganisation WHO, die eine Steuer von 20 Prozent auf Süßgetränke empfiehlt.

Pläne für eine eine entsprechende Abgabe gibt es für Deutschland bisher jedoch nicht. Lediglich eine "verständliche und vergleichbare Lebensmittelkennzeichnung" soll laut Koalitionsvertrag von Union und SPD erarbeitet werden. Vielleicht bringt jedoch allein die Diskussion um eine Steuer bereits etwas: Kürzlich kündigten die Supermarktketten Lidl und Rewe an, den Zuckergehalt bei Produkten ihrer Eigenmarken freiwillig reduzieren zu wollen. (Handelsblatt)

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