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27.02.2018, 15:26 · Aktualisiert: 27.02.2018, 18:20

Wer sich nach draußen wagt, trägt zur Zeit am besten drei Paar Socken, Thermo-Unterwäsche und hat den Schal bis unter die Augen gezogen. Es ist verdammt kalt in Deutschland. Aber egal, wie gut man sich über die anstehenden Temperaturen informiert - trotzdem ist man scheinbar immer falsch angezogen.

Denn die Temperatur, die uns Handy-Apps und Wetterdienste voraussagen, ist nicht das, was unser Körper wahrnimmt. Die gefühlte Temperatur - und die liegt häufig einige Grade unter den Vorhersagen.

(Bild: Giphy)

Wir haben mit dem Diplom-Meteorologen Sebastian Wache gesprochen.

Diplom-Meteorologe Sebastian Wache

Diplom-Meteorologe Sebastian Wache (Bild: WetterWelt)

Er hat uns erklärt, warum wir von gefühlter Temperatur sprechen – und ab wann Minusgrade tatsächlich gefährlich werden können.

Unser Körper reagiere auf drei Faktoren, sagt Wache: Wind, Sonne und Luftfeuchtigkeit. Alle beeinflussen, ob wir frieren oder schwitzen. Die Lufttemperatur draußen ist damit nur der Ausgangspunkt für unsere gefühlte Temperatur.

"Besonders Wind kann dann dafür sorgen, dass unsere gefühlte Temperatur stark von der Außentemperatur abweicht", erklärt Wache.

Meteorologen sprechen vom "Windchill Effekt": Unsere Haut ist wärmer als die Außentemperatur, der Wind transportiert diese Wärme von unserem Körper weg. Dabei erhöht sich auch die Verdunstung auf unserer Haut, was wir als kalt empfinden.

Bei einer Lufttemperatur von -3 Grad und einer Windgeschwindigkeit von 15 km/h, fühlt sich die Temperatur für unseren Körper durch den Windchill Effekt eher wie -10 Grad an.

"Den Effekt können wir auch beobachten, wenn wir aus der warmen Dusche ins kalte Badezimmer steigen", erläutert der Meteorologe.

Die Differenz zwischen tatsächlicher und gefühlter Temperatur kann also 10 bis 20 Grad betragen.

Das könne man auch in den nächsten Tagen sehr gut spüren, sagt Wache. "Wenn die Temperaturen nachts auf -15 Grad sinken, kann sich das schnell auch mal anfühlen wie -25. Und das wird dann schon unangenehm."

Ab wann werden die Minus-Grade gefährlich?

Der thermische Gefahrenindex vom deutschen Wetterdienst stuft die "gesundheitliche Gefährdung aufgrund von Kältestress" in den nächsten Tagen als "mittel" ein. Für den menschlichen Körper sind diese Temperaturen noch nicht lebensbedrohlich. Als "hoch" wir die gesundheitliche Gefährdung erst ab - 26 Grad eingestuft.

Denn Kleidung, klar, ist der beste Schutz vor krassen Temperaturen.

"Warme Klamotten machen es ja auch möglich, dass Menschen unter harten Bedingungen zum Beispiel auch an der Arktis überleben." sagt Wache.

(Bild: Giphy)

Bei extremen Minusgraden empfiehlt er das Zwiebelprinzip: "So können sich zwischen den Klamotten-Schichten auch Schichten aus Luft bilden, die sich erwärmen und dafür sorgen, dass der Körper langsamer abkühlt."

Außerdem rät er, beim nächsten Blick auf die Wetter-App besonders auf die Windstärke zu achten. Je stärker der Wind, desto eher lohne es sich, ein dickes Paar Wollsocken überzuziehen und auch die Ohren zu schützen. "Die lange Unterhose unter der Stoffhose kann man im Büro ja auch wieder ausziehen."


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Böhmermann und Erdogan streiten erneut vor Gericht

27.02.2018, 15:12 · Aktualisiert: 27.02.2018, 15:12

Der Prozess um das Gedicht des Fernsehmoderators geht weiter.

Seit knapp zwei Jahren liegt der TV-Satiriker Jan Böhmermann mit dem türkischen Präsidenten im Clinch. Jetzt gibt es eine Fortsetzung vor dem Oberlandesgericht Hamburg. Worum es geht.

Eines steht bereits fest: Am Dienstag wollen weder TV-Satiriker Jan Böhmermann noch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach Hamburg reisen. Wenn es vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht um ihren Streit geht, der im Frühjahr 2016 eine diplomatische Krise auslöste, werden sich beide von ihren Anwälten vertreten lassen.

Böhmermann trug damals in seiner Sendung ein Gedicht vor, das Erdogan als zutiefst beleidigend empfindet. Der Staatsmann, der im eigenen Land missliebige Kritiker ins Gefängnis werfen lässt, will Böhmermann das Gedicht komplett verbieten lassen.

Das Landgericht Hamburg fällte im vorigen Jahr ein salomonisches Urteil, das beide Seiten nicht hinnehmen wollen. Nun muss die nächste Instanz entscheiden. Die Fakten.