Bild: Pixabay

11.02.2018, 13:35

In der Spüle versammeln sich angeblich mehr Keime als in der Kloschüssel – so heißt es oft. Ist das Angstmacherei von Mitbewohnern, damit man öfter die Küche putzt? Oder ist tatsächlich etwas dran? Wir haben jemanden gefragt, der zu diesem Thema forscht: Prof. Dr. Dirk Bockmühl von der Arbeitsgruppe Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein Wahl.

Wie schlimm ist die Lage in einer durchschnittlich oft geputzten Küchenspüle wirklich?

"Wenn man die Mikroorganismen betrachtet, die in einem normalen Spülbecken vorkommen, findet man eine unglaubliche Vielfalt", sagt Bockmühl. "Im Wesentlichen sind es Organismen, die überall in der Umwelt vorkommen, also etwa Wasserkeime und Schimmelpilze, und dazu relativ viele, die über Nahrungsmittel in die Küche gebracht werden."

Besonders gefährlich seien dabei rohes Fleisch und rohe Eier. "Hier gibt es sehr häufig Verunreinigungen mit Fäkalkeimen, gerade bei Geflügelfleisch." Denn – um es plastisch zu sagen: Bei industrieller Geflügelschlachtung kommt vieles von dem, was vorher im Darm war, ans Fleisch. Und später zu uns in die Küche.

Das klingt unappetitlich. Und in der Toilette sieht es besser aus?

Im Normalfall schon. Denn hier kommen die Keime vor allem durch das Wasser, eher selten finden rohe Lebensmittel ihren Weg in die Kloschüssel.

Außerdem wird die Toilette vom Großteil der Menschen penibler gepflegt als die Küchenspüle.

"Und es gibt in der Toilette relativ wenige Nährstoffe, durch die Bakterien lange überleben können." Selbst, wenn sich Keime über längere Zeit im Klo hielten: Um uns gefährlich zu werden, müssten sie in unseren Körper gelangen – und das geschehe im Normalfall durch den Mund. Diese Gefahr sei bei der Toilette natürlich geringer als in der Küche, sagt Bockmühl.

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Zurück zu den Keimen in der Spüle: Was können sie denn schlimmstenfalls anrichten?

"Der ‚Klassiker‘ ist die Magen-Darm-Infektion mit Brechdurchfall“, sagt der Professor. „Bei vielen Durchfallerkrankungen wissen wir, dass sie meistens im häuslichen Umfeld übertragen werden.“ Das passiert zum Beispiel so: Die Erreger werden auf rohem Fleisch in unsere Küche gebracht. Wir schneiden das Fleisch, spülen das Brett kurz ab, in der Spüle liegt das Messer, mit dem wir kurz darauf die Gurke für den Salat schälen – und das bekommt in diesem Moment Keime ab. Weil wir die Gurke roh essen, kann sie die Keime auf uns übertragen. Noch einfacher geht es natürlich, wenn man Fleisch und Gurke direkt auf dem gleichen Brett schneidet, die Spüle muss dabei nicht unbedingt Rolle spielen.

Wie also vorgehen?

Man kann einfach bei rohen tierischen Lebensmitteln besonders vorsichtig sein. Nicht nur bei Fleisch, auch bei Eiern. Eier werden in Deutschland vor dem Verkauf nicht gewaschen, damit ihre natürliche Schutzschicht erhalten bleibt. Das aber bedeutet gleichzeitig, dass Reste aus dem Hühnerdarm über die Eier in unsere Küche transportiert werden können. Für uns heißt das:

Hände waschen, nachdem wir die Eier aufgeschlagen oder zum Kochen ins Wasser gegeben haben.

"Und die Lebensmittel, die wir roh essen, besonders im Blick halten: Sind Salat und Brot mit Eierschale und Fleischsaft in Kontakt gekommen?"

Spülen helfe übrigens immer, sagt Bockmühl. Wenn die Gurke versehentlich auf dem Fleischbrettchen gelandet sei, könnten wir die meisten Keime entfernen, wenn wir die Gurke einfach gut abspülten. Und wir sollten auch nicht gleich in Panik verfallen. „Ich werde nicht sofort krank, nur weil ein Keim in der Spüle saß, dafür braucht es immer einen Infektionsweg und eine bestimmte Dosis – und die hängt immer von der jeweiligen Art ab.“

Wenn man das alles hört, mag man kaum an den Spülschwamm in der eigenen Küche denken. Wie sieht es denn hier mit dem Keimbefall aus?

"Da sind unglaublich viele Bakterien zu finden“, sagt Bockmühl. "Auch wenn die uns natürlich nicht alle krankmachen.“ Etwa alle zwei Tage sollten Schwämme und Lappen ausgetauscht werden – entweder wirft man sie weg oder man wäscht sie.

Wichtig beim Waschen: "Gegen Keime hilft in der Waschmaschine ein 60-Grad-Programm mit Vollwaschmittel in Perl- oder Pulverform, weil nur das Bleichmittel auf Sauerstoffbasis enthält.“ Flüssigwaschmittel sind in dieser Hinsicht weniger effektiv – es sei denn, man gibt Bleiche separat in die Maschine.

Und in der Küche selbst? Helfen da nur Chemie-Keulen?

"Im Normalfall reichen ganz klassische Reinigungsmittel“, sagt Bockmühl. "Wichtig ist, dass man den Schmutz entfernt, weil in der Regel dort die Bakterien drinsitzen. Beim typischen Schmutz in der Küche hilft Fettlöser am besten.“

Desinfektionsmittel sind normalerweise nicht nötig, um alle Keime zu besiegen, genauso wie Chlorreiniger. "Mit Chlorreiniger bekommt man Oberflächen zwar fast steril, aber das ist eine starke chemische Keule, die sollte man nur selten benutzen und in die Umwelt einbringen.“ Wenn der Kühlschrank mal komplett verschimmelt ist, kann man zu diesem Mittel greifen.

Beim ganz normalen Küchenputz können wir auf Chlor verzichten.

Ok, die Frage, vor der uns jetzt graut: Wie oft müssen wir die Spüle putzen, um die Keime im Griff zu halten?

Pauschal kann man das leider nicht sagen – weil es natürlich stark davon abhängt, wie oft wir kochen, rohes Fleisch schneiden und wirklichen Schmutz hinterlassen.

Und: Wer eine Spülmaschine hat, ist klar im Vorteil! Alle potenziell mit Keimen infizierten Bretter und Messer würden da richtig sauber, sagt Bockmühl. "In der Maschine herrschen viel höhere Temperaturen als beim Spülen vom Hand und praktisch alle Reinigungsmittel haben Bleichekomponenten.“ Also schon vor der Fleisch-Bearbeitung darauf achten, dass das entsprechende Brett in die Spülmaschine darf. "Was verschmutzt in die Spülmaschine hineingeht, kommt relativ keimfrei wieder heraus", sagt Bockmühl. "Das haben wir ausgiebig untersucht.


Gerechtigkeit

In einem Dorf in Thüringen gibt es immer wieder Neonazi-Konzerte. Was ist da los?

11.02.2018, 13:33

Und was macht das mit den Menschen vor Ort?

Im Gasthaus "Goldener Löwe" ist die rechtsextreme Welt in Ordnung. Ein Nussknacker auf dem Regal hebt im 45-Grad-Winkel den Arm zum Gruß, auf einem Kissen ist ein Landser mit Gewehr im Anschlag zu sehen, und Rentner Hans bestellt einen Kaffee – "aber in der braunen Tasse". Er lacht.

Vielen Menschen in der südthüringischen Kleinstadt Themar ist das Lachen schon länger vergangen.