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Bei real.de gibt es Wehrmachts-Fanartikel zu kaufen

04.12.2017, 09:04 · Aktualisiert: 05.12.2017, 10:10

Die Supermarktkette hat ihren eigenen Onlineshop nicht im Griff.

Eine Erinnerung an die Verbrechen der Nazis kostet bei real.de 53,90 Euro. Für diesen Preis kann man sich dort eine graue Soldatenuniform kaufen, die an die Kleidung der Wehrmacht erinnert. Der Artikeltext dazu empfiehlt: "Das Soldaten Kostüm sieht besonders erschreckend mit unserer Adolf Hitler Maske aus!"

Oder auch nur 4,95 Euro – so viel kostet das "Vintage Historical Art Notebook: Reichswehrsoldat mit Taube", eine kleines Notizbuch mit einem Nazi-Bild auf dem Cover. Der Soldat streckt den linken Arm ähnlich wie zum Hitlergruß, darauf sitzt eine Taube.

Die beiden Stücke sind kein Einzelfall – der Onlineshop von real ist voller Wehrmachts-Kostüme und Nazi-Memorabilia.

Die Supermarktkette real muss sich jetzt die Frage gefallen lassen: Warum hat da keiner aufgepasst?

Das Unternehmen selbst verkauft weder in den Märkten noch im Onlineshop die Wehrmachts-Artikel. Bietet sie aber dennoch über seinen Onlinehandel an: Denn real.de funktioniert ähnlich wie Amazon und eBay. Auch andere Händler dürfen auf der Plattform ihre Produkte anbieten.

Die Handelspartner verschicken die Artikel dann direkt an die Käufer. Erst im Februar hatte sich real dafür mit dem Online-Marktplatz hitmeister.de zusammengetan.

Soll heißen: Externe Händler bieten die Nazi-Fanartikel an – und nutzen große Plattformen wie real und Amazon für mehr Reichweite.

Wie reagierte real? In einer schriftlichen Stellungnahme, die uns zugeschickt wurde, heißt es: "Real distanziert sich eindeutig vom Angebot und Verkauf dieser Artikel und hat am vergangenen Sonntag unmittelbar nach Bekanntwerden erster Hinweise reagiert und verdächtige Artikel sofort aus dem Angebot des Onlineshops entfernt."

Von den rund zwölf Millionen Produkten, die derzeit auf der Plattformen angeboten würden, sei der überwiegende Teil des Angebots von Drittanbietern. Es gebe klare Regeln, welche Artikel angeboten werden dürften.

Diese Wehrmachts-Uniformen hatten es trotzdem bei real in den Onlineshop geschafft:

Screenshot bento
Screenshot bento
Screenshot bento
Screenshot bento
Screenshot bento
Screenshot bento
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Begonnen hatte alles mit dem "Afrikakorps Tropenhelm mit Brille". Real hatte den olivgrünen Soldatenhelm bis Sonntagabend für 29,90 Euro im Onlineshop angeboten. Er war verziert mit einem Reichsadler und einem Wappen in den alten Reichsfarben schwarz-weiß-rot. Nur das Hakenkreuz fehlte.

Das Afrikakorps war eine Nazi-Einheit, die in Tunesien, Libyen und Ägypten gegen dortige britische Truppen kämpfte. Rechtsextreme feiern das Afrikakorps noch immer, mit den Uniformen identifizieren sie sich.

(Bild: Screenshot bento)

Als am Sonntagabend Nutzer auf den Helm aufmerksam wurden, löschte die Supermarktkette das Angebot aus seinem Onlineshop. Auch ein "Wehrmachts Hosengürtel" wurde entfernt. Andere Nazi-Stücke sind jedoch noch verfügbar.

Unter anderem hatte der Grünen-Politiker Sebastian Hansen auf Twitter auf die Devotionalien aufmerksam gemacht. Er hatte einen – mittlerweile entfernten – Totenkopf-Aufnäher entdeckt. Demnach wurde der Aufnäher mit folgendem Text beworben:

"Auch nach dem Tod kämpft dieser Schädel noch für die Ideale des 'Dritten Reichs', wobei er immer noch einen Helm der Wehrmacht in den Farben von Deutschland trägt. Mit diesem Aufnäher können Sie deutlich machen, dass Ihnen einige Ideen aus dieser Zeit auch heute noch gefallen."

Hansen kündigte an, Strafanzeige wegen Volksverhetzung zu stellen.

Noch am Sonntag hatte sich Gerald Schönbucher, Geschäftsführer von Real.Digital, auf Twitter geäußert. Er schrieb der Funke Mediengruppe: "Sorry, es war keine böse Absicht." Und:

"Shit happens."

Verboten sind viele der Artikel nicht – die Verkäufer umschiffen die Rechtslage.

Laut den Paragrafen 86 und 86a StGB sind das Tragen und Zeigen von Symbolen des Nationalsozialismus verboten. Dazu zählt das Hakenkreuz und die SS-Rune, aber auch "Uniformstücke" – also Teile der Uniform, die auf das Nazi-Reich schließen lassen. Was nicht verboten ist: Die Stücke privat zu sammeln.

Der Verfassungsschutz macht zudem klar, dass es sich bei der Wehrmacht nicht um eine "nationalsozialistische Organisation" handelt. Der Hintergrund: Die Armee gab es als Reichswehr bereits vor der Machtergreifung Hitlers. Somit ist sie zwar Teil des Nazi-Reiches, wird aber von einigen gleichzeitig losgelöst betrachtet.

  • Die Fanartikel umgehen die Verbote geschickt: Sie nutzen die Farben der Wehrmacht und die Symbolik der Nazi-Zeit – ohne genau die verbotenen Zeichen zu verwenden.

Auch bei real wusste man das schon vorher: Eine Liste verbotener Artikel verbietet "Propagandamaterial und Material mit Kennzeichen verbotener und verfassungswidriger Organisationen" sowie "gewaltverherrlichendes, volksverhetzendes, diskriminierendes Material".

Mittlerweile bedauert auch Unternehmenssprecher Markus Jablonski die Nazi-Artikel: "Trotz bereits umfangreicher vorhandener Sicherheitsmaßnahmen, mussten wir jedoch zu unserem großen Bedauern feststellen, dass sich im Angebot Dritter auch Artikel befinden, die die Vorgänge in der Zeit des Nationalsozialismus verherrlichen und als Fanartikel angeboten werden."

Derzeit arbeite man nun mit Hochdruck daran, weitere Artikel aus dem Online-Angebot zu entfernen.


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