07.07.2018, 17:32 · Aktualisiert: 08.07.2018, 10:40

Wird taub, wer zu oft voll aufdreht?

Joggen ohne persönliche Motivations-Playlist? Geht nicht. Auf dem Weg in die Uni, in der Sonne auf der Picknickdecke – Kopfhörer sind meist ständiger Begleiter.

Aber ist die permanente Musik im Ohr schädlich fürs Hörvermögen? Ist es besser, über Lautsprecher und Boxen Musik zu hören?

Wir haben Dr. Michael Deeg, Vorstandsmitglied im deutschen Bund der HNO-Ärzte, gefragt.

Kopfhörer oder Lautsprecher: Macht das für die Ohren einen Unterschied?

"Grundsätzlich geht es immer nur um die tatsächliche Schallstärke, die man den Ohren zumutet", sagt Deeg. "In erster Linie macht es dabei keinen Unterschied, ob die Musik mit Kopfhörern oder über eine Stereoanlage gehört wird."

Aber: Mit Kopfhörern unterschätzt man eher die Lautstärke, weil im Normalfall Umgebungsgeräusche hinzukommen. Man will die Gespräche in der Bahn und den Lärm der Stadt ausblenden, dreht die Musik deshalb voll auf. "Oft wird die Lautstärke dabei ziemlich hoch, obwohl man es selbst gar nicht so wahrnimmt", sagt Deeg.

Und das kann gesundheitliche Folgen haben.

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

Was kann passieren, wenn’s zu laut wird?

Beim Musikhören passiert im Ohr folgendes: "Schall ist eine kinetische Energie, die das Innenohr durchläuft", sagt Deeg. "Überschreitet die Energie dieser Schallwellen eine bestimmte Stärke, werden die Haarzellen – die eigentlichen Sinneszellen – und deren kleine Flimmerhärchen im Innenohr beschädigt."

Man kann sich das etwa wie in einem Kornfeld vorstellen, durch das ein Sturm fegt: Bei zu viel Wind liegen die Halme flach. Je nach Stärke richten sie sich am nächsten Tag wieder auf – oder sie bleiben dauerhaft liegen. "Ähnliches kann mit den Haarzellen passieren", sagt der Arzt. "Sind sie stark beschädigt, kommt es zu einer Hörminderung."

Im schlimmsten Fall hört also dauerhaft schlechter, wer die Musik zu oft zu stark aufdreht.

Worauf muss also geachtet werden?

Das klingt dramatisch und will vermutlich niemand riskieren. Also ist der Rat simpel: Aufpassen, dass die Lautstärke nicht zu krass wird. 85 Dezibel gelten als Grenze, ab der es kritisch wird (3sat). "Dieser Wert ist allgemein anerkannt und richtet sich nach Vorschriften der Berufsgenossenschaften, die Grenzen für den Arbeitsbereich festlegen", sagt Deeg.

Je häufiger und stärker der Wert überschritten wird, desto größer ist das Risiko für dauerhafte Schäden.

Und wie hören sich 85 Dezibel an?

Der Richtwert hilft nur, wenn man auch weiß, wie laut 85 Dezibel sind. "Mit einer Lärm-App fürs Handy kann jeder relativ zuverlässig bestimmen, wie hoch der Dezibel-Wert der Musik ist, die gerade läuft", sagt Deeg. Das klappt sogar mit einem Handy, auf dem gleichzeitig Musik läuft – allerdings nicht über Kopfhörer.

Wer keine Lust auf eine App hat, der kann auch den Angaben des Handy-Herstellers vertrauen. "Normalerweise haben Handys und andere Geräte vorinstallierte Warnhinweise, an denen man sich orientieren kann."

Auf dem Handy erscheint eine Warnung, dass zu hohe Lautstärke schädlich sein kann oder der Lautstärkeregler wechselt plötzlich in den roten Bereich. Kennt vermutlich jeder, der die Kopfhörermusik am Handy gerne mal voll aufdreht.

(Bild: Pixabay/stokpic)

Sind große Kopfhörer besser als In-Ear-Modelle?

"Bei Kapselhörern, die das Ohr komplett umschließen, wird man nicht so stark vom Umgebungsschall beeinflusst und neigt nicht so schnell dazu, die Musik noch höher zu drehen", sagt Deeg.

Große Kopfhörer sind also nicht nur Hipster-Accessoire – sie können auch besser fürs Ohr sein.

Die Qualität oder der Preis machen dabei im Normalfall aber keinen Unterschied (abgesehen davon, dass das Knistern von Billig-Kopfhörern vielleicht stört): „Es kann schon mal vorkommen, dass Verzerrungseffekte von minderwertigen Modellen die Wirkung des Schalls verstärken, aber das ist nur selten der Fall.“

Kopfhörer teilen: Ist das eklig?

Auch wenn das nichts mit Schall, Lautstärke und Haarzellen zu tun hat: Ist es eigentlich problematisch, wenn man die Kopfhörer von anderen Leuten benutzt? "Natürlich ist das zu einem gewissen Grad unhygienisch", sagt Deeg. "Man weiß nicht, ob die andere Person vielleicht eine Entzündung im Ohr hat. Die könnte sich über die Kopfhörer übertragen."

Wer also kein Fläschchen Desinfektionsmittel mit sich herumtragen will, um geliehene Kopfhörer von Bakterien zu befreien, dem sei empfohlen:

Immer schön die eigenen Kopfhörer aufsetzen.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, 90 Dezibel seien der kritische Grenzwert, ab dem es zu Hörschäden kommen könne. Das ist falsch. Der Grenzwert liegt bei 85 Dezibel.


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07.07.2018, 17:13 · Aktualisiert: 07.07.2018, 17:56

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