Bild: dpa/Montage: bento

Today

Alles ist möglich: Wer in Frankreich Präsident werden könnte

20.04.2017, 18:15 · Aktualisiert: 24.04.2017, 08:54

Und was das über das Land aussagt.

Diese Wahl ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes: Nicht nur, dass eine Rechtspopulistin und ein linker Europa-Kritiker weit vorne liegen im Rennen um die französische Präsidentschaft. Besonders ist auch die Unsicherheit, die kurz vor der Ziellinie alle in Atem hält.

Selten war so unklar, wer es in die Stichwahl schafft – und wer am Ende französischer Präsident wird.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Wahl in Frankreich.

Wie wird gewählt?

Der französische Präsident wird in zwei Etappen gewählt:

  1. Am kommenden Sonntag, 23. April, findet die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt. Dort wird "nur" entschieden, wer in die Stichwahl einzieht.
  2. Die Stichwahl findet dann am 7. Mai statt.

Um französischer Präsident zu werden, braucht ein Kandidat die absolute Mehrheit, also mehr als die Hälfte aller Stimmen. Das hat bislang noch niemand in der ersten Runde geschafft – deshalb gibt es von vornherein zwei Wahltermine.

Welche Kandidaten stehen zur Wahl?

Von den elf Kandidaten haben vier eine echte Chance, im zweiten Wahlgang anzutreten:

  • Marine Le Pen vom rechtsextremen "Front National" (FN)
  • Emmanuel Macron von der unabhängigen Bewegung "En Marche!" (EM)
  • François Fillon von "Les Républicains" (LR)
  • Jean-Luc Mélenchon von der Bewegung "La France insoumise" (FI)
dpa/Michel Euler
dpa/Michel Euler
dpa/Christophe Ena
dpa/Francois Mori
dpa/Christophe Petit Tesson
1/12

Die meisten Analysten gehen davon aus, dass Le Pen und Macron in die Stichwahl einziehen – und dass Macron dann gewinnt. Sicher ist das aber nicht. 

In aktuellen Umfragen liegen alle vier Kandidaten fast gleichauf. Das heißt: Es ist noch alles offen.

Es heißt aber auch: In Frankreich hat sich seit der Präsidentschaftswahl im Jahr 2012 einiges verändert.

Was macht die Lage so kompliziert?

Dafür gibt es drei wichtige Gründe. 

1. Von den Volksparteien hält das Volk nicht mehr viel.

Bei den vergangenen Wahlen haben die Präsidentschaft meist die beiden großen Parteien untereinander ausgemacht (BpB): links der Mitte die Parti Socialiste (PS) des aktuellen Präsidenten François Hollande, rechts der Mitte die "Union Pour un mouvement populaire" (UMP) seines Vorgängers Nicolas Sarkozy, die sich 2015 in Les Républicains umbenannt hat.

Diesmal scheint wahrscheinlich, dass es keine von beiden in die Stichwahl schafft: 

  • Der Kandidat der PS, Benoît Hamon, kommt in aktuellen Umfragen auf nicht einmal zehn Prozent. 
  • Der Kandidat der Republikaner, François Fillon, läuft zwar noch vorne mit. Nach den Skandalen um die Scheinbeschäftigung seiner Frau und geschenkte Maßanzüge gilt er aber nicht mehr als Favorit.

Stattdessen wenden sich die Franzosen den Kandidaten zu, die das "Establishment" oder die "Elite" infrage stellen. Der Front National schreit schon seit Jahren nach einer Abschaffung des "Systems" – und ist damit sehr erfolgreich. Marine Le Pen hat es geschafft, das starre Zweiparteiensystem aufzubrechen und den FN als eine Art dritte Volkspartei zu installieren (Deutschlandfunk).

Eine Femen-Aktivistin stört einen Wahlkampfauftritt von Le Pen in Paris.

Eine Femen-Aktivistin stört einen Wahlkampfauftritt von Le Pen in Paris. (Bild: Imago/IP3press)

Und auch die beiden anderen Favoriten, Macron und Mélenchon, haben das System verlassen, um es jetzt zu kritisieren: Beide waren einmal Mitglieder der Parti Socialiste, und beide haben inzwischen ihre eigene, unabhängige Bewegung gegründet. 

  • Macron sagt, die alten Parteien verfolgten nicht mehr das Gemeinwohl, sondern nur ihre eigenen Interessen (BFMTV, auf Französisch). 
  • Mélenchon fordert gar ein "Ende der präsidentiellen Monarchie" (BpB).

Gerade Macron nehmen viele die Kritik aber nicht ab. Er war jahrelang Teil des Systems, wurde quasi daraus geboren: Er besuchte die Elitehochschule ENA, war Banker bei Rothschild, Berater von Präsident Hollande und zuletzt Wirtschaftsminister; diesen Posten gab er im August 2016 auf. Macron selbst sagt dazu: "Ich habe die Leere unseres politischen Systems von innen gesehen" (BFMTV, auf Französisch).

Übrigens: Auch Fillon hat im Wahlkampf behauptet, er sei gegen das System (Le Monde, auf Französisch).

2. Die Franzosen scheinen einen Hang zum Radikalen zu entwickeln.

Marine Le Pen ist bei vielen Franzosen beliebt. Sie hat es in den vergangenen Jahren geschafft, den Front National etwas gemäßigter und moderner erscheinen zu lassen als das noch unter ihrem Vater Jean-Marie Le Pen der Fall war. Trotzdem: Ihre Positionen sind radikal und fremdenfeindlich. 

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Paris am Montag sagte Le Pen, die "massive Einwanderung" sei "ein Drama für Frankreich"; sollte sie Präsidentin werden, werde sie sofort einen Einwanderungsstopp umsetzen und "Frankreich die Grenzen zurückgeben" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung"). Außerdem will sie ein Referendum über den Austritt Frankreichs aus EU und Euro abhalten (BpB).

Radikale Ideen hat auch Jean-Luc Mélenchon: Er möchte die EU-Verträge neu verhandeln und – falls er damit scheitert (was wahrscheinlich ist) – ebenfalls aus der EU austreten. Er will eine "Revolution der Bürger" für mehr soziale Gerechtigkeit, verspricht hohe Mindestlöhne und hohe Steuern. 

Außerdem ist er russlandfreundlich und will raus aus der Nato. In den vergangenen Wochen hat Mélenchon rasant aufgeholt; seitdem tritt er, zumindest nach außen, etwas gemäßigter auf. (BpB)

Und dann ist da noch Emmanuel Macron: pro-europäisch, gemäßigt, weder links noch rechts. Er steht für Vernunft, für Pragmatismus, aber aus Sicht mancher eben auch ein bisschen für Langeweile.

3. Viele wissen nicht, wen sie wählen sollen – und ob sie überhaupt zur Wahl gehen.

Dass sich die Umfragen zuletzt noch so gedreht haben, zeigt auch, wie schwer es vielen Franzosen diesmal offenbar fällt, sich festzulegen. Noch wenige Wochen vor der Wahl gab etwa ein Drittel an, noch unentschlossen zu sein – so viele wie nie zuvor ("Ouest France", auf Französisch).

Noch schlimmer: Ungewöhnlich viele Franzosen wollen diesmal überhaupt nicht wählen. Laut Ifop-Fiducial waren es zuletzt knapp 30 Prozent. 

Besonders hoch ist der Anteil der potenziellen Nichtwähler unter den 18- bis 25-Jährigen: Einer Ifop-Studie zufolge wollen etwa die Hälfte von ihnen nicht wählen gehen – weil sie sich mit keinem der Kandidaten identifizieren können, gegen die wirtschaftlichen Verhältnisse protestieren wollen oder das Gefühl haben, Wählen bringe sowieso nichts ("Le Monde", auf Französisch).

Bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2012 stimmten beim ersten Wahlgang mehr als 80 Prozent der Franzosen ab; 2007 war die Wahlbeteiligung sogar noch ein wenig höher (SPIEGEL ONLINE). 

Weil 2002 viele Franzosen zuhause blieben, schaffte es Le Pens Vater, Jean-Marie Le Pen, überraschend in die zweite Runde. Das rüttelte die Franzosen auf: In der Stichwahl gingen wieder viele zur Wahl, eine überwältigende Mehrheit stimmte gegen Le Pen. 

Bleibt zu hoffen, dass es diesmal ähnlich glimpflich abläuft.

Du fragst dich, was du tun kannst? Bis zur Stichwahl am 7. Mai organisiert die Bürgerinitiative "Pulse of Europe" jeden Sonntag in vielen deutschen Städten Demonstrationen – gegen Populismus und für ein geeintes Europa. Hingehen!


Fühlen

Extrovertiert, offen, neurotisch: Was verrät dein Profilbild über deine Persönlichkeit?

20.04.2017, 17:54 · Aktualisiert: 22.04.2017, 18:58

Na, wie sieht dein aktuelles Profilbild bei Facebook, Instagram oder einer Dating-App aus? 

Ist es ein Selfie von dir? Dann bist du womöglich sehr gewissenhaft – oder auch introvertiert. 

Ist es vielleicht ein Bild von deinem Hund? Sorry, dann bist du eventuell neurotisch. 

Dein Profilbild sagt sehr viel über dich aus. Zu diesem Ergebnis kommen zumindest Wissenschaftler der amerikanischen University of Pennsylvania, die den Zusammenhang von Profilbildern und Persönlichkeit in einer groß angelegten Studie erforscht haben.