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11.01.2018, 08:31 · Aktualisiert: 11.01.2018, 10:52

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Pressefreiheit in der Türkei gelobt – ein Land, das im Ranking von "Reporter ohne Grenzen" auf Platz 155 von 180 steht. Ein Land, in dem ständig Journalisten verhaftet werden.

Erdogan behauptete, die Türkei sei "in Sachen Pressefreiheit, neueste Kommunikationstechnologien, soziale Medien und Internetjournalismus" eines der "führenden Länder der Welt". Medien müssten "ohne irgendeine Einschränkung" berichten können. Eine weltoffene Gesellschaft sei nur mit "freien, transparenten und gerechten Medienorganisationen" möglich. (T-Onilne)

Man muss es so deutlich sagen: Nach dieser Argumentation ist eine weltoffene Gesellschaft in der Türkei nicht möglich. Denn was Erdogan behauptet, stimmt nicht. "Reporter ohne Grenzen" schreibt:

"Die Türkei gehört zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit. Nach dem Putschversuch im Juli 2016 wurden weit über 100 Journalisten verhaftet, rund 150 Medien geschlossen und mehr als 700 Presseausweise annulliert. Kritische Journalisten stehen unter Generalverdacht.
Die wenigen noch verbliebenen unabhängigen Medien arbeiten in ständiger Angst. Wiederholt wurde ausländischen Journalisten die Akkreditierung verweigert oder die Einreise verwehrt. Daneben ersticken die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen vieler wichtiger Medienbesitzer eine kritische Berichterstattung im Keim."

Auch im Gefängnis: Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel, der für die "Welt" in Berlin arbeitet. Seit dem 27. Februar 2017 sitzt er ohne Anklage in Untersuchungshaft.

Völlig ignorieren konnte Erdogan die Tatsache nicht, dass in seinem Land mehr als 100 Journalisten im Gefängnis sitzen. In seiner Erklärung heißt es, "manche" würden die "Sensibilität in Sachen Meinungsfreiheit" ausnutzen und durch "manipulative Nachrichten die Brüderlichkeit unseres Volkes und die Integrität unseres Staates zu zerstören".

Da haben wir es: Die Presse ist frei, aber nur so lange sie schreibt, was dem Präsidenten gefällt.


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In Dresden haben Rassisten einen Hund auf eine junge Äthiopierin gehetzt

11.01.2018, 08:21

Eine 19 Jahre alte Frau aus Äthiopien ist in Dresden angegriffen worden. Sie stand im Stadtteil Gorbitz an einer Haltestelle für Straßenbahnen, als sie von einer Gruppe Menschen beschimpft wurde. Die Gruppe nahm dann einen großen Hund von der Leine und hetzte ihn auf die Frau. 

Die Frau wollte fliehen, der Hund fiel sie jedoch von hinten an, riss sie zu Boden und biss zu. Erst Passanten konnten die Gruppe dazu bringen, den Hund zurückzurufen. Das teilte die Polizei mit. Der Angriff ereignete sich am Dienstag. Die Äthiopierin, die in Deutschland Asyl sucht, erlitt leichte Bissverletzungen und einen Schock. (FAZ)

Die sächsische Landesministerin für Wissenschaft und Kultur, Eva-Maria Stange von der SPD, sprach von einem "abscheulichen Maß an Brutalität". Sie war zunächst die einzige, die sich öffentlich zu Wort meldete. (MDR)