Bild: dpa/Uwe Anspach

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Roman Herzog ist tot. Diese drei Zitate gelten immer noch

10.01.2017, 10:52

Wir hätten mehr auf ihn hören sollen

Altbundespräsident Roman Herzog ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren, das bestätigte das Bundespräsidialamt in Berlin.

Herzog war von 1994 bis 1999 deutsches Staatsoberhaupt, derzeit hat Joachim Gauck das Amt inne. "Er war eine markante Persönlichkeit, die das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet hat", würdigte Gauck seinen Vorgänger.

Die meisten von uns waren zu Herzogs Amtszeit im Kindergarten oder in der Schule. Was Herzog sagte, betraf uns trotzdem.

In diesen drei Momenten sprach Roman Herzog der Jugend aus dem Herzen:

1. Die "Ruck-Rede"

Am 26. April 1997 sprach Herzog im Berliner Hotel Adlon. Und forderte:

Durch Deutschland muß ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen.

Er meinte damit die Globalisierung. Die ganze Welt sei "im Aufbruch, sie wartet nicht auf Deutschland". Zu einem Zeitpunkt, wo wir die ersten Klicks mit Windows 95 machten, erkannte Herzog, dass digitale Kommunikation und weltweite Vernetzung bald alle beschäftigen werden – sowohl wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

Die "Ruck-Rede" war ein Signal an ewig Gestrige. In Zeiten von Fake News und Social Media ist der Schluss der Rede wieder wichtig: "Ich rufe auf zu mehr Selbstverantwortung."

2. Die "Rentnerdemokratie"

Im Mai 2008 sagte Herzog in einem "Bild"-Interview diesen Satz:

Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.

Das Phänomen nannte er "Rentnerdemokratie" – und wir haben es vor allem 2016 erlebt. Beim Brexit, bei der US-Wahl, bei den Landtagswahlen in Deutschland: Ausschlaggebend für das Ergebnis waren vor allem die Stimmen der älteren Menschen, die anders entschieden als die meisten Jungen.

Auch bei der Rente selbst sehen die Jungen alt aus: Rentenpakete der Parteien werden jüngere Arbeitende in Zukunft sehr stark belasten (bento). Genau davor warnte Herzog.

3. Das Bekenntnis zu Minderheiten

Im Juli 1997 lud Herzog in Bonn zum "Interkulturellen Dialog". Mit einer einfachen Wahrheit:

Die Antworten fundamentalistischer Verführer und ihr einfaches, in Gut und Böse geordnetes Weltbild haben in einer hochkomplexen Welt ein leichtes Spiel.

Herzog glaubte daran, dass viele verschiedene Kulturen in einer Gesellschaft friedlich miteinander auskommen können. Egal, ob sich dabei um Christen, Muslime oder Buddhisten handele, sagte er in seiner Rede.

Aber es würde auf allen Seiten Extremisten geben, die versuchen, mit einfachen Antworten die Gesellschaft aufzuwiegeln. Das Unbekannte führe "leider sehr schnell zu irrationalen Reaktionen wie Vorurteilen, Ablehnung, Angst oder eben Abschottung", warnte Herzog.

Die Mahnung passt ebenso genau in unsere Zeit, in der Rechtspopulisten oder islamistische Hetzer Stimmung für ihre Sache machen.


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