Bild: Blickfänger GbR

03.01.2018, 18:19 · Aktualisiert: 04.01.2018, 07:17

Es gibt Vorfälle im Einsatz von Rettungskräften, die lassen einen am Konzept des gesunden Menschenverstandes zweifeln – wie dieser: Ein Feuerwehrwagen ist im Einsatz. Eine Passantin greift sich einen Helm aus dem Wagen und fängt an, Selfies zu machen. Ein anderer Fall: Eine Straße ist nach einem Unfall vom Feuerwehrwagen blockiert und Schaulustige versuchen, den Wagen der Feuerwehr umzuparken.

Wegen solcher Fälle hat Elena Walter, 25, zusammen mit ihrem Kommilitonen Emanuel Zander-Fusillo, 28, den Kurzfilm "Sei kein Gaffer" produziert.

Vor zwei Wochen stellten die beiden das Video ins Netz, nun haben bereits fast 300.000 Menschen es bei YouTube angeschaut und hundertfach kommentiert.

"Uns ist aufgefallen, dass in den Medien immer häufiger von dreisten und rücksichtslosen Gaffern berichtet wird. Diese Geschichten haben uns sehr berührt und schockiert, deshalb haben wir sie zum Thema unserer Abschlussarbeit gemacht", sagt Elena zu bento. Bis zum Sommer haben sie Film an der FH Dortmund studiert.

In dem fünfminütigen Video fahren drei Freunde mit ihrem Auto an einer Unfallstelle vorbei, sie steigen aus, starten ein Livevideo und schicken Bilder an die Mutter. Am Ende dann der Schock: Es ist die eigene Mutter, die mit dem Wagen verunglückt ist.

"Wir wollten zeigen, wie es sich anfühlen muss, wenn man selbst derjenige wäre, der bei einem Unfall gefilmt wird", sagt Elena. Schließlich könne jeder von uns in dem Auto sitzen.

Elena und Emanuel haben zusammen die Produktionsfirma Blickfänger GbR gegründet.

Elena und Emanuel haben zusammen die Produktionsfirma Blickfänger GbR gegründet. (Bild: Blickfänger GbR)

Seit der Veröffentlichung bekommen sie und Emanuel Hunderte Reaktionen. Hilfskräfte berichten ihnen von abstrusen Fällen, so wie dem Umparker – nur mit Gaffen hat vieles davon nichts mehr zu tun. "Ein Rettungssanitäter hat mir davon berichtet, dass seine Tasche mit den Hilfsmittel geklaut wurde, noch während er einen Schwerverletzten behandelt hat", sagt Elena.

Um das Drehbuch zu entwickeln, hat das Team mit der Feuerwehr Stadtmitte in Osnabrück zusammengearbeitet. Deshalb ist zum Beispiel auch die Szene, in der eine der Schauspielerinnen den Feuerwehrhelm aufsetzt und ein Foto damit schießt, nicht ausgedacht.

Elena freut sich, dass die Botschaft so gut ankommt und hoffentlich auch viele sensibilisiert. "Einige haben uns geschrieben, dass sie der Film richtig wütend gemacht hat."

Fälle der letzten Woche zeigen, wie groß das Problem ist – und wie Gaffen selbst neue Unfälle verursacht:

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Psychologen erklären das Gaffer-Phänomen mit menschlichen Impulsen. "Sie bestätigt uns in der eigenen Unversehrtheit: Uns wird klar, dass es uns im Vergleich zu den Opfern gut geht. Außerdem können wir durch die Beobachtung lernen – etwa, dass wir im Verkehr aufpassen müssen", sagt Kriminalpsychologin und Traumatherapeutin Ursula Gasch zu SPIEGEL ONLINE.

Aber eine Entschuldigung ist das keinesfalls. "Ich sehe im Gaffen nichts Gutes. Das bloße kurze Hinsehen ist tolerabel, Gaffen ist etwas anderes", sagt Gasch. "Ein selbstvergessener Vorgang, bei dem sich die Person nicht von ihrer Beobachtung lösen kann oder will. Das ist wie ein Kick. Gaffen kann süchtig machen."

Elena und Emanuel haben gezeigt, dass eine Abschlussarbeit mehr sein kann als Staubfänger im Bücherregal.

Für die Arbeit gab es eine Abschlussnote im Einserbereich. Aber viel wichtiger noch: Einige Autofahrer hält der Film hoffentlich davon ab, beim nächsten Mal das Handy aus der Tasche zu holen, wenn sie an einem Unfall vorbeifahren.


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