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Frauen in Frankreich wehren sich mit einem offenen Brief gegen #MeToo

10.01.2018, 14:19

Eine Gruppe von rund 100 französischen Frauen hat am Dienstag einen Schreiben veröffentlicht, in dem sie sich gegen die MeToo-Debatte aussprechen. Zu den Unterzeichnerinnen gehören unter anderem die Schauspielerin Catherine Deneuve sowie die Schriftstellerinnen Catherine Millet und Catherine Robbe-Grillet.

Der offene Brief erschien in der französischen Tageszeitung "Le Monde". Darüber steht: "Wir fordern die Freiheit, aufdringlich werden zu dürfen."

Die Autorinnen kritisieren, dass die #MeToo-Debatte ein "totalitäres Klima" und eine "Kampagne der Denunziation und öffentlicher Anschuldigungen" ausgelöst hätte. So schreiben sie unter anderem:

„Männer wurden in der Ausübung ihrer Berufe sanktioniert, sie mussten zurücktreten, obwohl ihr einziges Vergehen war, ein Knie berührt, einen Kuss zu ergattern versucht oder ‚Intimes‘ während eines professionellen Abendessens angesprochen zu haben oder auch Nachrichten mit sexueller Konnotation an eine Frau geschickt zu haben, bei der die Anziehung nicht auf Gegenseitigkeit beruhte.“

Durch MeToo habe sich in den sozialen Medien ein "Fieber" breitgemacht, in dessen Verlauf Männer grundsätzlich als "Schweine" stigmatisiert würden – ohne sich verteidigen zu können. Als Frauen würden sie sich in diesem Feminismus nicht wiederfinden, heißt es weiter. Und:

„Wir sind heutzutage ausreichend gut informiert, um einzuräumen, dass sexuelle Triebe von Natur aus offensiv und wild sind, aber wir sind gleichermaßen auch klarsichtig genug, um unbeholfene Anmache von sexueller Aggression zu unterscheiden."

Zur sexuellen Freiheit gehört für die Autorinnen auch eine "Freiheit zu belästigen."

Zwar räumen sie ein, dass die Weinstein-Entlarvungen, mit der #MeToo überhaupt angefangen haben, wichtig war. "Aber genug ist genug." Das ständige Anprangern würde nur Moralaposteln in die Hände spielen und keinerlei Anmachen oder Flirten mehr möglich machen.

Der französische Brief steht im starken Gegensatz zu den Reaktionen von Frauen in den USA. Dort hatten Künstlerinnen erst kürzlich die Initiative "Time's up" gestartet, mit denen sie Frauen in allen Berufen im Kampf gegen sexuelle Belästigung helfen. (bento)

Und bei der Verleihung der Golden Globes setzten Schauspielerinnen ein Zeichen, in dem sie sich alle in Schwarz kleideten:

Natürlich ernteten die Französinnen prompt Kritik: Weil sie damit nicht nur den Unterschied zwischen sexueller Belästigung und Flirten verkennen, sondern auch den Kern der #MeToo-Debatte: den Missbrauch von Macht.

Der Beitrag deckt einen gängigen Denkfehler auf: Dass Frauen sich ändern müssen, nicht Männer. So schreibt etwa die Journalistin Barbara Kostolnik:

"Immerhin möchten Deneuve und ihre Mitunterzeichnerinnen ihre Töchter so erziehen, dass die ihr Leben ohne Schuldgefühle und ohne Einschüchterung leben können. Auf die Idee, dass man Söhne so erziehen könnte, dass sie Frauen besser behandeln, sind die Frauen um Madame Deneuve gar nicht erst gekommen."

Auch in Deutschland sind im Zuge von #Metoo zuletzt Frauen mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gegangen:


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Model Lauren Wasser verliert ihr zweites Bein. Was ist das Toxische Schock-Syndrom?

10.01.2018, 13:37 · Aktualisiert: 10.01.2018, 17:16

Wenn du deine Periode hast, gehört der Tamponwechsel zu deinem Tag wie Kaffeetrinken. Nach ein paar Stunden wird es dringend mal wieder Zeit. Frauen wissen, dass der regelmäßige Wechsel wichtig für die Hygiene ist. Aber dass es auch gesundheitlich schwerwiegende Folgen haben kann, wenn man ihn nicht oft genug austauscht, ist einem höchstens schon einmal bei den Warnhinweise auf der Verpackung aufgefallen.

Lauren Wasser, 29, will das ändern. Seit ihrer Kindheit arbeitete sie als Model, unter anderem für die "Vogue", und spielte in ihrer Freizeit regelmäßig Basketball. Von einem auf den anderen Tag war damit Schluss. Denn Lauren erlitt 2012 ein sogenanntes Toxisches Schock-Syndrom. Schuld daran ist sehr wahrscheinlich ein Tampon, den sie zu lange in ihrem Körper ließ.