Bild: Pixabay; Montage: bento

Today

Wie der Sexismus-Skandal das britische Parlament erschüttert

02.11.2017, 17:11 · Aktualisiert: 03.11.2017, 09:54

40 Politiker stehen unter Verdacht

Die britische Premierministerin Theresa May hat am Donnerstag einen neuen Verteidigungsminister ernannt. Gavin Williamson wird der Nachfolger von Michael Fallon. Der war am Mittwoch wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten.

Fallon soll 2002 einer Journalistin während eines Parteitages die Hand aufs Knie gelegt haben. Der Fall wird auf Twitter unter dem Hashtag Kneegate diskutiert.

Und es sind nicht die einzigen Vorwürfe

Infolge des Sexismus-Skandals um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein äußern viele weitere Frauen – in der Filmbranche und auch in der Politik. (bento)

Laut der Zeitung "The Times" stehen mehrere Abgeordnete des britischen Parlaments unter dem Verdacht der sexuellen Belästigung. Auch sechs Minister werden beschuldigt.

Die Fälle – soweit bekannt – im Überblick:

  • Der Außenhandels-Staatssekretär Mark Garnier hatte eingeräumt, seiner Sekretärin den Kauf von Vibratoren aufgetragen zu haben.
  • Eine frühere Labour-Partei-Mitarbeiterin, Bex Bailey, beschuldigte einen ranghohen Parteipolitiker, sie als 19-Jährige vergewaltigt zu haben.
  • Einem ebenfalls nicht namentlich genannten Abgeordneten wird vorgeworfen, eine Frau während einer Auslandsreise sexuell bedrängt zu haben. Geschehen ist anschließend nichts, obwohl das mutmaßliche Opfer zur Polizei gegangen sei und auch der Parlamentsverwaltung davon berichtet habe.
  • Weitere Vorwürfe betreffen einen Abgeordneten sowie den amtierenden konservativen Vize-Regierungschef Damian Green. Dieser wies die Anschuldigungen zurück. Premierministerin May ordnete eine Untersuchung an.
  • Laut Medienberichten soll eine Liste mit den Namen von rund 40 konservativen Abgeordneten kursieren, denen sexuelle Belästigung nachgesagt wird. (SPIEGEL ONLINE)

Was bedeutet das für Theresa May?

Die britische Premierministerin will jetzt als erstes einen Verhaltenskodex aufstellen lassen. Außerdem soll es einen Ansprechpartner im Parlament geben, an den sich Opfer sexueller Übergriffe wenden können.

Von May wird jetzt erwartet, dass sie die Fälle aufarbeiten lässt. Sollte ihr das nicht gelingen, wird auch die Kritik an ihr lauter werden. Ohnehin muss May zahlreiche Herausforderungen bewältigen.

Seit den Neuwahlen im Juni führt sie eine Minderheitenregierung. Das bedeutet, das sie bei Abstimmungen auf die Stimmen der Opposition angewiesen ist. Außerdem sind die Brexit-Verhandlungen bislang zäh. Ihre Regierung geht angesichts des Skandals und des Rücktritts nicht gerade gestärkt in die Verhandlungen.

Wie geht es weiter?

Premierministerin May plant ein Treffen, um einen einheitlichen Weg für den Umgang mit sexueller Belästigung zu entwerfen. Das Treffen soll schon kommende Woche stattfinden – die Vorsitzender aller Parteien sind dazu eingeladen.

May sagt, es solle ein "einheitlicher, transparenter und unabhängiger Beschwerdeweg" geschaffen werden. Jeder in Westminster, auch einfache Angestellte des Parlaments, sollen ihn nutzen können – und faire Chancen bekommen.

Ob das eine breite Debatte über Sexismus in der Politik in Gang setzt, bleibt abzuwarten. Eher ist es zunächst die Suche nach einer möglichst bürokratischen Lösung. (Independent)


Gerechtigkeit

Die CIA veröffentlicht absurdes Geheim-Material von Osama bin Ladens Festplatte

02.11.2017, 16:14 · Aktualisiert: 02.11.2017, 16:36

Superhelden, Katzenvideos, Pornos

Osama bin Laden war einst der meist gesuchte Mann der Welt. Der ehemalige Anführer des Terrornetzwerkes Al-Qaida ist für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich, die USA haben zehn Jahre lang nach ihm gesucht.

Im Mai 2011 wurde er in einem Gebirgsort in Pakistan aufgespürt – und von einem US-Elitekommando getötet. Auf dem Anwesen bin Ladens wurden aber auch Rechner sichergestellt. 

Was die CIA dort fand, hat sie lange geheim gehalten. Nun veröffentlichte sie den ganzen Datensatz.