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Das Wochenende in der Türkei: Was ist seit Freitag passiert?

17.07.2016, 14:15 · Aktualisiert: 17.07.2016, 14:28

Die wichtigsten Fragen und Antworten

1. Eine kurze Zusammenfassung der Nacht?

  • Teile des türkischen Militärs hatten am Freitagabend verkündet, bei einem Putsch vollständig die Macht im Land übernommen zu haben. Die Lage war sehr chaotisch und schwer einzuschätzen. Livebilder auf Facebook, Twitter und den Nachrichtensendern zeigten Hubschrauber, die über der Stadt kreisten, Kampfjets, es fielen Schüsse. Augenzeugen berichteten von Explosionen in Istanbul und von Panzern auf den Straßen. Das selbsterklärte Ziel der Putschisten: Sie wollten so die demokratische Ordnung und die Menschenrechte im Land schützen. Sie selbst nannten sich auch "Rat für den Frieden im Land".
  • Freitagnacht gab Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan CNN Türk ein Facetime-Interview. Er sagte: "Ich rufe unser Volk auf, sich auf den Plätzen und am Flughafen zu versammeln. Sollen sie (die Putschisten) mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen." Viele Anhänger folgten dieser Aufforderung und gingen auf die Straße.
  • Mindestens 265 Menschen sollen in der Nacht ums Leben gekommen sein, erklärte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, dass außerdem 1154 Menschen verletzt worden seien.

In der Fotostrecke: Freitagnacht in Bildern

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2. Und danach?

  • Schon Samstagmittag erklärte Ministerpräsident Yildirim, die Regierung habe die Lage wieder vollständig unter Kontrolle.
  • Bis Sonntag sollen rund 6000 Personen festgenommen worden sein, das sagte Justizminister Bekir Bozdag der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Ministerpräsident Yildrim sagte, derzeit gebe es keine Todesstrafe, man werde aber über Gesetzesänderungen nachdenken.
  • Mindestens 2700 Richter wurden abgesetzt, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Wir haben Türken gefragt: Wie geht es euch jetzt?

3. Wer steckt hinter dem Putsch?

  • Erdogan macht Fethullah Gülen und seine Anhänger verantwortlich. Gülen gilt als einer der einflussreichsten Prediger des Islam. Er gibt sich liberal, verfolgt aber islamistische Ziele. Einst waren Gülen und Erdogan verbündet, heute sind sie zerstritten. Seit 1999 lebt Gülen, heute 75 Jahre alt, im Exil in den USA. Am Samstag forderte Erdogan, die USA müssten Gülen ausliefern oder festnehmen. Gülen selbst hat den Putschversuch verurteilt. Er hält es für möglich, dass Erdogan alles inszeniert hat.
  • Der deutsche Geheimdienst zweifelt an der Gülen-Theorie. Sicherheitskreise vermuten, dass eine kleine Gruppe von Oberisten und Majoren den Putschversuch gestartet haben könnte. Allerdings hat Erdogan in den vergangenen Jahren nach und nach seine politischen Gegner aus der Armee entfernt. Es haben sich also nicht genug Soldaten gefunden, die sich den Putschisten angeschlossen haben. Militärs sprachen von "poor planning".
  • Was daran liegen könnte, dass im August die Militärführung umstrukturiert werden sollte. Ein Berater Erdogans vermutet: Die Offiziere haben gewusst, dass sie ihre Ämter verlieren, deshalb mussten sie schnell handeln.

Im Slider: Eine Übersicht der Militärputsche in der Türkei

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4. Was bedeutet der Putsch für Erdogan?

  • Beobachter sind sich einig: Der Putsch hat Erdogan eher gestärkt als geschwächt. "Es scheint, als wäre der Rückhalt für Präsident Erdogan so groß wie nie", berichtet tagesschau.de. "Der Mythos Erdogan wird durch diese Krise gestärkt", sagte SPD-Außenexperte Niels Annen SPIEGEL ONLINE. "Es steht zu befürchten, dass die Repressionen jetzt noch zunehmen und der Putschversuch genutzt wird, um echte und vermeintliche Gegner im Staatsapparat auszuschalten."
  • Tatsächlich bezeichnete Erdogan den Putschversuch als "Geschenk Gottes". Denn der Putsch gebe ihm "die Gelegenheit, die Streitkräfte zu säubern". Jene, die sich an dem Coup beteiligt hätten, seien "Terroristen".

5. War es nicht doch Erdogan selbst?

  • Am Samstag trendete in der Türkei auf Twitter #darbedegiltiyatro – "Kein Putsch.Theater" (bento). Denn genau das vermuten jetzt viele: Erdogan selbst hat den Putsch eingefädelt, um endlich so richtig aufräumen zu können, um ein noch mächtigerer Präsident zu werden als er ohnehin schon ist.
  • Ob's stimmt? Experten bezweifeln das: "Das ist eine heikle Frage. Hat er ihn kommen sehen – oder hat er ihn womöglich sogar inszeniert? Ich will Erdogan das nicht unterstellen", sagte Islamwissenschaftler und Türkei-Experte Udo Steinbach im Interview mit Focus Online. Und Hasnain Kazim, ehemaliger Türkei-Korrespondent von SPIEGEL ONLINE schreibt: Dieser Gedanke gehöre "ins Reich der Verschwörungstheorien".

Quellen:

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