Bild: Baumschule Mütherich

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Großstädter stürmen Mini-Weihnachtsmarkt und lösen Chaos aus

06.12.2017, 18:04

Kreutzhäuschen steht kurz vor dem Kollaps – weil Anreisende offenbar zum ersten Mal eine Wiese betreten

Fußspuren im Schnee, der Geruch von Glühwein, das Knacken eines Lagerfeuers: So haben sich die Besucher den kleinen Bergischen Weihnachtsmarkt im 75-Seelen-Dorf Kreutzhäuschen bei Köln vermutlich vorgestellt. Der Ausflug in die Natur als Flucht vor dem weihnachtlichen Trubel der Großstadt.

Doch mit der Besinnlichkeit wurde es nichts: Nachdem die Veranstaltung bei Facebook im Internet die Runde machte, stand Kreutzhäuschen am ersten Adventswochenende kurz vor dem Kollaps.

Tausende wollten kommen, Hunderte standen stundenlang im Stau oder steckten mit ihren Autos im Schlamm. Und dann fiel vor Ort auch noch der Strom aus.

So sah der Markt in den Vorjahren aus – dann kam der Facebook-Hype.

So sah der Markt in den Vorjahren aus – dann kam der Facebook-Hype. (Bild: Baumschule Mütherich)

Dabei hatte das alles eigentlich harmlos angefangen.

Mit einer Gutscheinaktion und drei Events auf Facebook wollten die Betreiber einer kleinen Weihnachtsbaum-Plantage dafür sorgen, dass im Advent auch genügend Besucher kommen – nach Kreutzhäuschen zum Mini-Weihnachtsmarkt, der nur aus wenigen Buden besteht, die mitten im Wald stehen.

Weihnachtskrippe, Nikolaus-Darsteller, Spießbraten: "Sie werden hier Dinge finden, die Sie nicht oder selten auf anderen Märkten finden werden", hatten die Macher schon im Vorfeld versprochen.

Was am Wochenende in Kreutzhäuschen passierte, übertraf dieses Versprechen bei Weitem – denn der Markt war und ist derart überlaufen wie wohl kein anderer in Deutschland.

Überall lag Müll rum
Katharina bei Facebook

Neben rund 5.200 feste Teilnehmern hatten sich auf Facebook im Vorfeld auch mehr als 80.000 Interessierte angemeldet. Ein Ansturm, mit dem in dem Dorf wohl niemand gerechnet hat.

"Wenn hunderte Autos auf einer kleinen Straße mit nur einer Kreuzung stehen, geht das selten gut", sagt Norbert Wette, Chef der örtlichen Polizei. In den vergangenen Tagen waren war er mit seinen Kollegen im Einsatz, um die Besuchermassen unter Kontrolle zu kriegen – doch da war nicht mehr viel zu machen.

Das zeigt vor allem ein Blick in die Facebook-Gruppe des Marktes, in dem sich die Besucher mit ihren Erlebnisbeschreibungen gegenseitig übertreffen.

Wir sind ein kleiner Ort
Norbert Wette, Polizeichef

"Wir haben anderthalb Stunden gebraucht, um einen Parkplatz zu erreichen, von dem man auch ohne stecken zu bleiben wieder weg kam", schreibt da eine Frau namens Gabi. Insgesamt habe sie länger im Stau gestanden, als sich auf dem Markt aufzuhalten.

"Die Anwohner brüllten, die Leute draußen auf den Straßen brüllten und eure 'Einweiser' stehen vor dem Eingang und spielen auf ihrem Handy", beschreibt Lisa. Zu allem Überfluss habe auch das Angebot auf dem Mini-Markt nicht überzeugt: "Wenn ich auf einen Weihnachtsmarkt gehe, kauf ich doch keinen Ledergürtel oder eine Tischdecke!? Wo sind die Maronen? Crepe?"

"Überall lag Müll rum", kritisiert Katharina. Und auch Andreas kann es nicht fassen: "Die Wege waren teilweise Matsch."

Die Kommentatoren kommen aus allen Teilen Deutschlands – was sie eint, ist nur ihre Wut: Da wird gemeckert über zu wenig Essen, zu wenig Licht und zu viel Dreck.

War es wirklich so grausam – oder haben ein paar Großstädter gerade zum ersten Mal seit Langem eine Wiese betreten?

"Wir haben den ganzen Sonntag über Autos aus dem Schlamm gezogen", sagt Stephan Mütherich vom Betreiber-Team. Er wisse nicht, wieso so viele Leute den kleinen Markt sehen wollten.

Vielleicht liege es daran, dass sich manche Sorgen machten um die Sicherheit auf den Großstadt-Märkten. Vielleicht sei es aber auch einfach nur mal wieder romantisch – dem City-Eventspektakel zu entfliehen und stattdessen aufs Land zu fahren, um in völliger Einöde den eigenen Baum zu fällen.

Warum die Situation in seiner Gemeinde gerade eskaliert, ist für Mütherich noch immer ein Rätsel. Es habe schon mal einige Tausend Interessierte in der Facebook-Gruppe gegeben, aber der Massenansturm sei neu.

In die Facebook-Diskussion haben sich die Organisatoren mittlerweile eingeschaltet – sie bitten darum, künftig nur noch aus der Region anzureisen:

EILMELDUNG: Aufgrund des massenhaften Besucherandranges am Wochenende, möchten wir die Veranstaltung bei Facebook...

Posted by Bergischer Weihnachtsmarkt im Wald on Tuesday, December 5, 2017

Der Appell solle kein Boykott-Aufruf für den eigenen Weihnachtsmarkt sein, sagt Stephan Mütherich.

Auch wenn der Markt eben eher klein und gemütlich sei, werde auch in Zukunft jeder Besucher im Familienwald gern gesehen. Seine Eltern und er wünschten sich aber einfach nur eins: ein bisschen mehr Ruhe zur Weihnachtszeit.

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Art

Dieser Mann hat 40.000 Tattoos – jedes soll für ein totes Tier stehen

06.12.2017, 17:37 · Aktualisiert: 06.12.2017, 20:51

Alfredo Meschi trägt einen Ganzkörperanzug – nur, dass der nicht aus Stoff besteht, sondern aus Tinte. Seine Haut ist mit 40.000 schwarzen Kreuzen übersät. Sie sind auf seinem Bauch, auf dem Rücken, auf den Beinen und Händen, in den Achselhöhlen, und ein paar sind sogar im Gesicht.

Wer Alfredo fragt, warum er all diese Tattoos trägt, dem sagt er immer dasselbe: Sie symbolisierten die 40.000 Tiere, die weltweit sekündlich sterben müssten, weil Menschen sie töteten.