Bild: dpa / Boris Roessler

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Randalierer, was bildet ihr euch ein?

08.07.2017, 13:41 · Aktualisiert: 08.07.2017, 14:57

Ihr seid nicht viele!

Randalierer,

ihr seid nicht viele. Nicht im Vergleich zu den Einwohnern dieser Stadt und auch nicht im Vergleich zu all denen, die friedlich ihre Meinung auf die Straße getragen haben. 

Ihr habt Hamburg trotzdem lahmgelegt. Eine Nacht, zwei Nächte, vielleicht drei Nächte. Ihr habt Autos abgefackelt, Supermärkte geplündert und Menschen verletzt. Ihr habt eine Spur der Verwüstung in Hamburg hinterlassen. Ich weiß nicht, ob euch das stolz macht. Ob ihr wirklich glaubt, damit irgendwie den Sturz des Kapitalismus voranzutreiben. 

Denn die einzige Botschaft, die ich von euch sehe, ist: Demonstrationen sind gefährlich. Widerstand ist gefährlich. Eine Meinung zu haben, ist gefährlich. Und zwar für alle Beteiligten: den Staat, die Anwohner, die Demonstranten.

  • Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin beobachten wahrscheinlich mit größter Genugtuung, was ihr da treibt – eine bessere Rechtfertigung, um Demonstrationen im Keim zu ersticken, kann man kaum liefern. Sie können sich jetzt hinstellen, wenn wieder Homosexuelle für ihre Rechte aufstehen oder die Opposition protestiert, auf Hamburg zeigen und sagen: "Da sieht man, was passiert, wenn man diese verrückten Demonstranten ziehen lässt" – und die Demonstranten niederknüppeln.
  • Menschen, die noch nie auf einer Demo waren, werden sich vermutlich noch länger fernhalten. Einmal mehr werden sich alle größte Mühe geben, die friedlichen Demonstranten von euch zu unterscheiden. Trotzdem, schon weil die Worte so oft in Verbindung miteinander gesagt wurden, wird die Verknüpfung in den Köpfen entstehen: Demonstration = Eskalation und Randale.
  • Und die Demonstranten, die friedlich ihre Meinung auf die Straße trugen, werden frustriert sein, dass ihr wahres Interesse an der Demokratie einmal mehr überschattet wird von Berichten über Gewalt und Exzess. 

Es bricht mir das Herz.

Und es macht mich wütend. Auf euch, die ihr euch einbildet, eure Haltung sei so viel mehr wert als die der anderen. Die ihr euch aufschwingt zu einem selbstgerechten Mob, der entscheidet, wer was verdient hat. Die ihr glaubt, eure Zeichen seien gerechtfertigt.

About last night.

Posted by bento on Saturday, July 8, 2017

Ich ahne und fürchte, dass ihr euch trotzdem im Recht wähnt. Weil ein entfesselter Kapitalismus und unfaire Handelsabkommen ja wirklich Menschen töten. Aber eure Art, sich dagegen zu äußern, macht es nur schlimmer. Weil die Gedanken, um die es geht, mit eurer Art zu demonstrieren in den Dreck gezogen werden.

Ihr habt damit in den vergangenen Nächten so viel mehr zerstört als Autos und Häuser. Und das einzige, was bleibt, ist die Hoffnung, dass alle sehen, wie viele Demonstrationen es gab, bei denen Menschen tanzten und sangen, Fahrrad fuhren und friedlich blieben. 


Today

Größte G20-Demo: Zehntausende Menschen ziehen durch Hamburg

08.07.2017, 12:51 · Aktualisiert: 10.07.2017, 10:02

In den vergangenen Tagen gab es bereits viel Protest gegen den G20-Gipfel. Er war mal bunt und lustig, mal mit Bier in der Hand – und leider überschattet von den zuletzt gewalttätigen Ausschreitungen.

Am Samstag fand nun die größte aller Protestaktionen statt: Unter dem Motto "Grenzenlose Solidarität statt G20" liefen zehntausende Menschen in einem riesigen Demonstrationszug durch Hamburgs Innenstadt.