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So gefährlich kann eine Zigarette pro Tag sein

25.01.2018, 13:31 · Aktualisiert: 26.01.2018, 08:45

Zigaretten sind in Deutschland nicht mehr so beliebt, wie sie es mal waren – aber noch immer rauchen etwa jeder vierte Mann und jede fünfte Frau. Pro Jahr sterben 121.000 Menschen hierzulande an den Folgen des Rauchens, berichtete kürzlich das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Das entspricht 13,5 Prozent aller Todesfälle.

Die Mehrzahl der Raucher versucht irgendwann, sich die Zigaretten abzugewöhnen. Manchmal ist das Ziel dabei auch, die tägliche Menge zu reduzieren, in der Hoffnung, dass ein, zwei oder vielleicht auch fünf Zigaretten pro Tag kaum Schaden anrichten.

Eine im Fachblatt "BMJ" veröffentlichte Studie verdeutlicht jedoch, dass es bei Zigaretten keine unerhebliche, keine sichere Menge gibt. Menschen, die nur eine Zigarette pro Tag rauchen, haben demnach bereits ein erheblich höheres Risiko, eine gefährliche koronare Herzkrankheit (KHK) zu entwickeln oder einen Schlaganfall zu erleiden. Bei einer KHK sind die Blutgefäße, die das Herz versorgen, verengt oder zum Teil verschlossen, was unter anderem in einem Herzinfarkt münden kann.

Ein Team um Allan Hackshaw vom University College London wertete Daten von 141 Studien aus, die in den vergangenen Jahrzehnten durchgeführt wurden und sich mit dem Zusammenhang von Rauchen und Herzkrankheiten beschäftigten. So führten sie Informationen über mehrere Millionen Studienteilnehmer zusammen.

Wer hat die Studie bezahlt?

Die Studie wurde von der privaten Stiftung Cancer Research UK finanziert.

Männer, die täglich eine Zigarette rauchen, haben demnach bereits ein um 48 Prozent erhöhtes Risiko für eine KHK sowie ein um 45 Prozent erhöhtes Risiko eines Schlaganfalls gegenüber männlichen Nichtrauchern. Für Frauen steigt das Risiko einer KHK mit einer täglichen Zigarette um 57 Prozent und das eines Schlaganfalls um 65 Prozent gegenüber Nichtraucherinnen.

Die Forscher verglichen das Risiko der Wenig-Raucher mit jenem von Rauchern, die eine Schachtel (20 Zigaretten) am Tag konsumierten. Dabei zeigte sich, dass eine Zigarette weit mehr Schaden anrichtet, als bloß ein Zwanzigstel des Schadens einer täglichen Packung. Sie ist stattdessen für ein Drittel bis die Hälfte des erhöhten Risikos der täglichen Zigarettenschachtel verantwortlich.

Wie groß ist das Risiko für den Einzelnen?

Was bedeutet es konkret, wenn das Risiko für eine koronare Herzkrankheit für Raucher einer täglichen Zigarette um 45 Prozent (Männer) beziehungsweise 57 Prozent (Frauen) gegenüber Nichtrauchern erhöht ist?

Das hängt vom Risiko des Einzelnen ab, welches unter anderem auch durch Alter, Blutdruck, Blutfettwerte, Diabetes und das Geschlecht beeinflusst wird. Ein Beispiel anhand eines bekannten Risikorechners für KHK: Ein 50-jähriger Nichtraucher mit durchschnittlicher Gesundheit hätte demnach ein Risiko von etwa 14 Prozent, in den folgenden zehn Jahren eine KHK zu entwickeln. Würde er täglich eine Zigarette rauchen, läge es dagegen bei 20 Prozent. Bei einer gleichaltrigen Frau würde das Risiko entsprechend von acht auf gut zwölf Prozent steigen.

"In Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es keine sichere Menge an Zigaretten. Raucher sollten aufhören, anstatt die Menge zu reduzieren", schreibt Kenneth Johnson von der University of Ottawa, Kanada, in einem begleitenden Kommentar im "BMJ".

Sind mehr Zigaretten noch schädlicher?

Die Ergebnisse bedeuten im Umkehrschluss aber nicht, dass es egal ist, ob man fünf oder 20 Zigaretten raucht und deshalb unbekümmert vom Wenig- wieder zum Viel-Raucher werden kann.

Denn Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern kann auch Krebs und die schwere Lungenkrankheit COPD verursachen. Und hier sind 20 Zigaretten täglich deutlich schädlicher als eine oder fünf.

Und was ist mit E-Zigaretten?

Weil viele Raucher trotz wiederholter Anläufe nicht von der Nikotinsucht loskommen, werden E-Zigaretten als mögliche Alternative diskutiert. Immerhin fallen diverse Schadstoffe, die beim Verbrennen herkömmlicher Zigaretten entstehen, bei E-Zigaretten nicht an. Bisher sind Forscher jedoch uneins, wie sie die Produkte einschätzen sollen. Das zeigt sich auch bei der aktuellen Veröffentlichung.

"Auch wenn E-Zigaretten weniger krebserregende Substanzen mit sich bringen, setzen sie Nutzer großen Mengen besonders kleiner Feinstaubpartikel und anderer Gifte aus, die das Risiko von Herzkreislauferkrankungen deutlich erhöhen", schreibt Johnson im "BMJ"-Kommentar. Die Produkte seien keineswegs sicher und sollten nicht empfohlen werden, ist sein Fazit.

Hackshaw und seine Kollegen führen dagegen an, dass E-Zigaretten Rauchern beim Aufhören helfen können. Sie halten es für sehr unwahrscheinlich, dass die Produkte ähnlich schädlich sind wie das Rauchen von ein, zwei gewöhnlichen Zigaretten pro Tag.

Dieser Artikel ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


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