Bild: Screenshot/SDS Leipzig

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Leipziger Studierende stoppen Vorlesung eines rassistischen Profs

17.11.2017, 08:59 · Aktualisiert: 22.11.2017, 11:42

Das Rauschen wird lauter: Schon seit Monaten diskutieren viele Leipziger Jurastudis über die offen rassistischen Ansichten ihres Professors für Internationales Privatrecht und Bürgerliches Recht. Doch lange Zeit passierte wenig, wenn Professor Thomas Rauscher auf Twitter wieder einmal über die "Angst des weißen Mannes" und den angeblich drohenden Untergang Europas schwadronierte.

Doch am Donnerstag war es dann zu viel. Mehrere Studentinnen und Studenten stoppten Rauschers Übung und konfrontierten den Juristen unter Applaus mit seinen eigenen Botschaften im Internet:

Rauscher rausch ab! Heute sollten unsere Kommiliton*innen der juristischen Fakultät ein bisschen mehr darüber erfahren, was ihr Prof in seiner Freizeit für rassistischen und völkischen Müll von sich gibt. Zum Anfang der Vorlesung wurden seine neuesten Tweets von seinem mittlerweile inaktiven Twitteraccount an die Wand geworfen und Flyer mit den "Highlights" der letzten Jahre verteilt. Und weil er sonst so viel reden darf, haben wir uns auch mal erlaubt, das Mikro in Beschlag zu nehmen:

Posted by SDS Leipzig on Thursday, November 16, 2017


Aufgezeichnet wurde das wackelige Video von Studierenden des SDS, einer linken Hochschulgruppe. Längst sind die Äußerungen Rauschers zum Politikum an der Uni geworden. Rauscher reagierte auf den Protest im Hörsaal auf seine eigene Art – und verglich die Kritik der Studierenden mit Methoden der Sowjetunion.

Was sagt Rauscher?

Anlass für den Tumult der letzten Tage waren mehrere Tweets, die Rauscher Anfang der Woche abgesetzt hatte. Darin bezeichnete er ein "weißes Europa" als wunderbares Ziel und begrüßte eine Großkundgebung von 60.000 Nationalisten und Rechtsextremen in Polen. Die Veranstaltung war davor vor allem in den Schlagzeilen, weil einige Teilnehmer antisemitische Parolen gebrüllt hatten.

In einem weiteren Tweet schrieb Rauscher "Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts" und beklagte einen angeblichen "Schlendrian" und "ungehemmte Vermehrung" in Afrika. Weiter hieß es: "Sie [...] nehmen uns weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben".

Wie reagiert die Uni?

Inzwischen hat auch die Universität Leipzig – nach relativ langer Pause – auf die Äußerungen ihres Professors reagiert. Jetzt sollen dienstliche Schritte geprüft werden. Wirklich viel befürchten muss Rauscher dabei aber nicht – er ist seit 24 Jahren verbeamteter Professor. Schon im vergangenen Jahr hatten die Tweets des Juristen für Schlagzeilen gesorgt. Nach seinem bekannten Tweet "Je suis Pegida" sah sich Rektorin Schücking genötigt, in einem Statement die Weltoffenheit ihrer Universität zu verteidigen. (Uni Leipzig)

Sachsens Kultusministerin Stange (SPD) wählte den kurzen Dienstweg und zeigte Rauscher gleich auf Twitter, was sie von seinen Äußerungen hält:

Wie geht es jetzt weiter?

Mittlerweile hat offenbar auch Rauscher gemerkt, dass die Luft für ihn dünner wird. Kurz nach den Protesten gegen seine Äußerungen löschte er seinen Twitter-Account, natürlich nicht ohne sich als Opfer einer angeblichen Kampagne darzustellen. Bis die Uni Konsequenzen zieht, könnte es aber noch dauern.

Einer der Beteiligten, die Rauschers Übung am Donnerstag stoppten, hatte deshalb eine andere Idee. Als Rauscher ihn zum Gehen aufforderte, appellierte er an seine Kommilitonen: "Entziehen wir ihm an der Uni die Bühne – damit er mit seinem Lehrstuhl wie mit seinem Twitteraccount verfährt."

Update: In einer vorherigen Version des Artikels wurden Details eines CNN-Berichts zur Demonstration in Warschau übernommen, die offenbar von einer früheren Kundgebung stammten. CNN hat die Darstellung inzwischen korrigiert und wir haben den Artikel entsprechend angepasst.

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Republikaner segnen Trumps Steuerreform ab, sie hilft fast nur den Reichen

17.11.2017, 08:00 · Aktualisiert: 21.11.2017, 16:27

Die von US-Präsident Donald Trump angestrebte Steuerreform ist im Repräsentantenhaus mit großer Mehrheit verabschiedet worden. Erwartungsgemäß haben alle Demokraten gegen die Pläne Trumps gestimmt – auch mindestens 13 Republikaner verweigerten der Reform ihre Stimme. Nun geht der Gesetzentwurf an den Senat.