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Twitter ignoriert Hasskommentare – Shahak Shapira sprüht sie ihnen vor die Haustür

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07.08.2017, 17:03 · Aktualisiert: 07.08.2017, 17:57

Protest oder Hetze? Diese Frage stellten sich vergangene Woche womöglich viele, die den Platz vor Twitters Deutschlandzentrale in Hamburg überquerten.

"Lass mal wieder zusammen Juden vergasen.. Die Zeiten damals waren schön", stand da zum Beispiel in großen Buchstaben auf den Boden gesprüht. Oder: "Schon wieder ein Haufen Kanacken angekommen. Haben die die Ausfahrt nach Auschwitz verpasst???"

Die Hassbotschaften waren echte Tweets – jeder wurde mit Twittersymbol und Twitternamen versehen. Der unbekannte Graffitisprayer hatte sie gleich dazu geschrieben (Berliner Morgenpost).

Jetzt hat sich der Berliner Satiriker Shahak Shapira dazu bekannt, die Hassbotschaften gesprüht zu haben.

In einem Video, das Shapira – natürlich – auch auf Twitter veröffentlichte, erklärt er, dass er in den vergangenen sechs Monaten etwa 450 Hasskommentare bei Twitter und Facebook gemeldet hat. Dabei ging es nicht um einfache Beleidigungen, sondern ernstgemeinte Gewaltandrohungen, Homophobien, Ausländerfeindlichkeit – "also Dinge, die niemand sagen sollte und auch niemand lesen sollte."

  • Facebook löschte Shapira zufolge rund 80 Prozent der gemeldeten Nachrichten.
  • Von Twitter aber bekam der Autor in sechs Monaten genau neun Antworten – und das bei mehr als 300 gemeldeten Tweets.
  • In allen neun Antworten schrieb Twitter, dass kein Verstoß gegen Konzern-Richtlinien vorliege.

Also dachte Shahak Shapira: "Wenn Twitter mich zwingt, diese Dinge zu sehen, dann müssen sie's auch zu sehen bekommen."

Von all den Hasstweets, die Twitter nicht gelöscht hat, suchte sich Shapira 30 aus und sprühte sie mithilfe von Schablonen vor die Konzernzentrale in Hamburg.


Einige verstanden die Aktion falsch und warfen wiederum Shapira Volksverhetzung vor. "Ich würde mir wünschen, dass diese Menschen den gleichen Elan bei echten Hetzern hätten", so der Satiriker. Offenbar brauche es drastische Aktionen wie diese, um überhaupt etwas in Bewegung zu setzen. "Hetze scheint Menschen erst etwas auszumachen, wenn sie vor ihrer Haustür steht, nicht im Internet. Aber man kann sowas doch nicht umkommentiert stehen lassen."

Für die Graffities verwendete der Berliner Kreidespray, das bei Wasserkontakt verschwindet. Der Platz wurde dann auch schon am nächsten morgen gereinigt – allerdings nur direkt vor dem Gebäude. Für Shapira passt das gut zur Twitterpolitik, die er kritisiert: "Vor der eigenen Haustür kehren, um den Rest sollen sich die andern kümmern." Ob Twitter die Reinigung veranlasst hat, ist allerdings unklar.

Das Unternehmen selbst stand für ein Statement bislang nicht zur Verfügung. Auch Shapira hat bislang keine Reaktion erhalten. Aber das verwundert ihn nicht mehr.

Auf bento hat Shahak Shapira erklärt, was er von der AfD hält:


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Frauen sollen in Berlin künftig im Stehen pinkeln

07.08.2017, 14:15 · Aktualisiert: 07.08.2017, 19:16

Es gehört zu den Ungerechtigkeiten der Geschlechtsunterschiede, dass Männer im Stehen pinkeln dürfen, während sich Frauen dafür hinsetzen sollen.

Das Problem beginnt für eine Frau im Grunde, sobald sie ihr Haus und damit das Klo im bevorzugten Reinheitszustand verlässt: In Bars, auf Festivals und Partys lästig, und auch auf öffentlichen Toiletten treiben einen die vorhanden Sanitäranlagen ziemlich schnell an die Grenzen des Ekelempfindens