Today

Wenn Donald Trump jetzt ein Loser ist, wer wird dann Präsident?

02.02.2016, 17:29 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Kurz erklärt: die vier wichtigsten Kandidaten

Nicht Donald Trump, sondern Ted Cruz hat nun also die ersten Vorwahlen bei den Republikanern in Iowa für sich entschieden. Dabei ist er überhaupt nicht die weniger radikale Alternative zu Trump! Und entschieden ist das Rennen sowieso noch nicht. Die Vorwahlen in den Bundesstaaten haben gerade erst begonnen – bis zum November kann noch viel passieren. Auch für Trump ist es noch nicht vorbei.

(Bild: dpa/Jim Lo Scalzo)

Wer ist Ted Cruz?

  • Seine Positionen

Cruz ist erzkonservativ. Der 45-Jährige lehnt Abtreibungen ab, ebenso wie die Homo-Ehe. Für Cruz steht die Bibel an erster Stelle, er ist extrem marktliberal und skeptisch gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Cruz setzt sich eifrig gegen Einwanderung ein. Ebenso wie Trump ist er für eine starke Sicherung der Grenze. Der hatte unter anderem gefordert, die rund elf Millionen illegal in die USA Eingewanderten aus dem Land zu schaffen und eine Mauer zu Mexiko zu bauen. (SPIEGEL ONLINE)

Ginge es nach Cruz, würde er Obamas Gesundheitsversicherung verbieten und Geld für eine starke Armee im Kampf gegen den internationalen Terrorismus ausgeben.

Hier sind seine Schwerpunkte, mit denen er im aktuellen Wahlkampf punkten will.

  • Seine Anhänger

Analysen zeigen, welche republikanischen Wähler sich dem Cruz-Lager zuordnen: Es sind vor allem Unterstützer der erzkonservativen Strömung der Tea-Party, Evangelikale und diese, die sich selbst als sehr konservativ beschreiben. Diese Gruppen seien ihm äußerst treu. (New York Times)

In der eigenen Parteiführung ist Cruz umstritten. Seit er Senator in Texas ist, kämpft er gegen die eigene Spitze, die ihm eine zu weiche Politik macht. (SPIEGEL ONLINE)

  • Seine Karriere

Cruz studierte Jura an der Harvard Law School, arbeitete als Rechtsreferendar am Obersten Gerichtshof der USA und wurde später Partner in einer texanischen Anwaltskanzlei. Seit 2012 sitzt er im Senat.

Die "Süddeutsche" bezeichnete ihn als "messerscharfen Redner", aber auch als "hemmungslosen Egoist". Für große Aufmerksamkeit sorgte Cruz' mehr als mehr als 21-stündige Rede gegen die Gesundheitsreform. Dort las er zwischendurch aus einem Kinderbuch vor.

(Bild: epa/ Larry W Smith)

Wer ist Bernie Sanders?

  • Seine Positionen

Der bereits 74-Jährige selbst bezeichnet sich als "demokratischen Sozialist". In Deutschland würde er vermutlich am ehesten mit den Vorstellungen der Linkspartei übereinstimmen. 

Sanders wichtigstes Thema ist die Bekämpfung der Kluft zwischen Arm und Reich. Seine zentrale These: Die USA sind die reichste Nation der Weltgeschichte, und einige wenige Individuen kontrollieren beinahe den gesamten Reichtum. Er werde der "Klasse der Milliardäre" klar machen, dass sie nicht alles haben könne. Sanders will beispielsweise den Bankensektor stärker besteuern, verlangt radikalen Klimaschutz und will ein Infrastruktur- und Job-Programm durchsetzen.

Ein zentraler Punkt seines Wahlkampfes ist auch die Gleichstellung zwischen Frau und Mann. Sanders vertritt auch eine klare Meinung zum Thema Abtreibung: "The decision about abortion must remain a decision for the woman and her doctor to make, not the government."

  • Seine Anhänger

Sanders orientiere sich vor allem am Interesse der Arbeiter, sagt Politikwissenschaftler Garrison Nelson von der Universität von Vermont. Deshalb hat er auch dort eine breite Anhängerschaft. Vor allem junge Wähler begeistern sich für Sanders. Auch weil er die Abschaffung von Studiengebühren an staatlichen Universitäten und eine allgemeine Krankenversicherung fordert. 

Auch zahlreiche Prominente stehen hinter dem 74-Jährigen. Darunter die Schauspieler Danny DeVito, Daniel Craig und der Rapper "Killer Mike".

  • Seine Karriere

Bernie Sanders studierte Anfang der sechziger Jahre Politikwissenschaft an der Universität in Chicago. Von 1981 bis 1989 war Sanders Bürgermeister in Burlington im Bundesstaat Vermont. Genau dort gab er auch seinen Wahlkampfauftakt. (New York Times) Seit 2007 vertritt er Vermont im US-Senat.

(Bild: dpa/John Taggart)

Wer ist Donald J. Trump?

  • Seine Positionen

Ein richtiges Programm hat Donald J. Trump bislang nicht. Zu seiner außenpolitischen Expertise befragt, antwortete er: "Well, I watch the shows." Ansonsten veröffentlichte er ein Wahlkampfvideo, in dem er versprach, der Terrormiliz "Islamischer Staat" in den Arsch zu treten. Die Amerikaner schwört er darauf ein, sich "ihr Land zurückzuerobern".

Vor allem innenpolitisch hat Trump sich bei seinen Auftritten ein Profil als Hardliner verschrien. Trump will Muslimen die Einreise verbieten, "until our country's representatives can figure out what is going on" und hält die globale Erwärmung für eine Lüge. Auf seiner Wahlkampf-Homepage sammelt er nun Stück für Stück die wichtigsten Aussagen. Zum Beispiel:

  • Die USA brauchen eine Mauer gen Mexiko und Mexiko soll den Bau bezahlen.
  • Amerikanische Firmen sollen weniger in China produzieren.
  • Das Recht, Waffen zu tragen, soll verstärkt werden.

  • Seine Anhänger

Der Slogan "Make America great again", Trumps zentrales Wahlkampfmotiv, greift bei vielen: Trump spricht Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten genau an wie die Reichen im Land. Im Grunde folgt ihm jeder, der das diffuse Gefühl hat, die USA sei eine Nation kurz vor dem wirtschaftlichen wie politischen Ruin. So verschafft er sich vor allem unter Rechtspopulisten Zulauf, allzu christliche Amerikaner sind vom lautmalerischen Trump bislang eher verschreckt. 

  • Seine Karriere

Donald J. Trump ist Spross einer Milliardärsfamilie. Sein Vater Frederick war Immobilien-Tycoon und holte den Sohn ins Geschäft. Mit den Geldspritzen des Vaters realisierte Trump mehrere Bau- und Hotelprojekte – und stand trotzdem mehrmals fast vor dem Ruin. (SPIEGEL)

Aus dem Immobiliengeschäft ging Trump ins Fernsehen: Insgesamt mimte er in 14 Staffeln den Oberboss der Serie "The Apprentice", in der ein Azubi für eine Stelle im Trump-Unternehmen gesucht wird. Seine überraschende Kandidatur für das US-Präsidentenamt verkündete Trump im Sommer 2015.

(Bild: dpa/John Taggart)

Wer ist Hillary Clinton?

  • Ihre Positionen

Hillary Clinton ist eine starke Verfechterin von individuellen Freiheiten: Sie spricht sich für die Home-Ehe und für das Recht auf Abtreibung aus. Reiche will sie stärker besteuern, Arbeiter sollen entlastet werden. In Sachen Gesundheit und Nachhaltigkeit will sie den Kurs von Noch-Präsident Barack Obama fortführen.

Mit all diesen Positionen hebt sie sich nicht von anderen Demokraten ab. Als Alleinstellungsmerkmal sieht Clinton daher ihr Engagement als Frauenrechtlerin. Schon in den Neunzigern waren für sie Frauenrechte "gleichbedeutend mit Menschenrechten". Im Wahlkampf fordert sie gleiche Löhne für Frauen, bessere Kinderunterstützung und Aufklärungsprogramme gegen Vergewaltigungen an Schulen und Colleges. 

Hier sind ihre Schwerpunkte, mit denen sie im aktuellen Wahlkampf punkten will.

  • Ihre Anhänger

Clinton schöpft vor allem aus der amerikanischen Mittelschicht Unterstützung – gerade als Frauenrechtlerin wird sie von Arbeiterinnen und auch in der LGBT-Szene gefeiert. Bei schwarzen und spanisch-stämmigen Wählern punktet Clinton ebenfalls. Die "New York Times" als renommierteste Zeitung der USA sprach sich offen für Clinton aus. Kritiker werfen ihr allerdings vor, schon zu lange zum politischen Establishment zu gehören – und das sei vor allem weiß und wohlhabend. 

  • Ihre Karriere

Hillary Clinton dürfte vielen zunächst durch ihren Nachnamen bekannt zu sein: Als Frau von Ex-Präsident Bill Clinton wohnte sie schon einmal im Weißen Haus. Tatsächlich ist die 68-Jährige allerdings mehr als nur eine ehemalige First Lady: Unter Obama war sie von 2009 bis 2013 Außenministerin. Die neun Jahre zuvor saß Clinton für den Bundesstaat New York im US-Senat. 

Als Außenministerin bereiste sie so viele Länder wie noch nie ein Amtsträger zuvor, ganze 112. In den USA wurde sie in einer Umfrage so zur beliebtesten Politikerin. In der Kritik steht sie, weil sie während ihrer Amtszeit private E-Mails genutzt und darüber auch Staatsgeheimnisse ausgetauscht hat. (SPIEGEL ONLINE)