Bild: dpa/Michael Reichel

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Haben Nachbarn einen Flüchtling zum Suizid angefeuert? Wir haben mit dem Bürgermeister gesprochen

23.10.2016, 15:13 · Aktualisiert: 25.10.2016, 14:01

Was ist passiert?

Ein junger Flüchtling aus Somalia hat im thüringischen Schmölln Suizid begangen. Er sprang am Freitagnachmittag aus einem Fenster im 5. Stock seiner Unterkunft.

Anwohner sollen den Flüchtling dazu aufgefordert haben, sagte eine Mitarbeiterin dem Leiter der Betreuungseinrichtung, David Hirsch. Seine Mitarbeiterin habe im Nebenzimmer gestanden und nach eigener Aussage die Rufe deutlich gehört, sagte Hirsch zu bento.

Den genauen Wortlaut der Rufe erinnere die Mitarbeiterin nicht mehr, der Somalier sei aber zum Sprung aufgefordert worden.

Derzeit ermittelt die Polizei, ob die Nachbarn den Jungen zum Suizid animiert haben. "Wir haben dort keine Person brüllen hören oder ähnliches", sagte ein Sprecher der Landespolizei (Merkur). Auch die Mitarbeiterin habe auf Nachfragen sehr zurückhaltend und im Konjunktiv geantwortet.

Dem Jugendamt zufolge war der Somalier traumatisiert und hatte psychische Probleme. Es kursieren unterschiedliche Angaben über sein Alter, er war demnach 15 oder 17 Jahre alt.

Wir haben mit Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) über die Stimmung in der Stadt gesprochen.

Herr Schrade, eine Mitarbeiterin der Einrichtung sagt, dass Nachbarn den jungen Flüchtling zum Suizid angefeuert hätten. Was wissen Sie darüber?

Uns ist vom Träger der Einrichtung mitgeteilt worden, dass es diese Rufe gegeben haben soll. Ich kann das zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen. Deswegen halte ich mich noch zurück.

Wenn es so war, ist es unmoralisch. So etwas könnten wir nicht tolerieren.

Können Sie uns die Gegend beschreiben, in der die Einrichtung liegt?

Ich habe in den Plattenbauten früher selbst gewohnt, momentan leben dort rund 1000 Menschen. Es ist eines der größeren Wohngebiete in der Stadt. Die typischen DDR-Plattenbausiedlungen werden gerade nach und nach saniert.

Zwölf minderjährige unbegleitete Flüchtlinge leben dort in einem Wohnprojekt. Ich wüsste nicht, dass es zwischen den Flüchtlingen und den Nachbarn schon einmal Ärger gegeben hat. Es ist eigentlich keine Problem-Gegend.

(Bild: dpa/Michael Reichel)

In einem Post schreiben Sie, dass sie Screenshots von unbegreiflichen Facebook-Kommentaren erreicht hätten.

Liebe Facebookgemeinde, was sich gestern in Schmölln ereignet hat, macht uns betroffen, traurig und fassungslos. Ein...

Posted by Sven Schrade on Saturday, October 22, 2016
Von mir aus, sollen die schwarzen Gurken springen.
Der Satz steht in einem Facebook-Post – über einem Bild des somalischen Flüchtlings.


Ja, eine in Schmölln wohnende Freundin hat mir am Samstagnachmittag Screenshots von Facebook-Posts geschickt.

In dem Post sieht man ein Foto des jungen Somaliers, der auf dem Fenstersims sitzt. Darüber steht: 'Guckt euch denn mal an, wie behämmert muss man sein? Von mir aus, sollen die schwarzen Gurken springen.' Danach folgen drei fröhliche Smileys.
(Anmerkung: Der Screenshot liegt uns vor, Rechtschreibfehler im Original. Der Inhaber eines Facebook-Profils mit gleichem Namen und gleichem Profilbild gibt auf Facebook an, in Schmölln zu wohnen. Der Post ist offenbar nicht öffentlich.)

Das Foto habe ich an die Polizei weitergeleitet. Von weiteren solchen Fotos und Äußerungen weiß ich nichts.

Äußern sich viele Schmöllner so?

Die Mehrheit der Schmöllner steht Flüchtlingen positiv gegenüber.

Ich kann das noch nicht abschließend bewerten. Es gibt mit Sicherheit einzelne Spinner, die sich so äußern. Die Mehrheit der Schmöllner steht Flüchtlingen positiv gegenüber.

Wir haben seit Jahren einen Freundeskreis Asyl und Integration. Jedes Jahr am 3. Oktobern feiern wir mit den Flüchtlingen und Anwohnern ein interkulturelles Straßenfest.

Bis zu einem gewissen Grad kann ich nachvollziehen, dass einige Angst vor Fremden haben, wenn so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Ich persönlich glaube aber: Das kriegen wir alles hin. Wenn es läuft wie bisher, schaffen wir das.

Unter Ihrem Facebook-Post sammeln sich aber nicht nur Beileidsbekundungen.

Es kommentiert auch jemand: "Seht es positiv, es muss keiner mehr für seine Krankenversicherung aufkommen."

Das habe ich noch gar nicht gelesen. Ich merke, dass sich einige in den sozialen Netzwerken enthemmen. Durch solche Äußerungen degradiert man Menschen zur Sache.

Das macht Angst.

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23.10.2016, 14:48 · Aktualisiert: 23.10.2016, 18:24

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