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Nein! Warum das Mahnmal vor Höckes Haustür eine dumme Idee ist

23.11.2017, 13:28 · Aktualisiert: 24.11.2017, 14:17

Es gibt Dinge, die sind vielleicht gut gemeint, aber am Ende sind sie falsch. Die Aktion, mit der das Zentrum für politische Schönheit gestern Björn Höcke getrollt hat, gehört leider in diese Kategorie. Es ist nicht das erste Mal, dass die Aktionskünstler so daneben greifen.

Doch von vorn. Worum geht es? Das Zentrum für politische Schönheit hat aufwendig das Nachbargrundstück von AfD-Rechtsaußen Höcke in Thüringen gemietet, um darauf eine Mini-Version des Berliner Holocaust-Mahnmals zu errichten.

Schaut Höcke jetzt aus dem Fenster, muss er auf 24 Betonstelen blicken. Das Ziel der Kampagne ist klar: Die Stelen sollen Höcke an seine "Dresdner Rede" erinnern, in der er Anfang Januar das echte Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande" genannt und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert hatte.

Das hat Höcke in seiner Rede gesagt:

Die Aktion ist eine einzige Provokation.

Doch sie zeigt gleichzeitig auch, wie wenig sich die Aktivisten sich für echten politischen Protest interessieren.

In fast ganz Deutschland gingen in den vergangenen Jahren mutige Menschen immer wieder stundenlang auf die Straße, um dem Hass von Rechts etwas entgegenzusetzen. Um Pegida etwas zu erwidern, der AfD Paroli zu bieten oder um Nazi-Demonstrationen durch zivilen Ungehorsam zu verhindern.

Statt Hochglanzvideos, enormem Medienecho und einer Vielzahl von Spenden (das Zentrum hat gestern innerhalb weniger Stunden über 60.000 Euro gesammelt) gab es oft Drohungen, Anfeindungen und sogar Schläge für die Demonstranten. Bepöbelt wurden sie übrigens auch von Politikern der bürgerlichen Mitte, die meinten, es sei doch jetzt auch mal wieder gut.

Das Zentrum für politische Schönheit konzentriert sich stattdessen lieber auf die großen Gesten, sammelt Gelder und baut Holocaust-Denkmäler. Doch was soll die Aktion eigentlich bringen? Es ist kaum zu erwarten, dass Björn Höcke seine Haltung wegen einer Denkmal-Kopie vor seiner Tür ändert. Seine Fans werden es ebenso wenig.

Stattdessen dürfen AfD-Politiker wie Jens Maier, der bei Höckes Rede in Dresden direkt neben ihm saß, jetzt über ein Holocaust-Mahnmal schreiben: "Höckes Haus thront über der Betonwüste." Selten konnte man sich das hässliche, polternde Lachen der Rechten so bildlich vorstellen.

Auch die Kampagne des Kollektivs, die so laut vorgibt, den Gedanken des echten Mahnmals schützen zu wollen, interessiert sich in Wahrheit wenig für die Opfer des Holocausts.

Auf der Kampagnenseite kommen sie kein einziges Mal vor. Der Name Björn Höcke fällt dagegen 26 Mal.

Immer wieder haben die Kritiker darauf hingewiesen, dass die Aktivisten des Zentrums für politische Schönheit ein seltsames Kunst-Verständnis haben. Erlaubt ist, was knallt. Kinder aus Syrien retten, um einen neuen Holocaust zu verhindern. Flüchtlinge an Tiger verfüttern, weil sie doch keiner will. Wer könnte da nicht bewegt sein? Die Aktionen sind hochdramatisch. Und nach drei Tagen meist wieder vergessen wie ein Zirkus-Besuch.

Wenn jemand so etwas verdient hat, dann er, sagen viele.

Dazu kommt: Das Zentrum geht immer einen Schritt zu weit. Ganz bewusst. Dieses Mal wollen die Aktivisten "pikante Details" aus Höckes Leben preisgeben, falls dieser sich nicht durch einen Kniefall vor dem Mahnmal läutert. Zur Erpressung kommt Überwachung: Die Aktivisten haben Kameras auf Höckes Haus gerichtet, von denen keiner so richtig weiß, ob sie eigentlich echt sind. Aus Sicht des Betroffenen dürfte das allerdings egal sein, die glaubhafte Drohung ist das, was zählt.

Wie rechtfertigen die Aktivisten das? "Gegen Nazis wenden wir Nazimethoden an", sagen sie. Das sagt sich leicht, denn die Aktion richtet sich gegen Björn Höcke. Wenn jemand so etwas verdient hat, dann er, sagen viele. Aber Tatsache ist: Würden diese Methoden gegen linke Aktivisten angewendet, fände das plötzlich niemand mehr lustig. Zu Recht.

Um Höckes Hetze zu entlarven, braucht es ohnehin keine Videokameras auf sein Wohnzimmer – und auch kein kopiertes Holocaust-Mahnmal.

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