Bild: dpa / bento

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Sixt will, dass wir uns über ihre sexistische Werbung aufregen

06.09.2017, 11:30 · Aktualisiert: 06.09.2017, 12:23

Der Autovermieter Sixt hat eine sexistische Werbung veröffentlicht. Darin zu sehen: Frauen im Bikini von hinten. Als zum ersten Mal eine dicke Frau zu sehen ist, wird das Wort "Pfui" eingeblendet.

Die ersten Reaktionen fallen völlig erwartbar negativ aus:

Aber: Die Reaktionen auf das Video sind einkalkuliert.

Werbefirmen versuchen immer wieder gezielt, mit polarisierenden Aussagen mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Es werden offensichtlich sexistische Bilder gezeigt, in einem vermeintlich ironischem Kontext. Mit einem Augenzwinkern, das sagen soll: Wir wissen schon, dass das Müll ist.

Wir verlinken die Werbung deswegen nicht – und zeigen als Foto für diesen Beitrag den Sixt-Chef Erich Sixt. Pfui! Wir berichten trotzdem, weil wir auf den Mechanismus aufmerksam machen wollen:

Der Marketingprofessor und PR-Experte Olaf Hoffjann hat mit uns über Shitstorms als billige Werbemaßnahme gesprochen. (bento)

Herr Hoffjahn, sind Shitstorms gar nichts Schlechtes für ein Unternehmen?

"Es ist immer eine Gratwanderung. Provokation in der Werbung und die kalkulierten Reaktionen darauf sind auf jeden Fall nichts Neues. Das ist nicht immer, aber schon sehr oft, kalkuliert. Ein Negativbeispiel ist Pepsi, die mit den Reaktionen so wohl in keiner Weise gerechnet haben (mehr zum Fall bei bento).

Wo das Polarisieren lange Zeit funktioniert hat, ist Benetton. Deren Schock-Werbekampagnen sorgten in den Neunzigern für heftige Reaktionen – aber vor allem bei Nichtkunden. Kunden hingegen konnten sich damit identifizieren. Das Unternehmen wollte aber auch gesellschaftliche Statements setzen und hat die Provokation mit einer Botschaft verbunden."

Also soll Werbung nur bei bestimmten Gruppen Empörung hervorrufen? Damit andere dann auf das Produkt aufmerksam werden?

"Das ist zumindest die Wunschvorstellung, ja. Wenn das funktioniert, kann man nämlich mit sehr wenig Geld viel Aufmerksamkeit bekommen, auch in den Medien. Manchmal reicht da schon ein einziges Plakat. Nur ist das sehr schwer zu steuern. Es muss auf jeden Fall zum Image der Firma passen."

Ist das nicht gefährlich?

"Wenn die eigenen Kunden darüber Lachen und einen Scherz erkennen, hat man kein Problem. Im schlimmsten Fall kann man aber Kunden verlieren."

Was wohl hier der Fall sein dürfte:


Gerechtigkeit

EU-Gericht zwingt Ungarn und die Slowakei, Flüchtlingen zu helfen

06.09.2017, 10:59

Ungarn und die Slowakei müssen Flüchtlinge aufnehmen – so wie andere EU-Staaten auch. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Mittwoch festgelegt. Das Urteil folgte auf eine Klage der ungarischen und slowakischen Regierungen. Sie hatten gegen die Umverteilung von Flüchtlingen in der Europäischen Union (EU) geklagt.

Der EuGH sagt nun: Die beschlossene Aufnahmequote ist für die einzelnen EU-Staaten verbindlich und rechtens. (Hier geht's zum Urteil)