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08.01.2018, 12:10

In manchen Schulen ist es irgendwann so weit: Nach mehreren Schulstunden über den Nationalsozialismus macht die Klasse eine Exkursion in die KZ-Gedenkstätten nach Dachau, Bergen-Belsen oder Buchenwald. Aber natürlich nur dann, wenn der Weg nicht zu weit ist, der Bus nicht zu teuer ist und auch bloß keine wichtige Unterrichtseinheit zur Kurvendiskussion dafür ausfallen muss.

Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli möchte den Besuch in einer KZ-Gedenkstätte für alle Menschen in Deutschland nun verpflichtend machen.

Es sei sinnvoll "wenn jeder, der in diesem Land lebt, verpflichtet würde, mindestens einmal in seinem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht zu haben," fordert Chebli in der "Bild am Sonntag". Und dabei geht es ihr nicht nur um Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Chebli fordert, dass diese Besuche auch Teil von Integrationskursen werden.

Sie bezieht sich dabei auf die dritte Generation muslimischer Einwanderer: "Sie tut sich deutlich schwerer mit der Identifikation mit Deutschland als meine. Das hat nicht nur, aber auch etwas mit Diskriminierungs- und Ablehnungserfahrungen zu tun."

Dazu, wie die KZ-Besuche genau aussehen könnten, hat Chebli nichts gesagt. Die Frage ist auch, ob sich Bundespolitiker mit diesem Thema beschäftigen werden.

Wer ist Sawsan Chebli?

Seit 2016 ist die SPD-Politikerin Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Sie wurde 1978 als Kind einer palästinensischen Familie geboren und bezeichnet sich selbst als strenggläubig. Ihre Eltern kamen 1970 als Flüchtlinge nach Deutschland, bekam 1993 die deutsche Staatsbürgerschaft. (Tagesspiegel)

Seit 2010 kümmert sie sich öffentlich um interkulturelle Angelegenheiten und fördere Projekte wie "Jung, Muslimisch, Aktiv" und interreligiöse Poetry Slams. (Deutsche Welle)

Im Dezember hatte Chebli während mehrerer antisemitischer Aufmärsche in Berlin einen "Arbeitskreis gegen Antisemitismus" gegründet. Im Rahmen dieses Arbeitskreises wollte sich Chebli zusammen mit "Organisationen, Vereinen und Individuen" gegen Judenhass einsetzen. Die Gründung sorgte jedoch zunächst für Kritik und Verwirrungen, so seien Mitarbeiter der Adorno-Stiftung zunächts abgewiesen worden. Ende Januar solle es ein Treffen für konkrete Planungen geben, sagte Chebli. (Welt)


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Sergej W. gesteht BVB-Anschlag, bestreitet aber eine Tötungsabsicht

08.01.2018, 11:41

Am 11. April 2017 wurde ein Anschlag auf den Bus von Borussia Dortmund verübt. Zehn Tage später wurde Sergej W. als Verdächtiger festgenommen und angeklagt. Jetzt hat er vor dem Dortmunder Schwurgericht die Tat gestanden. "Ich bedauere mein Verhalten zutiefst", sagte der 28-Jährige, der aber eine Tötungsabsicht bestreitet.