Bild: Ole Reißmann/ bento

05.07.2017, 16:25 · Aktualisiert: 06.07.2017, 08:49

Wenn ich an die Polizei denke, denke ich an meinen letzten Strafzettel. 50 km/h waren erlaubt, ich war fast bei 70. Ich denke an Polizisten in meinem Freundeskreis, die davon erzählen, wie sich Akten auf ihrem Schreibtisch stapeln. Ich denke an Fußballspiele, die von Polizisten bewacht werden. Ich schätze und respektiere ihre Arbeit.

Wenn ich an die Polizei denke, denke ich an Schutz. Am Dienstag aber habe ich eine andere Polizei erlebt. Eine, die mir Zweifel an diesem Bild verschaffte.

Szenen aus dem Hamburger Schanzenviertel vom Dienstagabend: Hundertschaften der Polizei stehen mit Helm und Sturmhauben friedlichen Demonstranten in Hamburg gegenüber. Wasserwerfer verteilen Sprühregen, Menschen werden geschubst, von der Straße getragen, weil sie Sitzblockaden machen. "Haut ab, haut ab", rufen Menschen aus den hinteren Reihen den Beamten entgegen.

Keine brutalen Szenen, aber auch alles andere als friedliche. Am Ende bleibt der Eindruck: Die Polizei hat es so gewollt und provoziert.

Ich arbeite seit fast zwei Jahren in Hamburg, habe davor drei Jahre in der Stadt studiert. Ich bin im Herzen Hamburgerin, wenn auch keine gebürtige. In diesen Tagen der G20-Woche ist die Stadt, die ich sonst so harmonisch erlebe, eine andere. Es ist eine Stadt, in der es jetzt vor allem um Sicherheit um jeden Preis geht. Polizei an jeder Straßenecke, Kolonnen von Polizeibussen, egal wohin man blickt, Polizeihubschrauber in der Luft.

Das gibt mir ein Gefühl von Schutz, aber nicht nur – es schüchtert mich auch ein.

Am Dienstagabend trafen sich Hunderte Hamburger zum friedlichen Protest beim Massencornern am Neuen Pferdemarkt im Schanzenviertel. Auch ich wollte dabei sein und miterleben, wie Menschen über den G20-Gipfel diskutieren. Sowieso bin ich häufig dort.

Vor Kiosken, Bars und Restaurants saßen die Hamburger auf Bürgersteigen, tranken Bier, plaudern. Einige spielten Backgammon, Aktivisten verteilten Flugblätter, Mütter trugen ihre Babys vor dem Bauch, Promi-Musiker versteckten sich hinter ihrer Cappy.

So sah es beim Massencornern aus:

Das ist hier nicht nur während G20 so. Anders als sonst: In den Gesprächen ging es nicht um stressigen Arbeitsalltag oder den nächsten Urlaub – sondern viel mehr als sonst um die Politik von Merkel, Erdogan, Trump oder Putin. Um das Chaos in dieser Woche. Die Schanze ist längst nicht mehr Hochburg der linken Szene, es ist die Hochburg der jungen Menschen, die eine gute Zeit verbringen, sich nichts vorschreiben lassen wollen.

An diesem Abend ging es ihnen um den Gipfel. Viele befürworten, dass die mächtigen Industrienationen miteinander über die Zukunft sprechen, egal aus welchem politischen Lager sie kommen. Aber reichen da nicht Telefonkonferenzen? Muss das Ganze mitten in einer Großstadt stattfinden? Kann man das Geld, das dafür ausgegeben wird, nicht gleich an arme Länder spenden? Wie viel wird am Ende wirklich entschieden: über die Hilfe für afrikanische Staaten, über Klimaziele?

Eines der Ziele der Menschen an diesem Abend: sich nicht einschüchtern lassen von den Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt und friedlich für Themen demonstrieren.

Und ausgerechnet das ging schief: Ohne, dass es Krawalle oder überhaupt Unruhe gab, stellten sich Polizisten mit Helm – ihr Gesicht konnte man nicht mehr erkennen – an den Straßenecken auf. Es waren fast halb so viele wie die Demonstranten selbst. Eine grimmige, dunkle Wand. Mit dabei: Spezialkräfte aus Bayern, die sonst vor allem bei schweren Ausschreitungen eingesetzt werden. Über ihnen kreisten die Hubschrauber, etwa vier Wasserwerfer fuhren auf, Polizeipanzer rollten ein.

Wozu dieser martialische Auftritt? Zu polizeitaktischen Gründen könne man mir keine Auskunft geben, sagt ein Sprecher am nächsten Tag. So bleibt mir nur, die Situation aus meiner Sicht wiederzugeben.

Natürlich verstanden einige Cornerer das als Provokation, bildeten Sitzblockaden, riefen: "Wir sind cornern, was seid ihr". Einige hielten auch einfach nur Plakate hoch: "Make Love great again". Weil die Straße schließlich blockiert war, fingen die Polizisten an, mit Wasser zu sprühen. Die Armee aus Polizisten kesselten die ein, die sich nicht schon auf den Heimweg gemacht hatten – einige wurden auch gar nicht mehr herausgelassen.

Ist das verhältnismäßig? Nein.

Wären die Hundertschaften nicht aufgetaucht, wäre es vermutlich gar nicht dazu gekommen. Natürlich ist die G20-Woche eine Ausnahmesituation für die Polizei. Die Stadt soll sicher bleiben. Klar, es gibt gewaltbereite Demonstranten. Aber in dieser Situation waren es die Polizisten, die Schlagstöcke und Tränengas bei sich trugen. Später sollen vereinzelt Flaschen von Demonstranten geflogen sein, schreibt die Polizei in einer Mitteilung – auch das ist völlig unnötig.

Ja, die Polizei hat die Aufgabe, Eskalationen zu verhindern. Wie viel Stärke muss man dafür demonstrieren? Wann kann man sich auch locker raushalten und diese Situationen erst gar nicht provozieren?

Ich habe die Polizei immer als Staatsmacht empfunden, die auf meiner Seite steht, mich schützt. Jetzt stand sie mir plötzlich gegenüber.

Das Massencornern wäre eine gute Gelegenheit gewesen, zu zeigen, wie tolerant die Polizei gegenüber politisch engagierten Hamburgern ist. Sie hat sie verpasst. In dieser Situation hätte ich am liebsten mitgerufen:

"Raus aus unserem Kiez."


Haha

Ein Fan putzt Trumps Hollywood-Stern – und löst eine witzige Debatte aus

05.07.2017, 15:05 · Aktualisiert: 05.07.2017, 15:12

Irgendwann geht es um Kermit und Britney Spears.

Donald Trump ist nicht nur US-Präsident, sondern auch Reality-TV-Star. Als solcher feuerte er Praktikanten vor laufender Kamera, rang beim Wrestling andere Milliardäre (und TV-Sender) nieder oder spielte bei "Kevin allein in New York" mit.

Für dieses Engagement erhielt Trump einen Stern auf dem "Walk of Fame" in Hollywood. Doch seit er Präsident ist, wird der Stern regelmäßig beklebt und bespuckt.