11.03.2018, 16:57 · Aktualisiert: 12.03.2018, 11:14

Was ist passiert?

In der österreichischen Schülerunion existiert offensichtlich ein Punktesystem, das Sex mit Funktionären belohnt. Das berichtet der "Standard".

Innerhalb der Organisation kursiert eine entsprechende Liste: Wer mit einem Menschen in hoher Position innerhalb der Organisation "pempat", also Sex hat, oder "schmust", bekommt dafür Punkte. Je höher die Position einer Person, desto mehr Punkte werden gesammelt.

So funktioniert das System laut dem Bild, das per WhatsApp rumgereicht wurde und nun auch in anderen Netzwerken kursiert:

  • Schmusen mit einem Schulsprecher oder einer -sprecherin: 2 Punkte
  • Sex mit einem Schulsprecher oder einer -sprecherin: 4 Punkte
  • Sex mit einer Landesschulsprecherin oder einem -sprecher: 16 Punkte
  • Sex mit einer Bundesobfrau oder einem Bundesobman: 36 Punkte

Was ist die Schülerunion?

Es ist Österreichs wichtigste Schülerorganisation. Sie setzt sich laut Satzung für Interessen der Schüler ein, steht aber einer Partei nahe: der Österreichischen Volkspartei, das ist die konservative Partei von Kanzler Sebastian Kurz.

Sie konkurriert also mit anderen Organisationen, die sich ebenfalls für Schüler einsetzen – zum Beispiel mit der linken Organisation Aktion Kritischer Schülerinnen und Schüler.

Wie reagiert die Schülerunion?

Sebastian Ratz, Bundesobmann der Schülerunion, (Wir erinnern uns: Wer mit ihm schläft, käme laut Liste auf 36 Punkte) veröffentlichte am Samstag ein Statement, in dem er indirekt zugibt, die Liste zu kennen.

"Was als Dummheit von ehemaligen Mitgliedern begonnen hat, wurde von uns sofort unterbunden als wir davon erfahren haben. Gemeinsam mit allen Landesorganisationen haben wir daran gearbeitet, die Verbreitung zu stoppen und das auch so weiterkommuniziert. In meiner Schülerunion hat so ein Punktesystem keinen Platz."

Auch Lena Milacher, Bundesgeschäftsführerin der Schülerunion, gab die Existenz des Systems auf Facebook zu. Viele Schüler kritisieren die Schülerunion nun öffentlich und fordern Konsequenzen. "Diese Kultur ist äußerst bedenklich und vor allem traurig! Die Schülerunion lebt Sexismus in allen Zügen!!", schreibt zum Beispiel eine Schülerin aus Eisenstadt im Burgenland.

In den Kommentaren unter den Rechtfertigungen kursiert inzwischen ein weiteres Bild. Es soll das "neue Punktesystem" zeigen, tatsächlich ist es leicht verändert gegenüber der Liste, über die der Standard berichtet. Ob das Bild vom Flipchart wirklich echt ist, oder in welchem Kontext es aufgenommen wurde, kann letztlich aber niemand sagen.

Posted by Anna-Sophie Prünner on Saturday, March 10, 2018

Was soll das Ganze?

Ein Ex-Funktionär der Schülerunion berichtet dem Standard anonym, dass das System zur Belustigung diene. Auch Wetten sollen abgeschlossen worden sein. Auf Wochenend-Seminaren werde der Punktestand verglichen.

Andere finden das allerdings weniger witzig. Das Wiener Magazin "Biber" hat schon im Februar über das Punktesystem berichtet. Emil Bannani ist ein ehemaliges Mitglied im Landesvorstand der Schülerunion. Er nannte das System "krank und ekelig". Es diene "anscheinend nur dazu, Leute an die Schülerunion zu binden bzw. sich einen Spaß aus Gefühlen anderer Menschen zu machen."

Schüler, die von dem Punktesystem nichts gewusst haben, sollen durch das System tief verletzt worden sein, sagte Bannani dem Standard. Das umstrittene Punktesystem sei zwischendurch gelöscht, dann aber wiederbelebt worden sein.


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