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Ist es wirklich ungesund, sich auf öffentlichen Toiletten hinzusetzen?

26.09.2017, 12:26

​Klären wir das – ein für alle Mal

Ekel ist ein verdammt starkes Gefühl. 

Vielleicht übertreiben wir aber alle ein bisschen, mit unserer Angst, in öffentlichen Toiletten würden überall Keime lauern. Wenn wir quadratmeterweise Papier verschwenden, um bloß nichts zu berühren. Wenn wir so tun, als wäre die Benutzung einer öffentlichen Toilette so riskant wie ungeschützter Sex mit einem Fremden.

Aber was, wenn es wirklich bedenklich ist, eine öffentliche Toilette zu benutzen und sich da hinzusetzten. Wir haben Christiane Reichardt, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin, gefragt.

Papier auslegen oder halb stehen, halb hocken: Was ist besser?

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fühlen@bento.de.

Vermutlich haben wir alle unsere eigene Taktik, um Keimen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten – welche ist die beste? Die Antwort der Expertin:


Papier auslegen ist eine Maßnahme, die nur das persönliche Empfinden beruhigt.

"Vielleicht findet man die Vorstellung unangenehm, wer alles vor uns auf der Toilette saß.“ Man kann es also machen, aber zum Schutz vor Erregern ist es nicht nötig. Und was die Sache mit der Hocke angeht: Dadurch erhöhen wir die Chance, dass es spritzt – und sorgen selbst dafür, dass die Hygiene leidet.

Die beste Lösung auf einem sauberen Klo ist also schlicht: hinsetzen. Denn:

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass man sich auf einer öffentlichen Toilette mit Krankheiten infizieren kann
Dr. Christiane Reichardt

"Drastisch gesagt: Krankheitserreger müssen an die Hände und von dort aus in den Mund kommen. Wenn es eine Ansteckung auf öffentlichen Toiletten gibt, dann also höchstens über kontaminierte Hände." sagt Christiane Reichardt, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin. Dagegen können wir etwas tun – wenn wir die wichtigsten Fakten und Strategien kennen.


Welche Konsequenzen drohen? 

Womit könnten wir uns denn anstecken, wenn wir zulassen, dass Erreger aus der Toilette an unsere Hände und dann über den Mund in unseren Körper gelangen? "Ein denkbares Risiko wäre, dass jemand mit einer Durchfallerkrankung die Toilette vor mir benutzt und sie dabei – sagen wir mal – massiv verunreinigt“, sagt Dr. Reichardt. In diesem Fall würden wir die Gefahr allerdings mit bloßem Auge sehen – und sollten besser warten, bis die Nachbarkabine frei ist.

Wie sieht es am Boden aus?

Vor allem für Frauen oft die wichtigste Frage: Wo ist der Haken, an den wir die Tasche hängen, damit sie bloß nicht den Fußboden berührt? Meistens werden wir fündig – aber was ist, wenn nicht? "Jeder Fußboden ist mit Dreck und sicher auch mit Erregern kontaminiert. Das gilt genauso für Restaurants oder öffentliche Verkehrsmittel“, sagt Dr. Reichardt. 

Wer nicht möchte, dass seine Tasche verschmutzt wird, stellt sie dort nicht ab.

Genau wie auf dem Boden einer öffentlichen Toilette.“ Und wieder gilt: Um krank zu werden, müssen die Keime von der Tasche an den Mund gelangen – das Risiko ist also überschaubar.

Woran erkennen wir einen hohen Hygiene-Standard?

Wenn ein Reinigungsservice vor Ort ist – wie mittlerweile oft in Einkaufszentren oder Raststätten – dann ist es einfach. Ansonsten hilft es, dem eigenen Eindruck zu vertrauen und nach einer Liste mit Unterschriften des Reinigungsdienstes Ausschau zu halten. Hat sich dort täglich jemand eintragen, vielleicht sogar mehrmals täglich? Im Worst Case gibt es dort zwar eine Liste mit Terminen – aber keine Unterschriften.

Besteht Grippe-Gefahr?

In der Grippe-Zeit haben wir ständig Angst, uns irgendwo anzustecken. Die Büro-Toilette besuchen täglich viele schnupfende Kollegen. Im Café wissen wir nicht einmal, wie viele hustende Kunden dort schon saßen. Ein Grund zur Beunruhigung? „Natürlich kann man in der Grippe-Zeit auf öffentlichen Toiletten auch Influenza-Erreger finden, zum Beispiel auf Türklinken“, sagt Dr. Reichardt. „Aber wir fahren ja auch Bahn und berühren viele sogenannte highly touched surfaces, wie Türklinken oder Touch Screens. In unserem Alltag begegnen wir vielen Erregern, ohne dass eine Erkrankung erfolgt und eine öffentliche Toilette ist kein besonderer Hotspot.“

Und wie ist das mit sexuell übertragbaren Krankheiten?

Ist es wirklich nur ein Mythos, dass man sie sich auf einem schmutzigen Kneipenklo einfangen kann? „Sexuell übertragbare Krankheiten heißen so, weil sie beim Sex übertragen werden“, erklärt die Hygiene-Expertin. "Für eine Ansteckung ist intensiver Schleimhautkontakt notwendig.“ Und zu dem kommt es auf Toiletten nicht. Wer sich mit Syphilis oder Tripper infiziert hat, sollte also gedanklich die Bekanntschaften der letzten Zeit durchgehen – das Kneipenklo kann nichts dafür.

Wie schützen wir uns selbst? 

Die zentrale Regel ist gleichzeitig die einfachste: Hände waschen – und zwar gründlich! Das haben wir alle schon als Kinder gelernt, aber vermutlich nehmen wir uns nur selten genug Zeit dafür. "Für eine gründliche Reinigung gibt man Seife und Wasser auf die Hände, reibt sie 30 bis 60 Sekunden ein und spült sie dann gut ab.“ Die Expertin sagt: "Die meisten Menschen sind dabei zu oberflächlich und es ist erschreckend, wie viele sich nach der Toilettenbenutzung überhaupt nicht die Hände waschen.“

Welches Risiko wird unterschätzt?

Bei einer Sache sollten wir aufpassen. Auch wenn wir uns noch so gut die Hände waschen wollen: Seife am Stück ist die falsche Wahl. "So etwas gibt es manchmal in der kleinen Toilette an der Tankstelle, das hat in öffentlichen Bereichen aber nichts verloren“, stellt Dr. Reichardt klar. "Dort sollte es Seifenspender geben, genau wie Papierhandtücher statt Stoffhandtüchern.“ Sonst besteht die Gefahr, dass wir uns am Ende dort noch Erreger einfangen.


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