Bild: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

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"In vielen Spinden hängen Wehrmachtsbilder"

04.05.2017, 12:36 · Aktualisiert: 04.05.2017, 13:13

Wie Hitler ist die Bundeswehr? Wir haben einen Ex-Offizier gefragt

In der Bundeswehr häufen sich gerade die Skandale

  • Erst soll ein Gebirgsjäger über Monate von Kameraden und Vorgesetzten sexuell belästigt worden sein. 
  • Dann wird Franco A., 28, verhaftet, weil er einen fremdenfeindlichen Anschlag geplant haben soll.

Besonders brisant: Man hätte viel früher auf ihn aufmerksam werden können. Die Masterarbeit von Franco A. soll von Rassismus und Verschwörungstheorien über das Aussterben der europäischen Rassen geprägt gewesen sein. Der Betreuer meldete den Fall bereits 2014, doch die Bundeswehr sah die Arbeit als Ausrutscher. Es gab keine Strafe und A. schrieb einfach eine zweite Masterarbeit.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat daraufhin die eigenen Truppen scharf kritisiert. Sie hätten ein Haltungsproblem, von falsch verstandenem Korpsgeist war die Rede. 

Die Bundeswehr wehrte sich gegen diese Unterstellung. Niemand könne nachvollziehen, "wie sich eine Ministerin jetzt sozusagen auf die Tribüne verabschiedet und über ihre Mannschaft urteilt", sagte André Wüstner. Er ist Chef des Bundeswehrverbands.

Wie verbreitet ist also Rechtsextremismus bei der Bundeswehr?

Wir haben bei einem ehemaligen Offizier und der Bundeswehr nachgefragt. 

Bundeswehr und Rechtsextremismus

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) ist dafür zuständig, Verdachtsfälle von Extremismus zu bewerten und zu ermitteln. Derzeit bearbeitet der Geheimdienst 280 Fälle im Bereich Rechtsextremismus – 120 Fälle aus 2016, 93 aus 2017 und die anderen 67 Fälle aus den Jahren zuvor. (Aktuelle Zahlen des Verteidigungsministeriums)

Worum geht es in den Fällen? Die Beschuldigten hätten rechtspopulistische und fremdenfeindliche Äußerungen von sich gegeben, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet oder zum Beispiel rechtsextreme Musik gehört. 

In der Bundeswehr sind derzeit rund 168.000 Berufs- und Zeitsoldaten und etwa 10.000 freiwillige Wehrdienstleistende aktiv.

Dominik, 32, arbeitete von 2004 bis 2013 bei der Bundeswehr. Nach einem Jahr als Reserveoffizier trat er die Offizierslaufbahn an und studierte Politikwissenschaft an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg.

(Bild: Privat)

Bei der Bundeswehr hatte er gehofft, etwas bewegen zu können. "Brunnen graben und Schulen bauen, wie es so schön heißt", sagt Dominik. Doch spätestens als er sich für seine Masterarbeit mit der "Inneren Führung bei der Bundeswehr" beschäftigte, kamen ihm Zweifel am Traum. "Immer wieder sprach man von Ehre, Treue zum Vaterland und Stärke – ganz in der Wehrmachtstradition." 

Mit dem konservativen Gedankengut wollte er nichts mehr zu tun haben.

Was bedeutet "Innere Führung"?

Wolf Graf von Baudussin hieß einer der Vordenker des Systems "Innere Führung". Sein Ziel: Ein Bundeswehrsoldat sollte anders agieren als seine Vorgänger aus Wehrmacht und Reichswehr. Gewaltexzesse und verbrecherische Befehle sollten ein für alle Mal verschwinden. Wenn Befehle und Vorschrift nicht im Einklang mit freiheitlich-demokratischen Werten stehen, muss sich jeder Soldat dagegen widersetzen, so die Idealvorstellung. 

Von Baudussin schrieb in den Fünfzigerjahren: Der deutsche Soldat soll ein "Staatsbürger in Uniform" sein. Es solle sich "ein Geist in der Truppe entwickelt, der in vollem Einklag mit den sittlichen Grundlagen und Wesensformen der freiheitlichen Lebensordnung steht." (Tagesschau)

Was hast du genau bei deiner Masterarbeit herausgefunden?

Ich habe 2012 zehn Offiziere interviewt. Es ging vor allem um die Frage, wie sehr sich die Bundeswehr in die Gesellschaft integriert. Im Kern hatten alle Interviews dieselbe Aussage: Die Befragten sehen sich als Teil einer Elite, als Helden, die in den Kampf ziehen und im Notfall ihr Leben opfern würden. Von der Gesellschaft gibt es dafür ihrer Meinung nach nicht genügend Anerkennung. 

Mit dem liberalen Weltbild der Mehrheit der Deutschen hatten ihre Antworten teils nicht viel gemein – in Zeiten von AfD und Co. bin ich mir aber auch nicht mehr sicher, dass dies Ausnahmen waren.

Ich weiß noch, welche Aussage mich damals am meisten erschütterte. Ich habe die Frage gestellt: "Ist dein Beruf ein Elitenberuf?" Die Antwort des Offiziers: "Das war bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts so. Es wird lange dauern, bis es wieder so ist." Allein hier erkennt man die Wertschätzung der Wehrmacht.

Das sind die Skandale in der Bundeswehr:

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Hast du noch mehr Situationen erlebt, die zeigen, wie weit rechtes Gedankengut in der Bundeswehr verbreitet ist?

Ich war neun Jahre lang in der Bundeswehr und ich verstehe nicht, warum man überrascht ist, wenn Fälle von Misshandlungen oder der von Franco A. publik werden. Die Zustände sind lange bekannt.

Ich bin zwar überzeugt davon, dass die Mehrheit der Soldaten nicht rechtsextrem ist, aber eine äußerst konservative Einstellung hat und sich mit nationalistischem Gedankengut identifizieren kann.

In vielen Spinden hängen Wehrmachtsbilder, zu meiner Zeit wurden auch noch viele dieser Bilder auf Festplatten ausgetauscht. Es ist gang und gäbe, dass von Ehre, Treue und Loyalität zum Vaterland gesprochen wird. Der Blitzkrieg gegen Polen im Zweiten Weltkrieg wurde von vielen meiner Kollegen als große soldatische Leistung gewürdigt. Es wurde eine klare Trennung zwischen Wehrmacht und NS-Staat gezogen.

Sind das Einzelfälle oder hat das Struktur?

Ich kann ja nur wiedergeben, was ich in meinem Kosmos erlebt habe. Aber der Bericht des Wehrbeauftragten zeigt jährlich, dass Misshandlungen und Extremismus dort keine Ausnahmen sind. So sind zum Beispiel zwischen 2015 und 2016 die gemeldeten sexuellen Belästigungen um 50 Prozent gestiegen.

Was das Führungspersonal betrifft, ist es natürlich nicht so, dass sich ein Offizier vor seine Truppe stellt und sagt: "Schaut mal, was die Wehrmacht geleistet hat", aber auch sie predigen den Kämpfermythos. 

Es ist gang und gäbe, dass von Ehre, Treue und Loyalität zum Vaterland gesprochen wird.

Kameraden und Vorgesetzte können Fälle von Rechtsextremismus melden. Funktioniert das?

Wenn jemand heimlich in seinem Spind Wehrmachtssymbole aufhängt, ist die Chance gering. Aber wenn jemand zum Beispiel öffentlich den Hitler-Gruß zeigt, wird das natürlich direkt geahndet. 

Und was braucht es, damit jemand aus der Truppe fliegt?

Da gibt es einen Fall aus meinem Offizier-Jahrgang. Damals machte im Netz ein Video die Runde, in dem ein Ausbilder seinen Untergebenen anweist, sich bei der Schießübung vorzustellen, er ziele auf Dunkelhäutige. Vor jedem Schuss soll er deshalb "Motherfucker" rufen. Der Offizieranwärter ist damals schnell weg gewesen, soweit ich es mitbekommen habe. Wäre das nicht gefilmt und online gestellt worden, wäre vermutlich nichts passiert. 

Wie bist du damals mit all dem umgegangen?

Auch ich habe damals gedacht, als Soldat habe man eine Sonderstellung. Wir seien die, die uns für alle anderen aufopfern und zu wenig Anerkennung bekommen. Aber meine Freunde, die nichts mit der Bundeswehr zu tun hatten, haben mich zu einem Umdenken bewegt. Auch ich habe damals als Offizier Dinge getan, auf die ich heute nicht mehr stolz bin.

Und wie reagiert die Bundeswehr?

Die Bundeswehr gehe "entschlossen mit allen zur verfügung stehenden Mitteln" gegen Extremismus – egal ob rechter, linker oder islamistischer Form vor, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums zu bento. "Besonders die Vorgesetzten sind verpflichtet, sich gegen jede Form des Extremismus zu stellen und in Verdachtsfällen Ermittlungen einzuleiten."


Haha

Der glorreiche Moment, wenn Liam Neeson dein Restaurant überfällt

04.05.2017, 11:17 · Aktualisiert: 04.05.2017, 19:55

Big Star Sandwiches ist, wie der Name verrät, ein Sandwichlokal. Bekannt ist der Laden in der Kanadischen Kleinstadt New Westminster für gigantische Brote, viel Käse und 13 Stunden geröstetes Rindfleisch – oder wie der Besitzer selbstbewusst behauptet: "Das beste verdammte Sandwich, das du je hattest."