Bild: epa/ Valda Kalnina

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Kann Russland wirklich Trump erpressen? Was an dem neuen Geheimdienstbericht dran ist

11.01.2017, 13:44 · Aktualisiert: 11.01.2017, 17:14

Ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes wirft dem künftigen US-Präsidenten vor, von Russland erpressbar zu sein. Es gebe eine explizite Szene aus einem Hotel in Moskau, die ihn angreifbar mache. Das geht aus einem Bericht hervor, der inzwischen veröffentlicht worden ist. Die US-Geheimdienste informierten sowohl Barack Obama als auch Donald Trump vorab über den Inhalt des Berichtes. Ob die Vorwürfe zutreffen, ist aber völlig unklar.

Donald Trump reagierte auf Twitter: Die Meldungen seien ein "Fake" und eine "politische Hexenjagd". Die Geheimdienste hätten es niemals zulassen dürfen, dass der Bericht geleakt werde, schrieb er – und fragte dann, ob wir "in Nazi-Deutschland leben" würden.

Wer hat recht? Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was steht in dem Bericht?

  • Russland soll Trump bereits seit fünf Jahren "unterstützt" haben. Unter anderem habe Trump Informationen über seine Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton erhalten. Die amerikanischen Geheimdienste vermuten seit Langem, dass sich Russland in den US-Wahlkampf eingemischt hat, um Donald Trump zu helfen. (hier mehr dazu auf bento).
  • Der russische Geheimdienst habe dem Bericht zufolge "perverse Sexpraktiken" Trumps "aufgezeichnet": Demnach soll Trump 2009 mehrere Prostituiere engagiert haben, die auf das Bett der Moscow Suite im Ritz-Carlton-Hotel in Moskau urinierten. Auch durch weiteres "peinliches Material" sei er erpressbar.

Hier findest du das komplette Dokument.

Wie reagierten Trump und Russland auf die Anschuldigungen?

Abgesehen von dem Tweet gab Donald Trump bisher kein Statement ab. (Quartz). Allerdings will Trump am Mittwochabend vor die Presse treten, die Pressekonferenz war seit Langem geplant.

Die russische Regierung weist den Bericht zurück. Moskau besitze keine brisanten Informationen und kein kompromittierendes Material über das Privatleben von Trump, sagte ein Kreml-Sprecher am Mittwoch. Die Geschichte sei "ein Bluff" (Russia Today).

Von wem stammt der Bericht? Und wie wurde er geleakt?

Der Bericht soll seit Wochen mehreren US-Medien vorliegen, sie sahen zunächst von einer Veröffentlichung ab, weil sie die Vorwürfe nicht verifizieren konnten. Trotzdem ist der Bericht nun überall zu finden und sorgt in Washington für große Aufregung. Hier eine Rekonstruktion, wie das Dokument nun doch überall zu finden ist:

  1. Ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes MI6 hat den Bericht geschrieben. Inzwischen betreibt er eine private Geheimdienstfirma.
  2. Laut CNN hat er in der Vergangenheit in Russland gearbeitet und gilt als glaubwürdig.
  3. Im vergangenen Jahr soll er sowohl für die Republikaner und für die Demokraten die Verbindung Donald Trumps zu Russland erforscht haben.
  4. Ende Oktober – eine Woche vor der US-Wahl – berichtete Mother Jones erstmals über das Dokument, allerdings ohne die expliziten Details.
  5. Anfang Januar wurden Obama, Trump und andere hochrangige Regierungsmitglieder von US-Geheimdiensten informiert, dass Russland Material besitzen könnte, das Donald Trump kompromittieren könnte.
  6. Am Dienstagabend stellte Buzzfeed als erste Nachrichtenseite das Dokument ins Netz.
  7. Andere US-Medien sprangen Mittwoch auf die Enthüllung auf, distanzierten sich aber auch: Die einzelnen Vorwürfe in dem Bericht konnten sie nicht bestätigen.

Buzzfeed-Chef Ben Smith begründete die Enthüllung mit seinem Wunsch nach Transparenz. Die US-Bürger sollen sich anhand des Dokuments ein eigenes Bild machen, das schrieb er per E-Mail an die BuzzFeed-Mitarbeiter, später postete er das Statement auf Twitter.

Im Überblick: Trumps Regierungsmannschaft

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Wie glaubwürdig ist das Dokument?

Wenig glaubwürdig. Der Bericht enthält Rechtschreibfehler, der britische Agent – auch wenn er in der Vergangenheit als glaubwürdig galt – steht mit seinen Behauptungen alleine da. Allerdings berichten mehrere US-Medien, dass die US-Regierung die Sache zumindest ernst nimmt (CNN). Andere Geheimdienstler reagierten mit "interessierter Skepsis" auf das Dokument (Wired).

Trumps Anwalt, der laut dem Bericht mehrmals nach Prag gereist sein soll, bestreitet das. Er sei noch nie im Land gewesen ("The Atlantic").

Warum dann all die Aufregung?

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist angespannt. Donald Trump hat bereits angedeutet, es verbessern zu wollen. Kritiker werfen ihm vor, durch den Kuschelkurs zum autokratisch regierenden Putin amerikanische Werte zu verraten. Sollte sich herausstellen, dass der künftige US-Präsident wirklich erpressbar sein sollte, wäre das ein Skandal.


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Wie "Darth Vader" mich in der Virtual Reality sexuell belästigt hat

11.01.2017, 10:47 · Aktualisiert: 11.01.2017, 15:12

Orientierungslos bewege ich mich durch die Halle, deren Wände an die zehn Meter hoch sind. Durch die Fensterfront sehe ich den Himmel, unter dem Horizont den Wald. "Hallo, wie geht es dir?", höre ich eine Stimme hinter mir. Ich drehe mich um und sehe eine Pixelfigur, lilafarbene Rüstung, keine Beine, schwarzer Helm. "Ich bin Annie, kann ich dir irgendwie helfen?"

Annie ist Moderatorin des "Welcome Space", der virtuellen Lobby von AltspaceVR, einem Treffpunkt in der virtuellen Realität (VR). Hier können Nutzer gemeinsam mit anderen Avataren Spiele spielen, aber auch Online-Partys oder Workshops besuchen. Annie hilft den Besuchern, sich zurecht zu finden und passt auf, dass sich alle an die Regeln halten. "Beleidigungen oder Belästigungen sind nicht erlaubt", sagt sie.