Bild: dpa/Andreas Gebert

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Was wir über den Anschlag in Nizza wissen

15.07.2016, 08:44 · Aktualisiert: 15.07.2016, 19:07

Die Polizei hat den mutmaßlichen Attentäter identifiziert. Mindestens 84 Tote, etwa 50 Menschen in Lebensgefahr.

Was wir über das Attentat wissen

  • Im südfranzösischen Nizza ist am Donnerstagabend ein Mann mit einem LKW in eine Menschenmenge gerast. Auf einer Strecke von mehr als zwei Kilometern überfuhr er Männer, Frauen und Kinder; sie hatten an der Strandpromenade den französischen Nationalfeiertag mit einem Feuerwerk zelebriert.
  • Die Polizei erschoss den Fahrer des LKW. Die Polizei hat den mutmaßlichen Attentäter als Mohamed Lahouaiej Bouhlel identifiziert. Der 31-Jährige stammt aus Tunesien und lebte in Nizza.
  • Nach Angaben des Innenministeriums starben mindestens 84 Menschen, viele wurden verletzt. Rund 50 Menschen schweben am Freitagabend in Lebensgefahr, gab der französische Staatspräsident François Hollande bekannt. Unter den Opfern sind auch zwei Schüler und eine Lehrerin aus Berlin, sie waren auf einer Abi-Fahrt.
  • Ermittler fanden in dem LKW mehrere Gewehrattrappen und eine "nicht funktionsfähige Granate", berichtet Europe1.
  • Hollande sprach von einem "terroristischen Charakter" des Anschlags und verlängerte den Ausnahmezustand in Frankreich um drei Monate. Eigentlich hätte er am 26. Juli auslaufen sollen. (SPIEGEL ONLINE)

Der Journalist Richard Gutjahr hat den Anschlag gefilmt. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein großer weißer LKW in die Menge rast. Zunächst wird der Fahrer langsamer, dann scheint er Gas zu geben und steuert den Wagen in die Menschenmenge hinein.

Das Video:

So erlebte Richard Gutjahr die Szene:

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE berichtet der Journalist, wie er den Anschlag wahrgenommen hat:


Ich stand auf dem Balkon meines Hotelzimmers. Das Feuerwerk zum Nationalfeiertag war gerade vorüber. Plötzlich rollte ein weißer Lkw vorbei. Das passte nicht ins Bild, denn die Straßen waren für alle Fahrzeuge gesperrt. Der Lastwagen fuhr sehr langsam, einige Leute haben gebrüllt. Es wirkte eigenartig, deshalb habe ich angefangen, mit meinem Handy zu filmen.
Ein Motorradfahrer fuhr an den Lkw heran und versuchte vergeblich, während der Fahrt die Fahrertür zu öffnen. Das war wie in einem Kinofilm. An der Kreuzung haben Polizisten das Feuer eröffnet, dann hat der Fahrer Gas gegeben und die ersten Menschen überfahren. Ob wegen der Schüsse oder ob er es genauso geplant hat, kann ich nicht beurteilen. Das wäre Spekulation.

(Bild: imago)

Ein weiteres Video zeigt, wie Polizisten den Attentäter stoppen

Offenbar sprang ein Passant auf den Lastwagen und versuchte, den Attentäter zu stoppen. Das sagte Eric Ciotti, Präsident der Region Alpes-Maritimes, zu "Le Parisien". "Es war der Moment, in dem es den Polizisten gelang, den Terroristen auszuschalten."

Was wir über den mutmaßlichen Täter wissen

  • Die Polizei hat die Ausweispapiere des Tunesiers Mohamed Lahouaiej Bouhlel im LKW gefunden. Sie stellte anhand von Fingerabdrücken fest, dass er den LKW offenbar auch in die Menschenmenge gesteuert hatte.
  • Lahouaiej-Bouhlel arbeitete als Kurierfahrer, war wegen Gewaltdelikten vorbestraft und auf Bewährung frei, erst im März stand er wegen Körperverletzung vor Gericht. (SPIEGEL ONLINE). Der BBC zufolge war er Vater von drei Kindern.
  • Die Geheimdienste hatten den Mann offenbar nicht im Visier (Tagesschau), es gab keine Anzeichen für eine Radikalisierung (BuzzFeed).
  • Die Nachbarn berichteten dem französischen Fernsehsender BFMTV, Lahouaiej Bouhlel habe im Ramadan nicht gefastet und auch nicht gebetet. Außerdem sei Lahouaiej Bouhlel tunesischer Nationalist gewesen, sagte der Pariser Staatsanwalt, François Molins. Zum letzten Mal sei er vor acht Monaten in sein Heimatland gereist.
  • In dem Fahrzeug entdeckten die Ermittler eine scharfe Pistole. Außerdem sollen sich darin Gewehrattrappen und eine "nicht funktionsfähige Granate" befunden haben (SPIEGEL ONLINE).

(Bild: Mapbox/SPIEGEL ONLINE)

Was wir nicht wissen

Das Motiv für die Tat ist unklar.

  • Der französische Staatspräsident sagte, das ganze Land sei vom islamistischen Terror bedroht. Ob der Täter aber wirklich aus islamistischen Motiven handelte, ist derzeit nicht bekannt.
  • Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris hat die Ermittlungen übernommen. (SPIEGEL ONLINE)

Ob der Täter Komplizen hatte, ist ebenfalls unklar.

  • Hinweise darauf gab es nach Angaben des französischen Staatspräsidenten Hollande zunächst nicht. Am Nachmittag durchsuchte die Polizei die Wohnung des mutmaßlichen Attentäters. Bei einer weiteren Untersuchung im Norden der Stadt nahm die Polizei offenbar einen Verdächtigen fest. Das berichtet der französische Sender itélé.

So reagieren Staatschefs auf den Anschlag

Der französische Premierminister Manuel Valls äußerte sich im Anschluss an eine Sitzung des Verteidigungsrates:

  • "Frankreich wird mit dem Terrorismus leben müssen", sagte er. Der Terrorismus sei eine Gefahr, die das Land schwer belaste und noch lange belasten werde. Er machte seinen Landsleuten aber auch Mut:
  • "Frankreich ist ein großes Land und eine große Demokratie, die sich nicht destabiliseren lassen wird."

François Hollande schrieb auf Twitter:

  • "Frankreich ist bekümmert, traurig, aber es ist stark und es wird immer stärker sein als die Fanatiker, die es heute treffen wollen."
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In den vergangenen Monaten verübten Islamisten in Frankreich wiederholt Anschläge.

Ein Überblick:

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Ist das Prisma oder kann das Kunst?

14.07.2016, 18:26 · Aktualisiert: 15.07.2016, 09:53

Die iPhone-App Prisma macht aus Fotos kleine Kunstwerke. Bild schießen oder aus dem Album auswählen, fünf Sekunden warten, fertig. Die App zeichnet die gewählte Vorlage nach und imitiert auch schon mal die Pinselführung eines Van Goghs oder Roy Lichtensteins.

Völlig neu ist die Idee nicht, Photoshop stellt ähnliche Filter schon lange zur Verfügung. Einzig die Qualität der Ergebnisse ließ bislang zu wünschen übrig. Das hat sich jetzt – zumindest teilweise – gebessert.