Bild: dpa/Daniel Reinhardt

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G20-Prozess: Fabio ist frei – gegen 10.000 Euro Kaution

27.11.2017, 12:36 · Aktualisiert: 27.11.2017, 15:17

Was ist passiert?

Mehr als vier Monate saß Fabio V., 18, in einem Hamburger Gefängnis in Untersuchungshaft. Am Montag ist der G20-Demonstrant nun gegen die Zahlung einer Kaution von 10.000 Euro entlassen worden. Das sagte ein Gerichtssprecher zu bento. Das Urteil im Prozess steht allerdings noch aus.

  • Bereits am Freitag hatte das das zuständige Oberlandesgericht entschieden, dass Fabio gegen die Zahlung einer Kaution freikommt. Mittlerweile seien alle Formalitäten geklärt worden, sagte der Sprecher.
  • So habe Fabios Mutter die Kaution hinterlegt, sie habe allerdings noch auf den Namen des 18-Jährigen umgeschrieben werden müssen.
  • Außerdem hätten Fabios Anwälte eine Zustellungsvollmacht unterschreiben müssen, falls er nicht zu einem Gerichtstermin erscheinen sollte.

(Bild: Axel Heimken/dpa)

Was wird Fabio vorgeworfen?

Er soll am 7. Juli an im schwarzen Block an einer Demonstration gegen den G20-Gipfel teilgenommen haben. Aus der Menge heraus flogen Steine und Böller in Richtung Polizei. Anschließend griff die Polizei an, löste die Demonstration auf.

Bei der Flucht wurden mehrere Demonstranten verletzt, als sie versuchten, über ein Geländer zu flüchten. Später fand die Polizei 41 schwarze Sturmhauben, 38 Steine, drei Stahlseile, zwei Hämmer, einen Feuerlöscher und eine Zwille.

Niemand kann Fabio nachweisen, dass er selbst etwas geworfen hat. Auch die Staatsanwaltschaft wirft ihm lediglich vor, dabei gewesen zu sein. Deswegen sei Fabio mitverantwortlich.

Zu Last gelegt werden ihm:

  • schwerer Landfriedensbruch,
  • versuchte gefährliche Körperverletzung
  • und ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Hier erklären wir alle Hintergründe:

Warum ist das wichtig?

Der Fall Fabio ist der wohl am meisten diskutierte G20-Prozess. Fragwürdig ist, für was Fabio überhaupt verantwortlich gemacht werden kann und ob die lange Untersuchungshaft im Verhältnis zu den Vorwürfen steht. Soll hier ein Exempel statuiert werden, weil die Hamburger Behörden unter Druck stehen? Zumindest einige Experten gehen davon aus. (Panorama)

Doch der heftige Widerstand aus der Öffentlichkeit und von Menschenrechtlern scheint Wirkung gezeigt zu haben. Das "Komitee für Grundrechte und Demokratie" sowie Amnesty International setzten sich für Fabios Freilassung ein. "Die Menschenrechtsorganisationen haben sehr geholfen", sagt Fabios Verteidiger Arne Timmermann zu bento. "Sie haben zurecht darauf hingewiesen, wie ungewöhnlich es ist, dass ein 18-Jähriger einen solchen Prozess in der Untersuchungshaft verfolgen muss."

Wir freuen uns sehr, Fabios Freilassung war lange überfällig.
Verteidiger Arne Timmermann

Wie geht es jetzt weiter?

Der Prozess wird am 4. Dezember fortgesetzt, dann könnte die Richterin unter Umständen bereits ein Urteil sprechen. Im Fall einer Verurteilung drohen Fabio zwischen sechs Monaten und mehreren Jahren Haft. Allerdings könnte das Gericht die Strafe zur Bewährung aussetzen oder das Jugendstrafrecht anwenden.


Gerechtigkeit

Ägypten verurteilt 14 Männer wegen homosexueller "Unzucht"

27.11.2017, 11:55

Es geht unter anderem um das Schwenken einer Regenbogenfahne.

Ein Gericht in der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat 14 Männer zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Laut des Richters sollen sie "anormale" sexuelle Beziehungen geführt haben. Das gab der Anwalt der Männer nach Verkündung des Urteils bekannt. (SPIEGEL ONLINE)

Noch müssen die Männer jedoch nicht ins Gefängnis. Sie gingen laut des Anwalts in Berufung und konnten zunächst nach Zahlung einer Kaution freikommen.