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22.07.2018, 20:12 · Aktualisiert: 23.07.2018, 08:12

Warum Zehntausende gegen Hetze protestieren.

Mindestens 20.000 Menschen sind am Sonntag gegen einen Rechtsruck in der Gesellschaft in München auf die Straße gegangen. Vom heftigen Regen ließen sich viele nicht abhalten:

Weil sich Überzeugungen nicht im Wasser auflösen:

Die Veranstalter sprachen sogar von 50.000 Teilnehmern.

Die Demo und richtete sich gezielt gegen die "Politik der Angst" der CSU, gegen den Rechtsruck in Deutschland und die Verrohung in Politik und Sprache. Mehr als 150 Vereine, Gewerkschaften, kirchliche Gruppen und Organisatoren hatten die Demo gemeinsam auf die Beine gestellt. In dem Aufruf zur Demonstration hieß es, Parteien und insbesondere die CSU ließen sich "ihre Agenda von undemokratischen, menschenrechtsfeindlichen und rechten Populisten vorgeben". Seehofer und Söder würden eine "verantwortungslose Politik der Spaltung" betreiben.

Auch Kirchenvertreterinnen waren vor Ort:

Besonders das breite Bündnis gegen sie hat die CSU wohl in Rage versetzt. Diese hatte deshalb massiv gegen die Demo gewettert und sogar Anti-Plakate aufgehängt. (Süddeutsche Zeitung)

Bei der "Ausgehetzt"-Demo hatten sich auch das Münchner Volkstheater und die Kammerspiele beteiligt. Die Theater werden staatlich finanziert, die CSU im Münchner Stadtrat wollte ihnen daher vorab verbieten, an der Demo teilzunehmen. Die kurzfristige Kampagne war dann eine zweite Maßnahme, den Protest zu diskreditieren.

Was Beobachtern absurd vorkam:

Auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD-Mitglied, hatte sich für die Demo eingesetzt. Am Sonntag sagte er: "Der soziale Friede in unserer Stadt und in Bayern ist gefährdet. Durch Verrohung der Sprache und völlig falsche Prioritätensetzung. Wir stehen auf, immer wieder, wenn's notwendig ist."

Manche Demonstranten forderten allerdings auch Abschiebungen:

Und die, äh, Abhorstung:

Kein Wunder also, dass die CSU nicht begeistert war. Der Generalsekretär Markus Blume sagt nun, auf der Demo sei gegen die CSU gehetzt worden.

"Wer 'CSU-Rassistenpack' skandiert, wer der CSU unterstellt, Konzentrationslager vorzubereiten, oder wer die CSU für schuldig erklärt am Tod von Migranten im Mittelmeer, der hat jeglichen Anstand verloren und betreibt übelste Hetze." (Spiegel Online)

Was auch eine Rolle spielt: Die CSU ringt in Bayern gerade um ihre Mehrheit. Im Herbst sind Landtagswahlen, doch der Rechtskurs der Partei gefällt vielen Wählern nicht. Die einzige Partei, die durch Seehofers Aktionen gewann, ist die AfD. Die Forderung nach "politischem Anstand" ist wohl der Versuch der CSU, die eigene Politik umzudeuten.


Style

Machen Umkleidekabinen hässlich? Oder liegt es doch an mir?

22.07.2018, 18:06 · Aktualisiert: 23.07.2018, 15:23

Sechs Kabinen, ein Selbstversuch – und zwei Anrufe bei Experten.

Ich bin eine normal große Frau und wiege normal viele Kilos. Zwischen mir und meinem Körper ist soweit alles in Ordnung – meine Figur bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Und trotzdem gibt es eine Situation, in der mich regelmäßig der Selbstzweifel packt: Wenn ich eine Umkleidekabine betrete.

Neulich zum Beispiel. Ich bin auf eine Hochzeit eingeladen, brauche was zum Anziehen und ging deshalb in ein Geschäft. Die Kleider im Schaufenster gefielen mir, ich nahm fünf Stück mit in die Umkleide. Dort begann der Horror.

Im Spiegel sind auf einmal die seltsamsten Körperstellen hervor getreten. Ich sah traurig aus, müde, ungepflegt, kurz: nicht wie jemand, den man auf seiner Hochzeit haben wollte. 

Ich habe also alle Kleider allesamt verschämt an den "Nee, doch nicht"-Ständer gehängt und nicht nur das Geschäft, sondern gleich die ganze Fußgängerzone verlassen. Für die Hochzeit habe ich immer noch nichts zum Anziehen. Und mein Selbstbewusstsein dafür erst mal einen kleinen Knacks.

Als ich einer Freundin davon erzählte, machte sie ein mitfühlendes Geräusch und pflichtete mir bei, in diesem Geschäft seien die Umkleiden wirklich "besonders schlimm".