Bild: dpa/Michael Kappeler

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Geht doch! Emmanuel Macron schlägt Marine Le Pen

07.05.2017, 20:02 · Aktualisiert: 08.05.2017, 11:57

Vive l'Europe!

Emmanuel Macron hat die Stichwahl um die französische Präsidentschaft gewonnen. Das geht aus dem vorläufige Endergebnis hervor: Macron, Kopf der Bewegung "En Marche!", bekam demnach 66,10 Prozent der gültigen Stimmen, seine Konkurrentin Marine Le Pen 33,90 Prozent. ("Le Monde", detaillierte Ergebnisse hat das französische Innenministerium; beides auf Französisch)

Damit haben sich die Franzosen für Europa entschieden, für Weltoffenheit und Toleranz – und für wirtschaftliche Reformen.

Die Hochrechnungen in Frankreich

In vielen Ländern werden an Wahltagen zunächst Prognosen veröffentlicht, Grundlage sind sogenannte Nachwahlbefragungen. In Frankreich dagegen gibt es bereits um 20 Uhr erste Hochrechnungen, die auf tatsächlichen Auszählungen beruhen: Meinungsforscher bestimmen etwa 200 Wahllokale, die schon um 19 Uhr schließen und möglichst repräsentativ sind. Dort werden dann Stimmen ausgezählt und mithilfe eines Computerprogramms auf das ganze Land hochgerechnet. Es handelt sich allerdings noch nicht um das offizielle Ergebnis. ("The Guardian")

Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 75 Prozent und damit niedriger als bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2012; damals stimmten in der zweiten Runde etwa 80 Prozent ab. Etwa 25 Prozent haben sich diesmal also enthalten – laut "Le Monde" ein Rekord für einen zweiten Wahlgang seit 1969. Es sei auch das erste Mal seit 1969, dass die Wahlbeteiligung in der zweiten Runde niedriger war als in der ersten.

Außerdem gaben mehr als acht Prozent der registrierten Wähler einen leeren (vote blanc) oder ungültigen Stimmzettel (vote nul) ab – ebenfalls ein Rekord ("Le Monde"). Beide werden zwar in die Wahlbeteiligung einberechnet, haben aber keinen Einfluss auf das Wahlergebnis: Die Stimmanteile der beiden Kandidaten werden nur auf Basis der gültigen Stimmen, der "suffrage exprimé", berechnet.

Addiert man die leeren und ungültigen Stimmzettel zur Enthaltung, erhält man einen Wert von mehr als 33 Prozent – ein Drittel der französischen Wähler hat also für keinen der beiden Kandidaten gestimmt. 

Würden die votes blancs und die votes nuls berücksichtigt, käme Macron auf etwa 58,5 Prozent der Stimmen und damit immer noch auf die notwendige absolute Mehrheit.

Schon vor der Stichwahl hatten zahlreiche Franzosen angekündigt, aus Protest einen leeren Stimmzettel abzugeben oder ganz zu Hause zu bleiben. Insbesondere die Anhänger des Linken Jean-Luc Mélenchon sagten, sie könnten sich weder mit Le Pen noch mit Macron identifizieren. Mélenchon war in der ersten Wahlrunde am 23. April knapp gescheitert (bento).

In vielen deutschen Städten – und auch in anderen EU-Ländern – waren am Sonntagnachmittag wieder Hunderte Menschen für ein vereintes Europa auf die Straße gegangen. Die Kundgebungen der Bewegung "Pulse of Europe" waren auch als Signal an Frankreich gedacht, der Tenor: Bleibt bei uns!

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Die Reaktionen:

Die Anhänger von Emmanuel Macron feiern auf dem Platz vor dem Louvre – mit der Tricolore, aber auch mit einigen Europaflaggen.

Marine Le Pen sprach schon wenige Minuten nach Veröffentlichung des Ergebnisses. Sie sagte, die Franzosen hätten "für die Kontinuität" gestimmt. Der Front National habe ein "historisches" Ergebnis eingefahren; er sei jetzt die erste oppositionelle Kraft. Sie sprach auch davon, dass sich der FN erneuern müsse – und davon, eine "neue politische Kraft" zu gründen. ("Le Monde")

Emmanuel Macron sprach um kurz nach 21 Uhr. Er bedankte sich bei seinen Wählern; ihr Präsident zu sein sei eine "große Ehre" und eine "große Verantwortung". Außerdem sandte er "einen republikanischen Gruß" an seine Gegnerin – und sagte, er kenne die Spaltungen der französischen Nation, die einige dazu gebracht hätten, extrem zu wählen. Er versprach, alle Formen der Ungleichheit zu bekämpfen. "Ich werde mich von keinem Hindernis aufhalten lassen."

Was ist sonst noch wichtig?

  • Kurz vor dem entscheidenden Wahlgang hatte es in Frankreich ein großes Datenleak gegeben: Macrons Bewegung "En Marche!" meldete in der Nacht zum Samstag, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein. In den sozialen Netzwerken seien interne Informationen sowie gefälschte Dokumente verbreitet worden. (Pressemitteilung von "En Marche!")

    Allerdings konnten weder Macron noch Le Pen auf #MacronLeaks reagieren: In Frankreich endet der Wahlkampf traditionell einen Tag vor der Wahl, danach ist jede Form der Parteienwerbung gesetzlich untersagt. Inwiefern das Leak den Wahlausgang beeinflusst hat, ist deshalb unklar.

  • Nach wiederholten Terroranschlägen befindet sich Frankreich immer noch im Ausnahmezustand. Die Wahl am Sonntag sicherten mehr als 50.000 Polizisten. Am Nachmittag wurden der Vorplatz des Pariser Louvre sowie ein Raum im Inneren des Museums kurzzeitig geräumt, Grund war eine verdächtige Tasche. Emmanuel Macron hatte angekündigt, dort feiern zu wollen. (SPIEGEL ONLINE)
  • Einige Franzosen wählten schon am Samstag – zum Beispiel diejenigen, die auf dem amerikanischen Kontinent oder in den Überseegebieten leben. Sie stimmten mehrheitlich für Macron. In Frankreich selbst schlossen die meisten Wahllokale um 19 Uhr, in großen Städten auch erst um 20 Uhr.

Die endgültigen Ergebnisse werden am Montagmorgen feststehen.


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Triff bento auf der re:publica

07.05.2017, 19:42 · Aktualisiert: 08.05.2017, 08:11

Montag, Dienstag, Mittwoch

Es ist re:publica in Berlin – und wir sind dabei! Am Montag und Dienstag könnt ihr Hanna Zobel treffen, wenn sie nicht gerade in einer der zahlreichen Sessions steckt oder ein Interview führt.

Am Mittwoch stehen wir dann selbst auf der Bühne. Katharina Hölter diskutiert um 12.30 auf Stage 6 über News und Politik. Im Anschluss daran um 13.45 Uhr erzählen Julia Rieke und ich mehr über unsere Arbeit bei bento. Streng genommen finden beide Sessions auf der Media Convention statt, aber die re:publica-Eintrittskarte gilt auch dafür.